Arno Troxler setzt weiter auf Experimente

Im Programm des Jazz Festival Willisau 2011 (24.-28. August) findet man zwar vertraute Namen, doch treten sie in ungewohnten Formationen auf. Arno Troxler setzt damit seine sanfte Erneuerung des Festivals fort und hofft auf ein neugieriges Publikum.

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Gut vertreten ist die Schweizer Szene. Samuel Blaser, Christian Weber und Samuel Rohrer treten als Leader international besetzter Combos auf. (Bild: PD)

Gut vertreten ist die Schweizer Szene. Samuel Blaser, Christian Weber und Samuel Rohrer treten als Leader international besetzter Combos auf. (Bild: PD)

Im letzten Jahr hat Arno Troxler die Leitung des traditionsreichen Jazz Festival Willisau von seinem Onkel, Niklaus Troxler, übernommen. Ein schweres Erbe. Für den neuen Chef war klar, dass er nicht einfach weitermachen würde wie gehabt. Er setzte neue Akzente mit mehr Elektronika und rockigeren Tönen.

Musikalisch gehörte das Festival 2010 zu den inspirierendsten und interessantesten der letzten Jahre - obwohl oder vielleicht gerade weil die ganz grossen respektive die für alte Willisau-Fans gewohnten Namen fehlten. Der Publikumsaufmarsch dagegen ging, nicht ganz unerwartet, um rund 15 Prozent zurück.

Auf oberlehrerhafte Zurechtweisung und gute Ratschläge gestandener Fans musste Arno Troxler nicht warten. So wurden ihm etwa in einem Fachblatt spektakuläre Events für Sponsoren vorgeschlagen - eine Idee, die ziemlich weit weg liegt von dem, was Willisau geprägt und ausgezeichnet hat.

Mut zum Risiko

Arno Troxler liess sich aber nicht davon abhalten, die Erneuerung des Festivals fortzuführen. Mag zwar das Programm nicht mehr viel gemeinsam haben mit jenen von früher - im Geist jedenfalls steht es jener Aufbruchstimmung nahe, die Willisau einst in den siebziger Jahren geformt und geprägt hat.

Das ist mutig und mit Risiken behaftet. Aber es entspricht damit dieser Musik, die in ihren besten Zeiten mit der Improvisation auch die Möglichkeit des Scheiterns in Kauf nahm. Schön wäre es, wenn das Publikum diesen Mut belohnen würde. Auch hier bedarf das Festival nämlich einer Verjüngung, denn die alten Fans sterben langsam aus oder lassen es sich zuhause im Sessel gemütlich sein.

Ganz verzichten auf vertraute Namen muss man in Willisau auch in diesem Jahr nicht. So kommen beispielsweise die Schlagzeuger Jim Black und Paul Lovens, der Saxofonist Ellery Eskelin, die Pianistin Myra Melford, der Gitarrist Marc Ducret und der Trompeter Dave Douglas ins Luzerner Hinterland.

Vertraute Namen in ungewohntem Kontext

Aber diese Musiker treten nicht im gewohnten Kontext auf, sie spielen mit jüngeren Kollegen, mit Nachwuchskräften. Das ist für beide Seiten eine Herausforderung. Eine Europapremiere gibt es mit Nels Cline (Wilco): er kommt mit dem Impro-Projekt The Nils Cline Singers. Auch die angesagte Drummerin Allison Miller ist in Willisau zu hören.

Gut vertreten ist die Schweizer Szene. Samuel Blaser, Christian Weber und Samuel Rohrer treten als Leader international besetzter Combos auf. Und der Gitarrist Christy Doran präsentiert in Willisau seine neu besetzte Formation New Bag.

Ergänzt wird das Hauptprogramm in der Festhalle mit insgesamt sechs Doppelkonzerten durch die Konzertreihen Intimities, Late Spot und On the Road.

sda

Infos: www.jazzfestivalwillisau.ch