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ASYL: Arbeitgeber bemängeln zu viele Hürden

Die Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in den Ar­beitsmarkt harzt. Gewerbler sagen, warum.
Jean Paul aus Togo hat in Sursee einen Vorkurs für Flüchtlinge absolviert. (Archivbild Dominik Wunderli)

Jean Paul aus Togo hat in Sursee einen Vorkurs für Flüchtlinge absolviert. (Archivbild Dominik Wunderli)

Yasmin KUnz

Der Artikel 61 des Schweizer Asylgesetzes hält fest, dass vorläufig Aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge ohne Einschränkung eine Erwerbstätigkeit ausüben dürfen. Im Kanton Luzern waren per 31. März 2016 laut Bundesamt für Statistik (BFS) 1889 Asylsuchende mit Ausweis N gemeldet – also Personen, die ein Asylgesuch gestellt haben und im Asylverfahren stehen. Davon sind 1473 Personen erwerbsfähig. Doch nur 33 Asylsuchende, also 2,2 Prozent, arbeiten. Ausserdem leben im Kanton derzeit 1922 vorläufig Aufgenommene. Von ihnen könnten gemäss BFS 1227 arbeiten. Doch nur 400 vorläufig Aufgenommene gehen tatsächlich einer Arbeit nach. Das ist rund ein Drittel. Warum tun sich Betriebe schwer, solche Personen einzustellen?

Gesuch kostet 300 Franken

Roland Vonarburg, Präsident des Gewerbeverbandes des Kantons Luzern, kennt die Gründe für die Zurückhaltung der Betriebe: «Es gibt zu viele Hürden für die Arbeitgeber.» Damit meint Von­arburg unter anderem den administrativen Aufwand. So müssen Arbeitgeber ein Gesuch stellen, welches knapp 300 Franken kostet. Dieser Betrag bezahlt die Firma. Zudem ist für diese Personen eine Quellensteuer zu entrichten, was für die Betriebe mit weiterem Aufwand verbunden ist. Ferner muss der Arbeitgeber bei vorläufig Aufgenommenen nebst den üblichen Beiträgen an die Sozialversicherung eine Sonderabgabe von 10 Prozent des Bruttolohns erheben und dem Staatssekretariat für Migration überweisen. Von­arburg spricht als Geschäftsführer der Wauwiler Champi­gnons AG aus Erfahrung. Vor rund einem Jahr vermittelten ihm das Schweizer Arbeitshilfswerk und das Amt für Migration eine Frau aus Sri Lanka. «Diese zusätzlichen Auflagen wirkten auf mich abschreckend», hält er fest. Angestellt hat er die Frau trotzdem.

Josef Stalder führt seit 30 Jahren in Hellbühl einen Bauernhof. Schon vor Jahren beschäftigte er unter anderem Polen und Menschen aus dem Balkan. «Der Bauernhof ist ein gutes Umfeld. Sie wohnen und essen mit uns, lernen dabei unsere Gepflogenheiten und können ihre Deutschkenntnisse vertiefen.» Er könnte sich darum vorstellen, auch anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene zu beschäftigen. Doch auch ihm ist der administrative Aufwand zu gross. Hinzu kommt, dass Stalder einem Asylbewerber in den ersten drei Monaten einen Lohn von 2300 Franken zahlen muss – das ist der im bäuerlichen Gewerbe festgehaltene Mindestlohn. «Diese Entlöhnung stimmt mit der Wertschöpfung in der Landwirtschaft nicht überein, denn ich kann von einem solchen Mitarbeiter wegen der Sprachbarrieren weniger erwarten als von einem Lehrling im ersten Lehrjahr», sagt der Landwirt dazu. Stalder wäre bereit, im ersten Monat 200 bis 300 Franken zu zahlen plus die üblichen 990 Franken Kost und Logis. Bei guter Eignung könnte der Lohn kontinuierlich angehoben werden, sodass innert Jahresfrist ein Lohn von 2000 Franken erreicht würde.

Lohn steht in keinem Verhältnis

Auch Vonarbug vom Gewerbeverband findet es unfair, wenn Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene den branchenüblichen Lohn erhalten. «Das ist nicht verhältnismässig.» Um mehr solche erwerbsfähigen Personen einzustellen, müsste sich die Regelung ändern. Von­arburg schlägt zum Beispiel vor, dass Arbeitgeber eine Sonderbewilligung erhalten sollten, «damit der ganze Papierkram und die zusätzlichen Kosten entfallen». Zudem fände er es sinnvoll, wenn diese Personen zuerst ein Integrationspraktikum von einem Jahr oder mehr absolvierten.

Regierung soll über die Bücher

Jim Wolanin, FDP-Kantonsrat aus Neuenkirch, verlangt in einem Postulat von der Regierung, Massnahmen zur Erleichterung für die Arbeitgeber zu prüfen. Er sagt: «80 Prozent der vorläufig Aufgenommenen und anerkannten Flüchtlinge beziehen dauerhaft wirtschaftliche Sozialhilfe.» Darum ist für Wolanin auch klar, dass Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden müssen, um langfristig diese Kosten zu senken. Doch aufgrund der hohen Anforderungen würde die Integration nicht funktionieren. Gemäss Lustat Statistik Luzern sind knapp 90 Prozent der Unternehmen im Kanton Kleinstbetriebe – sie beschäftigen also nicht mehr als zehn Personen. Wolanin: «Solche Mikrobetriebe haben in der Regel kein Personalbüro und können den administrativen Aufwand nicht stemmen.» Weiter bemängelt der FDP-Kantonsrat in seinem Vorstoss, dass die Arbeitgeber bei allfälligen Verfahrensfehlern Gefahr laufen, sich strafbar zu machen.

Mit einigem administrativem Aufwand umgehen könnten allerdings Grossbetriebe. Trotzdem sieht die Situation hier kaum anders aus: Die Genossenschaft Migros Luzern beschäftigt derzeit gar keine Flüchtlinge, ebenso wenig wie die Firma Trisa oder das Luzerner Kantonsspital. Schindler wollte auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung «nicht antworten». Coop dagegen beschäftigt landesweit 50 vorläufig aufgenommene Personen, wie Mediensprecher Ramón Gander sagt: «Darunter befinden sich sowohl Praktikanten als auch Lernende, welche die ‹ganz normale› zwei- oder sogar dreijährige Grundbildung absolvieren.»

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