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ARCHITEKTUR: Karge Schönheiten aus den Zwischenkriegsjahren

Ob Bauten aus den Zwischenkriegsjahren schützenswert sind, spaltet bisweilen die Gemüter. Mit einem neuen Bildband hält eine Luzerner Fotografin nun ein eindrückliches Plädoyer für die Schönheit, die sich hinter den nüchternen Fassaden befindet.
Ismail Osman
Einblicke in die Kunst des modernen Bauens: (oben) Hauptraum der von Fritz Metzger 1934 erbauten St.-Karl-Kirche, (unten, von links) Unterrichtszimmer in der 1935 von Armin Meili gestalteten Kaserne Allmend, Aussenansicht des Treppenhauses der 1933 realisierten Dula-Schulanlage von Albert Zeyer, Nordfassade der Maihofkirche und des Glockenturms von Otto Dreyer aus dem Jahr 1941. (Bilder: Daniela Burkart, PD)

Einblicke in die Kunst des modernen Bauens: (oben) Hauptraum der von Fritz Metzger 1934 erbauten St.-Karl-Kirche, (unten, von links) Unterrichtszimmer in der 1935 von Armin Meili gestalteten Kaserne Allmend, Aussenansicht des Treppenhauses der 1933 realisierten Dula-Schulanlage von Albert Zeyer, Nordfassade der Maihofkirche und des Glockenturms von Otto Dreyer aus dem Jahr 1941. (Bilder: Daniela Burkart, PD)

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Luzern – die 1930er-Jahre: Heute spricht man von den Zwischenkriegsjahren. ­Luzern ist zwar noch immer das etwas verschlafene Städtchen am Vierwaldstättersee – und doch weht auch hier ein neuer Wind. Innerhalb weniger Jahre entstehen in verschiedenen Teilen der Stadt neue Gebäude, die unmissverständlich klarstellen, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist.

Die Architektur der Moderne nahm in diesen Jahren Einzug in der Leuchtenstadt und manifestierte sich zwischen 1931 und 1935 in Gebäuden wie der ­Dula-Schulanlage, der St.-Karl-Kirche oder der Kaserne Allmend. «Nüchtern», «funktional» oder «karg» sind Schlagwörter, die im Zusammenhang mit dem neuen Bauen reflexartig fallen. Und ­natürlich auch der alles dominierende Grundsatz «Form folgt Funktion».

Ihrer Zeit weit voraus

Was damals extrem futuristisch anmutete und den Aufbruch in die von der Technik und Wissenschaft geprägte Moderne symbolisierte, wird heute – fast 90 Jahre später – oftmals übersehen. Dermassen weit waren diese Bauten ihrer Zeit voraus, dass sie sich heute ohne Problem ins moderne Stadtbild einfügen. Ihr Alter und ihre historische Bedeutung sind entsprechend nicht offensichtlich erkennbar – im Gegensatz etwa zu den verschnörkelten Bauten aus der Jugendstilepoche. Entsprechend wird nicht selten über den Wert von Gebäuden aus der Moderne diskutiert – insbesondere wenn die Frage im Raum steht, ob ein Gebäude dieser Zeit unter Schutz gestellt werden soll.

In ihrem soeben erschienenen Bildband «Architektur der Moderne und Denkmalpflege» nimmt die Fotografin Daniela Burkart dieses Thema auf, zeigt die genannten Gebäude im besten Lichte und hält so ein Plädoyer für die Wertschätzung der Architektur aus dieser Zeit. «Im Kern dieser Architektur steht eine neue, aufgeräumte und ehrliche Philosophie», sagt Burkart. «Im Zentrum stand nicht primär die Fassade, das Repräsentative, sondern der Mensch und seine Bedürfnisse. Der Mut dieser Architekten, diesen konsequenten Schritt vorwärts zu machen, fasziniert mich», sagt die Horwerin Burkart, die selbst über ein abgeschlossenes Grundstudium in Architektur verfügt.

Lichtdurchflutet und zurückhaltend elegant präsentieren sich die langen Korridore, das Treppenhaus oder die Turnhalle der Dula-Schulanlage durch Burkarts Linse. Die Kirche St. Karl (im Volksmund St. Karli genannt) offenbart erst in den Bildern ihre imposante innere Grösse und ihre versteckten Details. Die Kaserne Allmend wirkt in manchen von Burkarts Aussenfotografien wie ein Leuchtturm, der alleine in der Brandung steht. Und auch Burkarts vierter Protagonist, die Maihof-Kirchenanlage, wird aus neuen Blickwinkeln erkundet. «Diese vier Gebäude stehen symbolisch für andere Bauten aus dieser Zeit», sagt Burkart, welche die Gebäude zwischen 2015 und 2017 zu jeder möglichen Tages- und Nachtzeit ablichtete. «Sie ins ‹rechte Licht zu rücken›, war nicht allzu schwer, da sie sich alle in einem guten Zustand befinden.» Burkart hofft, dass diese Gebäude den Betrachter auch für den Wert anderer Gebäude der Moderne sensibilisieren. «Diese Gebäude haben eine Wertigkeit und können, wenn sie richtig gepflegt und erhalten werden, auch heute noch genutzt werden.»

Herausforderung für Denkmalpflege

Daniela Burkarts Buch zeigt bei allen vier porträtierten Gebäuden auch den Weg zum denkmalgeschützten Objekt auf – oftmals ein langer Prozess. Kein Wunder, müssen künstlerische Ansprüche, geschichtliche Bedeutung und diverse private und öffentliche Interessen abgewägt werden. Eine Unterschutzstellung bedeutet nicht zuletzt auch eine Beschränkung des Eigentums, da Veränderungen am Gebäude nur noch unter Genehmigung der Denkmalpflege erfolgen können. «Für unsere Arbeit sind Frau Burkarts Bilder ein Geschenk», sagt Cony Grünenfelder, seit 2010 kantonale Denkmalpflegerin. «Der Umgang mit Bauten aus der Moderne ist für die Denkmal­pflege eine Herausforderung. Die Anerkennung der Denkmalwürdigkeit ist bei diesen Gebäuden nicht die Regel.» Grünenfelder präzisiert «noch nicht» und verweist darauf, dass es auch eine Zeit gab, in der reihenweise Bauten des Historismus abgerissen wurden, bevor man in den 70er-Jahren deren Wert erkannte.

Ein Beispiel, das in der Stadt Luzern über Jahre für Diskussionen sorgte, ist das Gewerbegebäude an der Tribschenstrasse. Das 1933 von Carl Mossdorf (1901–1969) erbaute Gewerbegebäude gehört der CSS-Versicherung, die gleich nebenan ihren Sitz hat und einen Neubau anstelle des Gewerbegebäudes anstrebt. Nach langen Diskussionen, mehreren Gutachten und Petitionen entschied die Dienststelle Hochschulbildung und Kultur im September des vergangenen Jahres, dass das Gebäude, das sich heute in einem schlechten Zustand befindet, nicht im kantonalen Denkmalverzeichnis eingetragen wird.

Der Entscheid ist gemäss Grünenfelder aus fachlicher Sicht zu bedauern und zeigt die fehlende Akzeptanz: «Erst wenn man über den Wert eines Gebäudes diskutiert, beginnt man hinzuschauen.» Gut möglich, dass Daniela Burkart schon in naher Zukunft genau dies tun wird – hinschauen: «Es wäre eine reizvolle Herausforderung, Bilder von Gebäuden der Moderne zu machen, die noch nicht saniert wurden und deren Wert eben noch nicht erkannt ist.»

Hinweis

«Architektur der Moderne und Denkmalpflege» ist im Christoph-Merian-Verlag erschienen. Infos: www.merianverlag.ch. Es finden öffentliche Führungen durch die Kaserne Allmend (18. Mai), Kirche St. Karl (28. Juni) und Maihof (20. September) statt (jeweils um 17.30 Uhr). Mehr Infos: www.burkart.lu

Einblicke in die Kunst des modernen Bauens: (oben) Hauptraum der von Fritz Metzger 1934 erbauten St.-Karl-Kirche, (unten, von links) Unterrichtszimmer in der 1935 von Armin Meili gestalteten Kaserne Allmend, Aussenansicht des Treppenhauses der 1933 realisierten Dula-Schulanlage von Albert Zeyer, Nordfassade der Maihofkirche und des Glockenturms von Otto Dreyer aus dem Jahr 1941. (Bilder: Daniela Burkart, PD)

Einblicke in die Kunst des modernen Bauens: (oben) Hauptraum der von Fritz Metzger 1934 erbauten St.-Karl-Kirche, (unten, von links) Unterrichtszimmer in der 1935 von Armin Meili gestalteten Kaserne Allmend, Aussenansicht des Treppenhauses der 1933 realisierten Dula-Schulanlage von Albert Zeyer, Nordfassade der Maihofkirche und des Glockenturms von Otto Dreyer aus dem Jahr 1941. (Bilder: Daniela Burkart, PD)

Einblicke in die Kunst des modernen Bauens: (oben) Hauptraum der von Fritz Metzger 1934 erbauten St.-Karl-Kirche, (unten, von links) Unterrichtszimmer in der 1935 von Armin Meili gestalteten Kaserne Allmend, Aussenansicht des Treppenhauses der 1933 realisierten Dula-Schulanlage von Albert Zeyer, Nordfassade der Maihofkirche und des Glockenturms von Otto Dreyer aus dem Jahr 1941. (Bilder: Daniela Burkart, PD)

Einblicke in die Kunst des modernen Bauens: (oben) Hauptraum der von Fritz Metzger 1934 erbauten St.-Karl-Kirche, (unten, von links) Unterrichtszimmer in der 1935 von Armin Meili gestalteten Kaserne Allmend, Aussenansicht des Treppenhauses der 1933 realisierten Dula-Schulanlage von Albert Zeyer, Nordfassade der Maihofkirche und des Glockenturms von Otto Dreyer aus dem Jahr 1941. (Bilder: Daniela Burkart, PD)

Einblicke in die Kunst des modernen Bauens: (oben) Hauptraum der von Fritz Metzger 1934 erbauten St.-Karl-Kirche, (unten, von links) Unterrichtszimmer in der 1935 von Armin Meili gestalteten Kaserne Allmend, Aussenansicht des Treppenhauses der 1933 realisierten Dula-Schulanlage von Albert Zeyer, Nordfassade der Maihofkirche und des Glockenturms von Otto Dreyer aus dem Jahr 1941. (Bilder: Daniela Burkart, PD)

Einblicke in die Kunst des modernen Bauens: (oben) Hauptraum der von Fritz Metzger 1934 erbauten St.-Karl-Kirche, (unten, von links) Unterrichtszimmer in der 1935 von Armin Meili gestalteten Kaserne Allmend, Aussenansicht des Treppenhauses der 1933 realisierten Dula-Schulanlage von Albert Zeyer, Nordfassade der Maihofkirche und des Glockenturms von Otto Dreyer aus dem Jahr 1941. (Bilder: Daniela Burkart, PD)

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