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ASYL: Erste Sprachhürde ist geschafft

Der Kanton Luzern schliesst sein Pilotprojekt «Deutschkurse in Asylzentren» ab – mit einer Diplomfeier. Nun will er das Angebot weiter ausbauen.
Roseline Troxler
Die ersten Absolventen des obligatorischen Deutschkurses für Asylsuchende erhielten von Lehrer Urs Jans (Fünfter von links) gestern im Durchgangszentrum Sonnenhof in Emmenbrücke das Diplom. (Bild Pius Amrein)

Die ersten Absolventen des obligatorischen Deutschkurses für Asylsuchende erhielten von Lehrer Urs Jans (Fünfter von links) gestern im Durchgangszentrum Sonnenhof in Emmenbrücke das Diplom. (Bild Pius Amrein)

Roseline Troxler

Knapp 30 Asylsuchende haben gestern im Durchgangszentrum Sonnenhof in Emmenbrücke ungeduldig auf die Diplomübergabe gewartet. Die Stimmung ist ausgelassen. Die Asylbewerber haben im letzten halben Jahr einen Deutschkurs mit Niveau A1 (siehe Box) besucht und mit einem offiziellen Test abgeschlossen. Nun werden sie einzeln aufgerufen, um das Diplom entgegenzunehmen. Der Anlass unterscheidet sich kaum von anderen Diplomfeiern. Die Diplomierten haben sich herausgeputzt, tragen Hemd oder Blazer. Diejenigen, welche ihr Diplom bereits in den Händen halten, vergleichen es neugierig mit demjenigen des Sitznachbarn. Und der Moment der Übergabe wird eifrig mit der Handy­kamera festgehalten. Die Diplomierten sind die ersten Absolventen des obligatorischen Deutschkurses, der seit Januar angeboten wird.

«Auch Kultur vermitteln»

Urs Jans findet bei der Feier für seine Schüler viele lobende Worte. Er führt Kurse für Asylsuchende in den Durchgangszentren durch. Zudem ist er Leiter und Koordinator des Kurswesens des Kantons Luzern. Zu den Fortschritten der Kursteilnehmer sagt er: «Im Januar haben sie noch kein Wort Deutsch verstanden, nun lösen sie Aufgaben, an denen sich selbst Sechstklässler noch die Zähne ausbeissen.» Er sei stolz auf die Resultate seiner Schüler. Diese haben im vergangenen Halbjahr während neun Stunden die Woche die Schulbank gedrückt. Jans macht deutlich: «Viele der Asylbewerber haben erstmals in ihrem Leben einen Test absolviert. Das Schulsystem in ihren Herkunftsländern ist teils sehr rudimentär.» Bei den zu lösenden Testaufgaben ging es vor allem um Hör- und Textverständnisse.

Der Kurs hat laut Jans aber viel vermittelt, das über den reinen Spracherwerb hinausging. «Es war mir wichtig, den Teilnehmern unsere Kultur zu vermitteln – vom Einkaufen übers Wohnen bis zur Hygiene.» Eine Herausforderung war laut Jans, dass die Bandbreite des Vorwissens der Kursteilnehmer sehr gross war. ­«Einige haben zu Beginn nicht mal das lateinische Alphabet gekannt, andere haben einen Hochschulabschluss.» Zunächst galt es für den ehemaligen Primarlehrer, seinen Schülern mit Händen und Füssen die Grundlagen beizubringen. «Rollenspiele haben besonders viel gebracht.»

Mühe mit der Grammatik

Nivethitha Tharmalingam (24) aus Sri Lanka ist eine der Asylsuchenden, die gestern ihr Diplom entgegennehmen durften, was ihr «grosse Freude» bereitet. Sie ist seit rund 14 Monaten in der Schweiz und wohnt mittlerweile nicht mehr im Sonnenhof, sondern in Eschen­bach. «Sprechen fällt mir viel leichter als Grammatik und Schreiben», erzählt sie. Mühe habe sie auch mit den Umlauten Ä, Ü und Ö, weil sie diese von ihrer Muttersprache her nicht kennt. Auch Karimi Mustafa (28) aus Afghanistan, der heute in Ri­ckenbach lebt, hat den A1-Kurs abgeschlossen – wie Nivethitha Tharmalingam mit einem Glanzresultat. «Übung macht den Meister», sagt er, auf sein Erfolgsrezept angesprochen. Er lebt seit rund zehn Monaten in der Schweiz. In seiner Heimat hat er als Journalist gearbeitet. Dies ist auch hier sein Traum. Nivethi­tha Tharmalingam hingegen möchte dereinst gerne als Verkäuferin arbeiten. Beide Absolventen wollen nun mit dem Deutschlernen weitermachen – vor allem auch, «um die Kultur der Schweiz besser zu verstehen».

Ziel ist eine Anschlusslösung

Urs Jans betont: «Die Diplomfeier war ein erster kleiner Schritt auf einem langen Weg.» Der Kanton sei nun daran, für die Absolventen eine Anschluss­lösung zu prüfen.

Mit der Diplomfeier ist die Pilotphase der obligatorischen Deutschkurse abgeschlossen. Gestartet haben diese mit vier Klassen à 15 Teilnehmern, zwei Klassen in Emmenbrücke und zwei in Ebikon. Für die zwei Klassen im ehemaligen Restaurant Löwen in Ebikon gibt es eine separate Diplomfeier.

Ab September rund 660 Teilnehmer

Das Angebot der Deutschkurse wurde in den letzten Monaten stark ausgebaut. Ab September besuchen rund 660 Teilnehmer einen Deutschkurs – 405 davon einen A1-Kurs, weitere Asylsuchende einen Kurs der Fachstelle für die Beratung und Integration von Ausländern (Fabia). Sie hat das Mandat des Kantons und bietet zusätzliche niederschwellige Kurse in den temporären Unterkünften und grösseren Gemeinden an. Ziel des Kantons ist, dass bis Ende Jahr 1000 Asylbewerber einen Deutschkurs besuchen.

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