Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ASCHERMITTWOCH: Fasten heisst nicht nur Verzicht

Heute beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Dies nehmen viele zum Anlass, kurzzeitig auf feste Nahrung zu verzichten oder auf etwas anderes.
Während der Fastenzeit streichen viele Leute Genussmittel wie Alkohol und Schokolade vom Speiseplan. (Bild: Getty)

Während der Fastenzeit streichen viele Leute Genussmittel wie Alkohol und Schokolade vom Speiseplan. (Bild: Getty)

Grösser könnte der Kontrast nicht sein: auf der einen Seite die ausufernde Fasnachtszeit, die seit gestern Abend vorbei ist. Auf der anderen Seite der heutige Aschermittwoch, mit dem die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit, die bis am Karsamstag dauert, beginnt. Diese Zeit nehmen viele Leute zum Anlass, selber zu fasten, indem sie während einer gewissen Zeit auf feste Nahrung verzichten und nur Frucht-, Gemüsesäfte und Tee zu sich nehmen. «Fasten ist klar ein Trend, und dies zunehmend auch in der Zentralschweiz», sagt die Berner Theologin und Ethikerin Dorothea Loosli-Amstutz (53). Loosli hat im November im Romero-Haus Luzern im Auftrag von «Brot für alle» und «Fastenopfer» einen Kurs «Zur guten Leitung einer Fastengruppe» organisiert. Gruppen, die im Rahmen der ökumenischen Kampagne fasten, habe es früher vor allem in der Romandie gegeben. «Seit 2013 sind solche Gruppen zunehmend auch in der Deutschschweiz gefragt.»

Zum Abnehmen nicht geeignet

Laut Loosli interessieren sich vorwiegend Frauen fürs sogenannte Heilfasten. Allerdings sei es heute nicht mehr unbedingt religiös motiviert: «Viele haben das Gefühl, etwas Gutes für die Gesundheit zu tun.» Zum schnellen Abnehmen sei Fasten nicht geeignet, da mit der Rückkehr zum «normalen» Essen ohne grundlegende Ernährungsveränderung verschwundene Kilos bald zurück seien. Wichtig seien zu Beginn eine komplette Darmentleerung und ein langsamer Nahrungsabbau. «Wer alles richtig macht, wird nach ein paar Tagen Fasten mit einem Hochgefühl belohnt. Fasten bricht die Alltagsroutine. Man hat plötzlich viel mehr Zeit für anderes. Zudem verschärft sich die Wahrnehmung.»

Dies kann Verena Sollberger, reformierte Pfarrerin in der Lukaskirche Luzern, bestätigen. «Beim Totalfasten wird man durchlässiger, empfindlicher und sehr klar. Eine Predigt schreiben ging während des Fastens fast wie von selber.» Die reformierte Pfarrerin hat früher regelmässig in einer Fastengruppe mitgemacht. «Der Austausch mit anderen Fastenden macht sicherlich Sinn.» Heute verzichtet die 52-Jährige auf das Totalfasten. «Das funktioniert mit Familie nicht so gut, wenn alle am Tisch sitzen und essen.» Wer in der Fastenzeit bewusster leben wolle, brauche nicht unbedingt aufs Essen zu verzichten. «Ich stelle fest, dass es immer mehr Leute gibt, die auf etwas verzichten, das ihnen vielleicht zu selbstverständlich geworden ist, zum Beispiel auf Süssigkeiten, aufs Fernsehen oder auf Alkohol.»

Dieser Aspekt ist auch Kernbotschaft der aktuellen ökumenischen Fastenopfer-Kampagne, die heute unter dem Motto «Weniger für uns. Genug für alle» startet. Verena Sollberger sagt zur Kampagne: «Sie ruft zu einem nachhaltigen Umgang mit unserer Nahrung auf.» Statt Überfluss auf der einen und Mangel auf der anderen Seite sei ein «Genug für alle» möglich.

Mehr beten, weniger Kaffee

Schwester Martine Rosenberg vom Kloster Baldegg sagt: «Fastenzeit ist eine Zeit der Stille und Einkehr und der österlichen Busszeit.» Im Kloster Baldegg werde in der Fastenzeit mehr gebetet, die Liturgie sei anders. «Auf feste Nahrung verzichten wir zwar nicht. Es gibt aber am Mittag beispielsweise keinen Kaffee», sagt sie.

Aus medizinischer Sicht wird das Totalfasten kontrovers diskutiert. Es finden sich sowohl Studien zu den Vor- wie auch zu den Nachteilen. Sicher ist: Fasten sollten nur Gesunde, und dies auch nur in einem begrenzten zeitlichen Rahmen. Für Schwangere, stillende Mütter und Kinder ist Fasten tabu.

Susanne Balli

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.