Interview

Privater Gönner aus Luzern spendet 1 Million für Theaterneubau-Wettbewerb

Arthur Waser möchte, dass Luzern «das beste Theater Europas» erhält. Mit seiner Spende will er einen hochkarätigen Architekturwettbewerb ermöglichen.  

Hugo Bischof
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Die Arthur Waser Stiftung hat eine Million Franken auf das Konto der Stiftung Luzerner Theater einbezahlt. Damit soll ein Architekturwettbewerb für den Bau eines neuen Theaters durchgeführt werden, dies wurde am Donnerstag an einer Medienkonferenz bekannt. Es soll eine Anschubfinanzierung sein und weitere private Spenden auslösen. Bis zum Start des Architekturwettbewerbs soll klar sein, ob es Richtung Neu- oder Umbau gehen soll. 

Gut besucht: Die Medienkonferenz zur Zukunft des Luzerner Theaters.

Gut besucht: Die Medienkonferenz zur Zukunft des Luzerner Theaters.

Eveline Beerkircher (Luzern, 12. Dezember 2019)

Weiter gaben Stadt und Kanton Luzern sowie die Stiftung Luzerner Theater die weiteren Schritte bei der geplanten Erneuerung des Luzerner Theaters bekannt. Für die anstehende Phase wird noch in diesem Jahr eine Projektierungsgesellschaft gebildet. «Wir wollen auch, dass sich politische und kulturelle Interessengruppen wie zum Beispiel die freie Theaterszene und weitere Stimmen regelmässig einbringen können», sagte Stadtpräsident Beat Züsli und ergänzte: «Mit der Projektierungsgesellschaft bekommen sie eine klare Ansprechpartnerin.»

Als nächstes soll abgeklärt werden, wie sich ein Neubau oder ein Erweiterungsbau mit den Vorgaben der Eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege sowie Natur- und Heimatschutz vereinbaren lässt. Diese hatten in einem Gutachten festgehalten, ein Abriss und Neubau des Luzerner Theaters sei «grundsätzlich abzulehnen», da dies «zu einer schweren Beeinträchtigung des Ortsbilds von nationaler Bedeutung führen würde»

Arthur Waser in seinem Büro an der Bellerivehöhe in Luzern.

Arthur Waser in seinem Büro an der Bellerivehöhe in Luzern.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2019)

Hinter der Spende für den Architekturwettbewerb steht Arthur Waser. Wir haben den Luzerner in seinem Büro getroffen und konnten mit ihm über die Beweggründe sprechen:

Wie kam es zu dieser Schenkung?

Erste konkrete Gespräche mit der Stiftung Luzerner Theater gab es nach der Premiere von «Romeo und Julia» im November 2018. Im Frühjahr 2019 beschlossen wir dann, diese Schenkung zu machen.

Was war die Motivation?

Spätestens 2025 muss das heutige Theater wegen feuerpolizeilicher Auflagen massiv umgebaut werden. Man spricht von Kosten von 35 bis 45 Millionen Franken. So viel Geld in ein längst veraltetes, unzweckmässiges Gebäude zu investieren, macht keinen Sinn. Es braucht einen Neubau.

An welche Bedingungen ist die Schenkung geknüpft?

An gar keine. Gemeinsam mit der Stiftung Luzerner Theater haben wir einzig einen zeitlichen Rahmen für die Auslobung und Durchführung des Wettbewerbs festgelegt.

Wie sieht dieser Zeitrahmen aus?

Der Wettbewerb soll bis im Sommer 2021 ausgeschrieben werden und bis im Dezember 2022 abgeschlossen sein.

Das ist ambitioniert. Falls es später wird, fällt das Geld dann zurück an die Stiftung?

Nein. Wie gesagt, das ist nur ein Rahmen, keine Bedingung. Wir können den Rahmen erweitern und eine rollende Weiterplanung ermöglichen.

Ob man das heutige Theater ganz oder teilweise abreissen darf, darüber sind sich Experten uneinig. Was sagen Sie dazu?

Die Diskussion muss jetzt geführt werden. Erst wenn die Vorgaben klar sind, kann der Architekturwettbewerb gestartet werden. Vorher macht es keinen Sinn.


Zur Person

Arthur Waser

Arthur Waser

Die gemeinnützige Arthur Waser Stiftung (AWS) wurde 2000 von Arthur Waser in Luzern gegründet. Sie setzt sich für die Verbesserung der Qualität der Bildung auf Kindergarten- bis Sekundarschulstufe in vier afrikanischen Ländern ein, in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen, insbesondere auch Kongregationen. Der zweite grosse Förderbereich der AWS betrifft Projekte und Institutionen in der Zentralschweiz in den Bereichen Kunst und Kultur und Soziales. Der bald 90-jährige Arthur Waser ist gebürtiger Engelberger, hat aber sein ganzes Leben in Luzern verbracht. Unmittelbar nach der Matura hat er in den 1950er Jahren ein Unternehmen im Mineralölhandel gegründet. Ab den 1970er Jahren hat er in Immobilien und Wertschriften investiert. Da Arthur Waser keine Nachkommen hat, wird sein gesamtes Vermögen dereinst an die Arthur Waser Stiftung gehen.

Was ist Ihre persönliche Meinung? Neubau oder Erweiterungsbau?

Für mich ist klar: Es braucht einen Neubau. Nur darin hat es Platz für eine schöne, grosse Hauptbühne plus Neben- und Unterbühnen.

Also doch eine Bedingung für die Schenkung?

Nein, wie gesagt, auch das ist nur eine Empfehlung. Wir sind Demokraten. Wenn es schliesslich anders herauskommt, halten wir uns daran.

Zumindest die Nordfassade des heutigen Theatergebäudes müsse stehenbleiben, fordert ein Gutachten der eidgenössischen Denkmalpflege.

Das heutige Theater ist ein neoklassizistischer Bau. Die Proportionen stimmen aber nach den diversen Um- und Anbauten überhaupt nicht. Das sieht man beim Anblick der Nordfassade. Sie zu erhalten, macht aus meiner Sicht keinen Sinn.

Die Nordfassade des Luzerner Theaters.

Die Nordfassade des Luzerner Theaters.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 1. Oktober 2019)

Ist der heutige Standort der richtige?

Ja. Das Theater gehört ins Stadtzentrum.

Wie gross wird das Interesse der Architekten an einem Wettbewerb sein?

Sehr gross. Ich habe zusammen mit Vertretern der Stiftung Luzerner Theater diverse Theater in ganz Europa besichtigt und mit vielen Architekten gesprochen. Ein neues Theater bauen zu dürfen, ist eine einzigartige Gelegenheit für Architekten. Es gibt bereits namhafte Interessenten für Luzern, angefangen von Herzog & de Meuron über Jean Nouvel bis pfp Architekten in Hamburg. Wir wollen das beste Theater Europas.

Wird sich Ihre Stiftung auch an den Baukosten beteiligen?

Ich sehe unsere Schenkung als einen ersten, starken Impuls für weitere Engagements von privaten Geldgebern für ein grossartiges Projekt, das allein mit öffentlichen Geldern wahrscheinlich nicht machbar sein wird. Auch unsere Stiftung wird sich weiter beteiligen.

Was ist Ihr persönliches Ziel?

Das Theater ist eine einzigartige Bildungsstätte. Es braucht dafür ein geeignetes Gebäude. Dafür setze ich mich als Musik- und Theaterliebhaber und aufgrund meiner lebenslangen Verbundenheit mit der Stadt Luzern ein. Mit einem Neubau können wir auch das Lucerne Festival stärker ins Theater einbeziehen.  

Ausrichtung des neuen Luzerner Theaters

(zfo) Auch künftigen Generationen soll ein qualitativ hochwertiges Theater geboten werden, schreiben die Luzerner Behörden und das Theater in einer Mitteilung. «Momentan wird davon ausgegangen, dass auch im Neuen Luzerner Theater ein breites Spektrum der darstellenden Künste aufgeführt wird, also Musiktheater, Tanz und Schauspiel.» Auf dieser Basis erarbeite die Stiftung Luzerner Theater ein Betriebskonzept für das «Neue Luzerner Theater». Die Projektleitung wurde extern an Stefan Vogel, Operngeschäftsführer Staatstheater Mainz, vergeben.

Zusätzlich werden 2020 öffentliche Foren zur inhaltlichen und künstlerischen Ausrichtung des neuen Luzerner Theaters stattfinden; eine am 16. März 2020, 18.30 Uhr, im Südpol Luzern und eine am 19. Mai 2020, 18.30 Uhr, im Stadttheater Sursee.

Weiteres Vorgehen in den Parlamenten

(zfo) Die Absichten des Stadtrates stehen unter dem Vorbehalt, dass der Grosse Stadtrat den Vorlagen und damit verbundenen Kreditbeschlüssen zustimmt, so die Behörden in der Mitteilung. In Absprache mit dem Kanton Luzern soll im ersten Halbjahr 2020 dem Grossen Stadtrat eine umfassende Vorlage zur Evaluation des Zweckverbandes, zur künftigen Finanzierung, zum Stand der inhaltlichen Diskussion betreffend das Luzerner Theater, zum Ergebnis der Testplanung und zum Thema Ortsbildschutz, aber auch mit einem Vorschlag für das weitere Vorgehen vorgelegt werden.

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