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ASYLWESEN: Teenager ohne Familien auf der Flucht

Immer mehr minderjährige Asylsuchende ohne Begleitung stellen den Kanton vor neue Herausforderungen – auch auf der Kostenseite. Ein Zentrum mit 70 Plätzen soll Abhilfe schaffen.
Immer mehr minderjährige Flüchtlinge kommen allein in die Schweiz, im thurgauischen Weinfelden etwa (im Bild) werden die Jugendlichen von einer Stiftung betreut. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Immer mehr minderjährige Flüchtlinge kommen allein in die Schweiz, im thurgauischen Weinfelden etwa (im Bild) werden die Jugendlichen von einer Stiftung betreut. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Guy Studer

Das Geld der Familie reicht nicht, um allen Mitgliedern die Reise zu bezahlen. Sie haben ihre Eltern im Krieg verloren. Oder sie sehen in ihrem Heimatland schlicht keine Perspektive. Die Gründe sind unterschiedlich, die Rede ist von Kindern oder Teenagern, die auf sich allein gestellt den Weg in eine bessere Zukunft in Europa suchen. Der Fachbegriff lautet UMA und steht für unbegleitete minderjährige Asylbewerber. «In der Regel ist ein Nachzug der Familie kein Thema», erklärt Urs Odermatt, Mediensprecher der Caritas Luzern.

Starker Anstieg im Sommer

Im Kanton Luzern lebten Ende August 95 solcher minderjähriger Asylbewerber. Die beiden jüngsten sind gerade einmal 11 Jahre alt (Ausgabe von gestern). Anfang Jahr waren es noch 49. «Insbesondere in den Sommermonaten Juli und August ist die Zahl stark angestiegen», sagt auf Anfrage der kantonale Asyl­koordinator Ruedi Fahrni. Das zeigen auch die Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM): In den Monaten Juni bis August stellten im Kanton Luzern 58 UMA ein Asylgesuch, am meisten im Juli (25). Im Vorjahr waren es höchstens 11 pro Monat. «Vom Bund haben wir zwar keine genauen Angaben, aber man rechnet mit einer weiteren Zunahme», sagt Fahrni.

Die meisten kommen aus Eritrea

Die Zahlen des SEM zeigen: Der mit Abstand grösste Teil stammt aus Eritrea. Ende 2014 waren das schweizweit 521 von insgesamt 795. An zweiter Stelle kamen Afghanen (52), darauf folgen 50 Somalier und 44 Syrer. Gemäss Fahrni dürfte dieses Verhältnis auch für den Kanton Luzern gelten. Die meisten UMA erhalten den Flüchtlingsstatus oder werden vorläufig aufgenommen. Weil sie ungleich intensiver betreut werden müssen und gleichzeitig in Ausbildungs- oder Integrationsprogramme kommen, sind auch die Kosten pro Kopf teils mas­- siv höher als bei er­wachsenen Asylbewerbern. So kostet ein Flüchtling pro Jahr durchschnittlich insgesamt 18 000 Franken, während für einen UMA rund 40 000 Franken berappt werden müssen. «In einer Pflegefamilie kostet ein UMA mindestens 80 000 Franken», rechnet Ruedi Fahrni vor.

Kein Wunder also, will der Kanton ein Asylzentrum ausschliesslich für alleinstehende Kinder und Jugendliche schaffen. Derzeit leben 60 in einer speziell dafür eingerichteten Wohneinheit im Asylzentrum Sonnenhof in Emmen­brücke. «Von den übrigen lebt ein Teil in Wohngemeinschaften, die Jüngsten sind in Pflege­familien untergebracht», sagt Urs Odermatt von der Caritas.

Sonnenhof ist massiv überbelegt

Ausgelegt wäre die Wohneinheit in Emmenbrücke nur für 30 Jugendliche. «Das hat bis vor wenigen Monaten stets ausgereicht, doch die starke Zunahme im Sommer zwingt uns zu handeln», so Fahrni. Er betont, dass die Plätze im Sonnenhof auch mit der Überbelegung «eine sichere Unterbringung» seien. Das neue Zentrum soll rund 70 Plätze bieten. Zusammen mit den 30 Plätzen im Sonnenhof wäre zumindest der derzeitige Platzbedarf gedeckt. Über mögliche Standorte für das neue Zentrum gibt der Kanton keine Auskunft.

Ausbau der Betreuung in Diskussion

Derzeit stehen speziell für die jungen Asylbewerber im Kanton Luzern fünf Betreuungspersonen im Einsatz. Urs Odermatt sagt: «Neben zwei Berufsbeiständinnen, die auch Sozialarbeiterinnen sind, werden die UMA durch zwei Personen mit sozialpädagogischer Ausbildung sowie einer Praktikantin betreut.» Angesichts der hohen Anzahl UMA sei ein Ausbau bei der Berufsbeistandschaft in Diskussion, «dies erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Kanton».

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