ARENA: Er geht dem Fell an den Kragen

Vor begeistertem Publikum scherte Armin Hegglin gestern Schafe. Das sei auch für die Tiere ein schönes Erlebnis.

Anja Glover
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Berufsscherer Massimo Fanchini zeigt den Zuschauern, wie er Schafe schert. (Bild Corinne Glanzmann)

Berufsscherer Massimo Fanchini zeigt den Zuschauern, wie er Schafe schert. (Bild Corinne Glanzmann)

Die standfesten Schuhe montiert, zerrt Armin Hegglin den dicken Wollknäuel auf die Schaubühne: Das Schaf musste gestern unter den Augen zahlreicher Schaulustiger dran glauben. Oder durfte, besser gesagt: Nachdem der professionelle Schafscherer es erst einmal in die richtige Position, den Rückwärtssitz, gebracht hatte, war das Geschorenwerden für das Schaf ein wohlwollender Akt der Befreiung, wie der Profi betont. Was etwas makaber aussieht, sei in Wahrheit die längst fällige und schmerzfreie Entfernung des dicken Fells, das während eines Jahres gewachsen ist. «Dem Schaf ist es sonst viel zu warm», erklärt Ernst Vogel, Besitzer des Schafs und Präsident des Schafhaltervereins Kanton Luzern.

Nach knappen drei Minuten strahlt das Tier in neuem Antlitz und sieht mit der neuen Frisur gleich ein paar Jahre jünger aus. Erleichtert hüpft es von der Bühne, mitten ins Publikum. Hegglin aber ist schnell und hält es schmunzelnd am Bein zurück. Neben ihm liegt das wollige Fell, das dank sauberer Arbeit fast als Einteiler erkennbar ist. «Gerade wie ein Mantel, den man ihm abgezogen hat», meint ein Bub. Nutzen davon tragen Mensch als auch Tier: Während sich das Schaf in seiner Haut wieder wohlfühlt, machen wir von der Wolle Gebrauch: «Die Wolle wird hauptsächlich für Kleider jeglicher Art verwendet», so Vogel. Das Gute an dem natürlichen Material sei, dass Wolle die Feuchtigkeit rauslasse, die Wärme aber drinnen bleibe. Eigentlich perfekte Eigenschaften für eine gute Hausisolation, aber viel zu teuer, erklärt Vogel weiter. An der Luga gabs die frisch geschorene Wolle umsonst: Die Kinder bedienten sich am braunen Fell, während Hegglin bereits das zweite Schaf von seiner Wolle befreite.

20 000 Schafe pro Jahr

Nicht ohne Grund jongliert Hegglin spielerisch mit der Schere, während er es gleichzeitig schafft, das Schaf ruhig zu halten. Als einer von wenigen professionellen Schafscherern übt er sein Können pro Jahr an rund 20 000 Schafen aus. Und dies stets mit dem Bestreben, die Wolle am Stück zu scheren. Die hauptsächliche Schwierigkeit aber bestünde darin, das Schaf nicht zu verletzen. Hegglin: «Wenn ich die Haut nicht richtig halte, kann ich das Schaf mit einer falschen Bewegung so verletzen, dass es nicht mehr gehen kann.»

Hinweis: Berufsscherer zeigen täglich um 14.30 und 16 Uhr in der Arena ihre Arbeit.