ASYL: Stimmung mit falschem Facebook-Eintrag

Der in alle Haushalte verteilte «SVP Kurier» enthält einen falschen Beitrag aus Deutschland. Der Parteichef verspricht eine Korrektur.

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Ausschnitt aus dem SVP-Kurier. (Bild: pd)

Ausschnitt aus dem SVP-Kurier. (Bild: pd)

«Flüchtlinge übernehmen Altersheime» – mit dieser Überschrift hat Roland Staub, Chefredaktor des «SVP Kuriers», einen Eintrag aus den sozialen Medien im Mitteilungsblatt der SVP des Kantons Luzern versehen. Im unter «Herausgepickt» veröffentlichten Beitrag macht eine Frau ihrem Ärger darüber Luft, dass ihr 86-jähriger Vater aus dem Heim geworfen wird, weil dort bald 300 Flüchtlinge untergebracht werden sollen (siehe Ausriss rechts aus dem «SVP Kurier»).

Nur: Der im November 2015 auf Facebook gepostete, über 70 000 Mal geteilte und Roland Staub zugesandte Eintrag war schlicht falsch – und wurde deshalb kurz nach der Veröffentlichung auch wieder gelöscht. Dies berichteten verschiedene deutsche Zeitungen Anfang November 2015 in grossen Beiträgen ausführlich.

Suggeriert, dass in Luzern passiert

Dennoch schaffte es die uralte Falschmeldung in den «SVP Kurier», der mit einer Auflage von 192 000 Exemplaren im ganzen Kanton Luzern gestreut wurde. Und der auf einer rechtsliegenden Seite prominent platzierte Beitrag erweckt den Eindruck, der Rauswurf des 86-jährigen Mannes aus der betreuten Wohneinrichtung sei im Kanton Luzern passiert, weil der Artikel im Luzerner Teil des SVP-Mitteilungsblatts platziert ist.

«Auf Ente hereingefallen»

Roland Staub sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass er den ihm zugeschickten Beitrag vor Redaktionsschluss nicht mehr näher überprüft habe. «Da bin ich offenbar auf eine Ente hereingefallen.» Es sei nicht gut, dass dies passiert sei. Aber an den Missständen im Flüchtlingswesen in der Schweiz ändere dies nichts. Einträge aus sozialen Medien zu übernehmen, sei wohl heikel, meint der Chefredaktor der Anfang Woche in alle Luzerner Haushalte verteilten Parteizeitung. Und Staub kündet an: «Ich werde den Beitrag in unserem nächsten Mitteilungsblatt korrigieren.»

Parteileitung segnete Beitrag ab

Doch wie kann es passieren, dass derart krasse Falschmeldungen Eingang in eine kantonsweit gestreute Parteizeitung finden? Entscheidet Roland Staub allein, was publiziert wird? Nein, die Beiträge würden letztlich von der Parteileitung abgesegnet, sagt Staub. Also auch von Parteipräsident und Nationalrat Franz Grüter. Dieser kommentiert den falschen und irreführenden Artikel so: «Der erwähnte Beitrag wurde öffentlich publiziert und daher von uns auch zitiert und erst später dementiert.» Die einzelnen Beiträge würden zwar von mehreren Leuten angeschaut. «Doch die Parteileitung ist keine Zensurstelle.» Im vorliegenden Fall sei ein Fehler passiert, dafür übernehme die Partei die Verantwortung. Grüter: «Es geht um unsere Glaubwürdigkeit. Der falsche Beitrag wird korrigiert.»

Lukas Nussbaumer