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Open-Air Heitere: Arm in Arm mit einem Fremden hüpfen sie zur Musik

Ein Open-Air-Festival bietet mehr als nur Konzerte unter freiem Himmel: Es bietet die Freiheit, sich unter Tausenden von Leuten so zu geben, als würde keiner zuschauen. Unser Autor liess sich in diese wundersame Welt entführen.
Manuel Burkhard
Gute Laune und gute Stimmung am Festival auf dem Heitere über Zofingen.(Bild Eveline Beerkircher)

Gute Laune und gute Stimmung am Festival auf dem Heitere über Zofingen.
(Bild Eveline Beerkircher)

Das Open-Air-Feeling setzt schon am Bahnhof Zofingen ein, im Avec, der Tankstelle zwischen Eisenbahn und Shuttlebus. «Der Umsatz während des Heitere ist fast doppelt so gross wie an einem normalen Tag», sagt Milena Schürmann, stellvertretende Shopleiterin. Verkauft wurden – wenig überraschend – vor allem Bier und Wasser. «Aber auch frisches Brot ist gefragt.»

Ein Shuttlebus holt die Besucher in der Realität ab – und entlässt sie nach einer kurzen Fahrt in die Heitere-Welt. Willkommen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit: dem Open-Air-Zeltplatz. Jener Ort, wo man sich – umgeben von Tausenden von Menschen – so benehmen kann, als würde niemand zuschauen.

Regeneration, Vorbereitung und Rock ’n’ Roll

Hier lässt sich am frühen Nachmittag der Festivalgänger in allen Phasen beobachten. In der ersten Stufe, Regeneration, befinden sich jene, die wahlweise auf einer Matte, einem Liegestuhl oder einfach auf dem Gras liegen. Erholung muss halt auch mal sein. Wobei hier die Ansichten ausei­nandergehen: «Es mag’s halt ned jede verliide,» kommentieren Christian und Gabriel ihren Freund, der sich, auf dem Boden ausgebreitet wie ein Seestern, noch in dieser ersten Phase befindet. Die zwei jungen Männer sind nach einer kurzen Nachtruhe – wie kurz genau wissen sie nicht – seit 8.00 Uhr oder 9.30 Uhr – so genau wissen sie es nicht – bereits wieder in der Phase zwei angekommen: Vorbereitung.

Das Gelände vor der Bühne ist voll mit gutgelaunten Festival-Gästen.
(Bild: Eveline Beerkircher)
The Gardener & The Tree auf dem Heitere.
(Bild: Eveline Beerkircher)
Super Stimmung am Heitere Open Air in Zopfigen.
(Bild: Eveline Beerkircher)
Wetter sonnig, Musik gefällt – Stimmung super.
(Bild: Eveline Beerkircher)
Tanzen, dass die Haare fliegen.
(Bild: Eveline Beerkircher)
Der Sänger der Band Suma Covjek (im blauen Shirt) singt in der Menschenmenge.
(Bild: Eveline Beerkircher)
Wasser hilft gegen die heissen Temperaturen.
(Bild: Eveline Beerkircher)
Auf dem Zeltplatz wird gejasst.
(Bild: Eveline Beerkircher)

Der Auftritt von Los Amigos am Volksschlager-Abend am Heitere Open Air.
(Bild: Dominik Wunderli)
Während dem Auftritt von Linda Fäh. (Bild: Dominik Wunderli)
Dem Publikum scheint ihre Performance zu gefallen. (Bild: Dominik Wunderli)
Der Schlagerstar Linda Fäh. (Bild: Dominik Wunderli)
Linda Fäh mit ihrer Tanzgruppe am Volksschlager-Abend am Heitere Open Air.
(Bild: Dominik Wunderli)
Abkühlung gefällig? (Bild: Eveline Beerkircher)
Am Volksschlager-Abend am Heitere Open Air.
(Bild: Dominik Wunderli)

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Grosse Musik und Stimmung auf dem Heitere

Mit Kaffee oder Bier, Gesundheitsfanatiker gar mit Früchten, so stimmen sich die Besucher auf einen weiteren langen Festivaltag ein. Je nach vorhandener Ausrüstung tun sie das auf einfachen Campingstühlen, in einem mit Eiswasser gefüllten Planschbecken oder inmitten eines liebevoll angelegten Gärtchens komplett mit Teich und Quietschente. Die ganz Harten aber gehen bereits am Mittag in die dritte Stufe über: Rock ’n’ Roll. Auf der Waldbühne stürzen sie sich ins Getümmel, bis das Festivalgelände seine Pforten wieder öffnet.

Marktplatzstimmung weicht Einkaufscenter-Atmosphäre

Herzstück des Heitere sind an diesem Wochenende natürlich die Bühnen. Doch bei einem Rundgang über das Gelände wird rasch klar, dass sich hier nicht nur Musiker präsentieren. Es herrscht die Atmosphäre eines Einkaufscenters: Zelte und Flaggen begrüssen die Besucher mit Logos bekannter Unternehmer, überall werden Muster verteilt. Geradezu unaufdringlich gibt sich dabei der eigentliche Markt, wo die Händler an ihren Ständen typische Festivalartikel wie Schmuck, T-Shirts, Sonnenbrillen und Hüte anbieten. Doch die Zeiten ändern sich: «Früher kamen Leute auch zum Einkaufen ans Open Air, weil hier spezielle Artikel erhältlich sind. Aber man verkauft immer weniger», meint einer von ihnen. 29 Jahre lang zog er von Festival zu Festival, dies ist seine letzte Saison. Er sieht auch die negativen Seiten des ausgelassenen Treibens: «Gegen Abend werden die Leute mühsam.» Das grösste Problem: Diebstahl.

Falls es für einen der 12 000 Festivalgänger doch mal nicht rund läuft, sind drei Ärzte, bis zu elf Samariter und zwei Notfallsanitäter zur Stelle, um den Schaden einzugrenzen. Ihre Hilfe wird zum Glück meist nur bei kleineren Vorfällen in Anspruch genommen: Splitter im Finger, Insektenstiche, Verstauchungen. Der Sanitätsposten im Schützenhaus sei zwar gut eingerichtet, sagt Dr. Michael Baumberger, aber: «Bei der Hygiene und der Wundversorgung sind wir eingeschränkt.» Dann bleibe teils doch nur die Überweisung ans Spital. Das betreffe aber nur einen von fünfzig Patienten.

Das Publikum lässt sich mitreissen

Alle anderen können sich nach der Behandlung wieder ins Getümmel stürzen – dort- hin, wo das Herz des Open Air schlägt. Jene, die auf der Bühne stehen, geben tageszeitenunabhängig alles. Und das Publikum zieht mit. Man darf am Heitere ja so tun, als würde niemand zuschauen. So ist sich dann auch am frühen Nachmittag niemand zu schade, der Aufforderung von der Bühne nachzukommen, einen Fremden zu umarmen und dann Arm in Arm zur Musik zu hüpfen.

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