Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ARCHÄOLOGIE: Titus, der wohlhabende Römer aus Sursee

Bei der Sondierungsgrabung am Vierherrenplatz in Sursee ist ein römisches Gräberfeld entdeckt worden. Darin fand man etwas kantonsweit Einmaliges.
Florian Weingartner
Archäologin und Grabungsleiterin Angela Bucher zeigt die Keramikscherbe mit dem eingeritzten Namen Titus. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Archäologin und Grabungsleiterin Angela Bucher zeigt die Keramikscherbe mit dem eingeritzten Namen Titus. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Sein Name war Titus. Eingeritzt auf einem Stück Keramik wurde dieser Name der Nachwelt erhalten. Es ist die älteste namentliche Nennung eines Bewohners im ganzen Kanton Luzern. Die Keramikscherbe stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und wurde bei den derzeit stattfindenden Sondierungsgrabungen am Vierherrenplatz in Sursee gefunden.

«Bisher wurden im Kanton Luzern keine Namen aus römischer Zeit gefunden. Das ist ein spezielles Gefühl, ein Name macht jemanden fassbar», sagt Grabungsleiterin Angela Bucher, die den Fund selber machte. Im Titus-Grab fanden sich auch grössere Teile eines Urnengefässes. Ob es sich bei Titus um den Begrabenen selber oder einen Grabbeigabenspender gehandelt hat, sei noch nicht klar.

Auf einer Scherbe fand sich der eingeritzte Namen Titus, somit der älteste namentlich bekannte Einwohner von Sursee. (Bild: Keystone)
Hermann Fetz, Resortleiter der provinzialrömischen Archäologie, stellt die Funde am Mittwoch in Sursee vor. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Zwei temporäre Mitarbeiter der Kantonsarchäologie arbeiten an der Freilegung der Gräber. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Ein komplett erhaltenes Öllämpchen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., welches als Beigabe in ein Grab mitgegeben wurde. (Bild: Kantonsarchäologie Luzern)
Bild: Manuela Jans / Neue LZ
Bild: Manuela Jans / Neue LZ
Bild: Manuela Jans / Neue LZ
Bild: Manuela Jans / Neue LZ
Bild: Manuela Jans / Neue LZ
Verschiedene Keramik- und Eisenfunde aus dem Grab mit der Titus-Inschrift. In der Bildmitte das Fragment mit der Titus-Inschrift. (Bild: Kantonsarchäologie Luzern)
Die Grab-Fundstätte in Sursee. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Ein Teil der Funde aus den bisher zehn römischen Brandgräbern. (Bild: Keystone)
Umzeichnung der Titus-Inschrift (Bild: Kantonsarchäologie Luzern)
Die Keramikscherben stammen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. (Bild: Keystone)
Archäologin und Grabungsleiterin Angela Bucher präsentiert die Funde. (Bild: Kantonsarchäologie Luzern)
Hermann Fetz, Resortleiter der provinzialrömischen Archäologie, stellt die Funde am Mittwoch in Sursee vor. (Bild: Keystone)
In den kommenden Tagen wird die Sondierungsgrabung beendet. Doch die Archäologen wollen wiederkommen. (Bild: Keystone)
Bild: Keystone
Bild: Keystone
19 Bilder

Funde vom römischen Friedhof in Sursee

Gräber der Oberschicht

Die auf einer Fläche von nur 5 auf 1,4 Meter entdeckten zehn Brandgräber enthielten reiche Grabbeigaben, wie Bucher weiter ausführt. «Es handelt sich um sehr schöne Beigaben, die teilweise mit dem Leichnam verbrannt wurden, wie geschmolzene Glasstücke zeigen, oder aber nach der Kremierung ins Grab gelegt wurden.» So ist etwa ein Öllämpchen vollständig erhalten geblieben. Zu den gefundenen Grabbeigaben gehören auch Münzen und Tieropfer. Die zahlreichen Grabbeigaben liessen den Rückschluss zu, dass es sich bei den Bestatteten um wohlhabende Leute gehandelt haben müsse, sagt Bucher weiter. Dies im Gegensatz zu den im Surseer Hof­stetterfeld gefundenen, einfacheren Gräbern.

«Die reichen Grabbeigaben geben uns einen Hinweis darauf, dass in der Nähe auch Gebäude gewesen sein müssen. Die römische Kleinstadt war wohl grösser als bisher angenommen», so Bucher. Bisher sei man von einem kleinen Provinznest ausgegangen. Die Gräber und ihre Beigaben zeichneten jedoch ein anderes Bild. Möglicherweise habe sich das Zentrum der Siedlung im Bereich des heutigen Schulhauses St. Georg befunden. Dort habe man in Sursee die bisher einzigen repräsentativen Mauern gefunden.

Nicht vollständig erhalten

Es ist im dicht bebauten Gebiet, das zudem im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals neu überbaut wurde, schwierig, auf neue und gut erhaltene Fundstätten zu stossen. So sind auch die jetzt entdeckten Gräber nicht vollständig erhalten, sondern oben «abgeschnitten», da der Platz, unter dem sie liegen, in moderner Zeit ausgeebnet worden ist.

Dennoch könne aus den Fundstücken des Gräberfeldes so einiges geschlossen werden, sagt Hermann Fetz, Ressortleiter provinzialrömische Archäologie. «Wir erhoffen uns nähere Hinweise auf die Entwicklung von Grösse und Sozialstrukturen der damaligen Bevölkerung.» Mit den heutigen technischen Instrumenten sei diesbezüglich vieles machbar. Auf jeden Fall sei die Erforschung des römischen Sursee noch lange nicht abgeschlossen.

In den kommenden Tagen wird die Sondierungsgrabung beendet. Doch die Archäologen wollen wiederkommen. Kantonsarchäologe Jürg Manser sagt: «An dieser für Luzerner Verhältnisse extrem reichen Fundstätte müssen grossflächige Notgrabungen vorgenommen werden, bevor mit dem Bauprojekt gestartet wird.» Am Vierherrenplatz soll eine Überbauung mit Pfarreizentrum und Tiefgarage zu stehen kommen. An der Gemeindeversammlung vom 21. Oktober informiert die Stadt über das Projekt. Im März kommenden Jahres soll die Gemeindeversammlung über die nötige Umzonung bestimmen. Für Mai ist die Urnenabstimmung über den Baukredit für die städtische Tiefgarage vorgesehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.