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ASYL: Afghanen erreichen Luzern

Letztes Jahr stellten Migranten aus Afghanistan im Kanton Luzern 31 Gesuche – dieses Jahr schon 354. Ist der Kanton auf einen weiteren Anstieg vorbereitet?
Fast zwei Drittel aller Asylgesuche im Kanton Luzern stammen derzeit von Eritreern, Afghanen und Syrern. Im Bild: Asylsuchende im kantonalen Zentrum Sonnenhof, Emmenbrücke. (Archivbild Dominik Wunderli)

Fast zwei Drittel aller Asylgesuche im Kanton Luzern stammen derzeit von Eritreern, Afghanen und Syrern. Im Bild: Asylsuchende im kantonalen Zentrum Sonnenhof, Emmenbrücke. (Archivbild Dominik Wunderli)

Yasmin Kunz

Der Flüchtlingsstrom reisst nicht ab. Das zeigen die neusten Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM). Schweizweit sind im November 5691 Asylgesuche eingegangen, das entspricht einem Plus von 941 gegenüber dem Vormonat (Ausgabe von gestern). Auch im Kanton Luzern nimmt die Zahl der Asylsuchenden weiter zu. Stellten im vergangenen Jahr 1226 Personen ein Asylgesuch, sind im laufenden Jahr bis dato bereits 1799 Gesuche eingegangen – das entspricht einem Zuwachs von knapp 50 Prozent. Im Jahr 2013 beantragten noch 921 Flüchtlinge Asyl.

Elfmal mehr als vor einem Jahr

Was aus der neusten Asylstatistik des Staatssekretariats besonders hervorsticht, ist die Zahl der Asyl suchenden Afghanen. Haben im vergangenen Jahr im Kanton Luzern 31 afghanische Staatsbürger Asylrecht beantragt, sind es im laufenden Jahr bereits 354, also über elfmal mehr.

Léa Wertheimer, Sprecherin des Staatssekretariats für Migration (SEM), sagt: «Das hängt mit der Migration auf der Balkanroute zusammen. Allein im Oktober trafen etwa 70 000 Afghanen in Europa ein. Das führt auch zu mehr Asylgesuchen in der Schweiz.» Viele Afghanen würden fliehen, weil die Lage in ihrem Land prekär sei. Damit meint Wertheimer nicht die individuelle politische Verfolgung, sondern die Unsicherheit und die Kriminalität, die seit dem Rückzug der westlichen Truppen in Afghanistan herrschten. «Weil viele Afghanen nicht politisch verfolgt werden, ist auch die Anerkennungsrate bei den Gesuchstellern vergleichsweise gering.» Im laufenden Jahr liegt die Anerkennungsquote bei den Afghanen bei 11,3 Prozent. Allerdings dürften sich weit mehr Afghanen dauerhaft in der Schweiz aufhalten können, wenn sie vorläufig aufgenommen werden.

303 Asylbewerber in einem Monat

Klar ist: Der Kanton Luzern, der ab dem 1. Januar 2016 das Asylwesen von der Hilfsorganisation Caritas übernimmt (siehe Kasten), steht vor «täglich neuen Herausforderungen», wie die Kommunikationsverantwortliche des Gesundheits- und Sozialdepartements, Silvia Bolliger, auf Anfrage sagt. Die 303 Asylsuchenden, die der Bund letzten Monat dem Kanton zugewiesen hat, können jedoch in den bestehenden Asylunterkünften untergebracht werden, versichert Bolliger. «Wir haben die Zentrumskapazitäten innert Jahresfrist von 220 auf 880 Plätze erweitert.»

Trotzdem wird der Kanton weitere Unterkünfte bereitstellen müssen. In welcher Form und wo das sein wird, steht noch offen. Beim Gesundheits- und Sozialdepartement geht man davon aus, dass weiterhin etwa drei von fünf Asylsuchenden längerfristig bis dauerhaft in der Schweiz bleiben werden. Deshalb sei wichtig, dass diese Menschen gesellschaftlich und beruflich integriert werden, sagt Bolliger.

Léa Wertheimer vom SEM erklärt, dass die Gesuche von Afghanen, wenn es sich um Dublin-Fälle handelt, prioritär behandelt werden. Heisst: Für Gesuchsteller, die über die Balkanroute aus einem EU-Staat in die Schweiz einreisen, verhandelt die Schweiz mit jenem Land über eine Übernahme des Asylsuchenden, in dem dieser zuerst registriert worden ist. Trotz allem: Auch Afghanen können in die Heimat zurückgewiesen werden. Allerdings nur in die mehrheitlich sicheren Städte Kabul, Herat und Mazar-i-Sharif. Das hat das Bundesverwaltungsgericht so entschieden.

Mehrheit ist jung

Gemäss Silvia Bolliger würden vorwiegend junge afghanische Männer in der Schweiz Asyl suchen. «Die meisten der Asylbewerber sind Einzelpersonen zwischen 20 und 40 Jahren.» Teile Afghanistans werden derzeit vom selbst ernannten Islamischen Staat terrorisiert. Werden darum die Afghanen speziell kontrolliert?

SEM-Sprecherin Léa Wertheimer: «Grundsätzlich wird bei allen Personen geprüft, ob sie ein Recht auf Asyl haben oder ob Ausschlussgründe vorliegen.» Ausschlussgründe können laut Wertheimer etwa kriminelle oder terroristische Handlungen sein. Wirft die Befragung Verdächtiges auf, dann wird die Person dem Nachrichtendienst des Bundes unterbreitet. Personen aus Ländern, die der Bund besonders im Fokus hat, würden sofort dem Nachrichtendienst übermittelt – zum Beispiel Syrien.

Kanton eröffnet weitere Anlagen

Der Kanton eröffnet regelmässig neue Asylunterkünfte. So hat er Mitte November in Kriens, im ehemaligen Motel Pilatusblick, ein Asylzentrum für 70 unbegleitete minderjährige Asylbewerber in Betrieb genommen. In wenigen Tagen werden in Eschenbach 50 Personen – es handelt sich um syrische Familien – in die Militärunterkunft Hübeli einziehen. Ebenfalls in Kürze wird die Asylunterkunft in Gunzwil/Beromünster eröffnet. Rund 80 Asylbewerber, die meisten davon Männer aus Afghanistan und Syrien, werden in der Zivilschutzanlage Linden beim Feuerwehrdepot untergebracht.

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