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ASYL: Jeder fünfte Asylsuchende hat am 1.1. Geburtstag

Ein Fünftel der Flüchtlinge und Asylsuchenden im Kanton hat am 1. Januar Geburtstag. Das ist zwar oft nicht das korrekte Datum, wird aber eingetragen, wenn etwa ein Ausweis fehlt. Dennoch hat der Tag für gewisse Asylbewerber eine besondere Bedeutung.
Roseline Troxler
Die Asylunterkunft in Meggen geht zu. (Archivbild) (Bild: Philipp Schmidli)

Die Asylunterkunft in Meggen geht zu. (Archivbild) (Bild: Philipp Schmidli)

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Am 1. Januar läuten viele Asylsuchende und Flüchtlinge nicht nur ein neues Jahr ein. Sie werden auch ein Jahr älter. Zumindest im Ausweis. Denn von den 5301 Flüchtlingen, Asylsuchenden und vorläufig Aufgenommenen im Kanton Luzern haben 1057 Personen den 1. Januar als Geburtstag eingetragen.

Silvia Bolliger, Leiterin der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen, erklärt: «Viele der Flüchtlinge tragen bei ihrer Ankunft keine gültigen Ausweispapiere auf sich. Ausserdem werden in vielen Ländern Geburten nicht offiziell registriert oder Geburtstage spielen schlichtweg keine Rolle, sondern vielmehr nur das Geburtsjahr.» Wer bei der Ankunft keinen Ausweis auf sich hat und sein Geburtsdatum nicht weiss, dem wird «oft der Einfachheit halber» der 1. Januar als Geburtstag eingetragen, erklärt Silvia Bolliger.

Volljährige wechseln in begleitete Wohngruppe

Obwohl viele Asylsuchende und Flüchtlinge den eigenen Geburtstag gar nicht feiern, hat er für 25 junge Frauen und Männer im Kanton Luzern doch eine grosse Bedeutung. Sie werden am 1. Januar volljährig. Viele sind alleine in die Schweiz geflüchtet. Nach dem offiziellen Geburtstag zieht die Mehrheit der 18-Jährigen in begleitete Wohngruppen. «Nach Erreichen der Volljährigkeit werden die Kinderschutzmassnahmen aufgehoben und die jungen Erwachsenen gehen in die Strukturen für erwachsene Personen im Asylbereich über», sagt Silvia Bolliger und betont: «Der Übergang in die Volljährigkeit wird sorgfältig vorbereitet.» Laut Bolliger werden die Jugendlichen weiterhin betreut und vor allem im Zusammenhang mit der Berufsbildung unterstützt. Feierlichkeiten sind aufgrund der vielen Geburtstage an Neujahr in den Zentren nicht geplant, wie es beim Kanton heisst.

Die Asylsuchenden und Flüchtlinge, die als Minderjährige in die Schweiz geflüchtet sind und nun volljährig werden, leben derzeit im Durchgangszentrum Sonnenhof in Emmenbrücke. Dies, obwohl Ende November das Zentrum Grosshof in Kriens eröffnet wurde. Es bietet 120 unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern Platz. Bolliger erklärt: «Wir haben sie bewusst nicht in den Grosshof umquartiert.»

Verantwortlich für die Altersbestimmung von Asylsuchenden ist das Staatssekretariat für Migration (SEM). Daniel Bach, Leiter Stabsbereich Information und Kommunikation, erklärt, dass im Migrationsinformationssystem zwingend ein Geburtsdatum eingegeben werden muss. Wenn dieses nicht bekannt sei, werde der 1. Januar eingetragen. «Die betroffene Person kann dieses Geburtsdatum in Frage stellen und allenfalls korrigieren lassen.» Wenn ein Asylbewerber beweisen will, dass er minderjährig ist, trägt dieser die Beweislast, sagt Bach. Das Asylgesetz hält ausserdem fest, dass das SEM ein Altersgutachten veranlassen kann, wenn es Hinweise gibt, dass ein angeblich minderjähriger Asylsuchender bereits volljährig ist.

Altersgutachten besteht aus drei Teilen

Beim Altersgutachten kommt ein 3-Säulen-Modell zum Einsatz. Es wurde von Hilfswerken und Ärzten auch schon als zu ungenau und die Würde verletzend kritisiert. Seit Oktober 2016 hat das SEM einen Vertrag mit dem Institut für Rechtsmedizin Basel. Es handelt sich um einen Testbetrieb für die beschleunigten Asylverfahren in Zürich. Zum Modell gehören eine radiologische und eine zahnärztliche Altersschätzung und eine optische Begutachtung der körperlichen Entwicklung. Bach betont: «Die Asylsuchenden werden dabei nicht berührt.» Das Altersgutachten mit diesem Modell sei bei gut 300 Personen erstellt worden. Bei der Altersbestimmung erhalten Asylsuchende eine Rechtsvertretung. Ausserdem würden die medizinischen Abklärungen ausschliesslich mit Einwilligung der Betroffenen durchgeführt. Dazu sagt Bach: «Bisher hat kein Asylsuchender das Altersgutachten abgelehnt.»

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