Asyldelikte: Graf will Namen, Polizei sperrt

Verhalten sich Asylbewerber kriminell, wissen das ihre Betreuer nicht. Sozialdirektor Guido Graf will das ändern – stösst bei der Polizei aber auf taube Ohren.

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Sozialdirektor Guido Graf fordert, dass die Polizei der Caritas Verhaftungen von Asylbewerbern mitteilt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Sozialdirektor Guido Graf fordert, dass die Polizei der Caritas Verhaftungen von Asylbewerbern mitteilt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Wenn ein Asylbewerber in seinem Zentrum im Sonnenhof in Emmen oder im Eichhof in Luzern ein paar Minuten nach 22 Uhr eintrifft, wird er sanktioniert: Statt 12 Franken wirtschaftliche Sozialhilfe pro Tag erhält er nur 8.

Verhaftet die Polizei Asylbewerber wegen eines begangenen Delikts, erhält dieser seine 12 Franken weiterhin – weil die Caritas als vom Kanton für die Unterbringung und Betreuung der Asylbewerber beauftragte Organisation davon nichts erfährt. Die Caritas erhält bloss auf Anfrage Auskunft, jedoch nur allgemeiner Art. «Wir würden bestätigen, wenn ein Asylbewerber behauptet, von der Polizei zurückgehalten worden zu sein. Angaben zum Sachverhalt gäbe es jedoch keine», sagt Polizeisprecher Simon Kopp.

«Unhaltbare Zustände»

Das seien «politisch unhaltbare Zustände», kritisiert Sozialdirektor Guido Graf. Asylbewerber könnten Delikte begehen, ohne dass dies Folgen für sie habe. «Es darf nicht sein, dass unter dem Motto Datenschutz ein Täterschutz gewährleistet wird», moniert Graf.

Grafs Kritik an der gängigen Praxis verhallt bei der Polizei sowie Justiz- und Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli ungehört. Sowohl Simon Kopp als auch Yvonne Schärli sagt, man stütze sich bei dieser Praxis auf das Amtsgeheimnis. «Die Rechtslage ist klar», lässt Schärli ausrichten.

Lukas Nussbaumer / Neue Luzerner Zeitung

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