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ARTENVIELFALT: Diese Tiere kämpfen ums Überleben

In der Zentralschweiz steht es um die Weiterexistenz vieler Tier- und Pflanzenarten schlecht. Trotzdem: Dank zahlreicher Schutzmassnahmen konnte bislang das Schlimmste verhindert werden. Das zeigt ein Blick auf die Wirbeltiere.
Thomas Heer
Verschwinden zunehmend: der Grosse Brachvogel (oben), der Laubfrosch (links) und die Bekassine (rechts). (Bilder: Peter Vonwil)

Verschwinden zunehmend: der Grosse Brachvogel (oben), der Laubfrosch (links) und die Bekassine (rechts). (Bilder: Peter Vonwil)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Es waren schon über 10 Jahre ins Land gezogen, als im nördlichen Kantonsgebiet von Schwyz letztmals ein Bruterfolg des Grossen Brachvogels nachgewiesen werden konnte. Auch ein anderer Wasservogel, die Bekassine, brütete bis Mitte der 1990er-Jahr noch in Gebieten der Zentralschweiz, so zum Beispiel im schwyzerischen Rothenthurm. Zu diesem Befund kommt Livio Rey, Mediensprecher der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach.

Wer sich mit dem Artensterben in der Schweiz etwas eingehender befasst und sich dabei auf die Wirbeltiere fokussiert, bei dem wächst die Erkenntnis, dass besonders jene Arten ums Überleben kämpfen, die auf feuchte oder sogar wasserreiche Lebensräume angewiesen sind. Das betrifft zum Beispiel den Laubfrosch, im Volksmund als Wetterfrosch bekannt. Simon Capt, Mitarbeiter bei der Info Fauna und spezialisiert auf Wirbeltiere, sagt: «Der Laubfrosch ist sehr stark unter Druck und in manchen Gebieten vom Aussterben bedroht. Und dies, obwohl an vielen Orten der Schweiz Lebensräume im Sinne dieser Tierart aufgewertet wurden.»

Ein weiteres Beispiel für ein Wirbeltier, das in den letzten 20 Jahren auf dem Gebiet des Kantons Luzern nicht mehr nachgewiesen werden konnte, ist die Sumpfspitzmaus. Das habe, so Capt, eine Untersuchung gezeigt, die 2006 vom nachmaligen Luzerner Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei, Otto Holzgang, durchgeführt wurde.

Aber auch Tiere, die nicht auf feuchte und wasserreiche Lebensräume angewiesen sind, sind praktisch verschwunden. Capt nennt als Beispiel die Schlingnatter, die im Kanton ­Luzern nur noch in vereinzelten Zonen des Entlebuchs zu finden sei. Dieses Schicksal teilen auch verschiedene Vogelarten, deren Bestände in den vergangenen 20 Jahren dramatisch zurückgingen. Gemäss Livio Rey betrifft das zum Beispiel das Braunkehlchen oder die Feldlerche.

Wer Experten nach dem Aussterben von Wirbeltieren befragt, dem werden nicht haufenweise Namen aufgezählt. Das hängt zum einen damit zusammen, dass es über das Artensterben keine kantonalen Auswertungen gibt. Die Lebensräume von Tieren lassen sich nicht auf die Massstäbe von Kantonsgebieten reduzieren. Zum anderen ist es tatsächlich so, dass in den letzten 20 Jahren nur sehr wenige Wirbeltierarten total verschwunden sind. Die Entwicklung hat sich verlangsamt. Das hat einerseits damit zu tun, dass das grosse Artensterben bereits in früheren Jahrzehnten stattgefunden hat. Andererseits hat sich in der jüngeren Vergangenheit in ­Sachen Erhalt der Schweizer Biodiversität auch einiges getan.

So gibt es allein in der Zentralschweiz rund 100 Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung. Auch dank solcher Massnahmen konnte verhindert werden, dass es zum Totalaussterben von vielen Wirbeltierarten kam. Ist also Entwarnung angesagt? Nein. Zu bedenken ist, dass diese Gebiete – gemessen an der Landesfläche – winzig klein sind und gesamtschweizerisch keine 200 Quadratkilometer umfassen. Und genau hier setzt Walter Wagner, Abteilungsleiter Biodiversität beim WWF Schweiz, mit seiner Kritik an. Er sagt: «Eine Untersuchung der Europäischen Umweltagentur zeigt, dass die Schweiz für den Erhalt der Biodiversität noch viel tun muss. Bezüglich der Ausscheidung von Schutzgebieten belegt unser Land von allen 38 untersuchten Ländern den letzten Platz.»

Der Bund zeichnet düsteres Bild

Zusammen mit Bird Life Schweiz und Pro Natura fordert der WWF, dass die Schweiz beim Schutz der Natur, der Landschaft und der biologischen Vielfalt endlich ­einen grossen Schritt vorwärts macht. Dass es mit der Biodiversität in der Schweiz nicht zum Besten steht, zu diesem Schluss kommt auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu). In einer Medienmitteilung vom Juli ist unter anderem Folgendes festgehalten: «Fast die Hälfte der untersuchten Lebensräume und mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten sind bedroht.» Die Hauptgründe für die unbefriedigende Situation ortet das Bafu unter anderem im wachsenden Flächendruck für Siedlungen und Infrastrukturen, der intensiven Landwirtschaft sowie der Klimaveränderung.

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