Asylzentrum: Schwyz bietet Bern einen doppelten Deal an

Die Gemeinde Schwyz geht in die Offensive: Sie schlägt vor, das ganze Gelände im
Wintersried vom Bund abzukaufen und dafür auf eigene Kosten eine Kaserne für die Durchdiener zu bauen.

Jürg Auf der Maur
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Auf dem Areal Wintersried bei Seewen im Kanton Schwyz will der Bund ein  Bundeszentrum für abgewiesene Asylbewerber einrichten.  (Bild: Keystone/Urs Flüeler, 30. August 2017)

Auf dem Areal Wintersried bei Seewen im Kanton Schwyz will der Bund ein  Bundeszentrum für abgewiesene Asylbewerber einrichten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler, 30. August 2017)

Lange schwieg der Gemeinderat Schwyz zum geplanten Bundesasylzentrum im Wintersried bei Seewen, nun geht er in die Offensive. An seiner letzten Sitzung hat der Schwyzer Gemeinderat Beschlüsse gefasst, die es in sich haben. «Wir wollen einen Beitrag zu einer gütlichen Einigung zwischen Bund und Kanton leisten», bringt es der Schwyzer Gemeindepräsident Xaver Schuler auf den Punkt.

Mit zwei Angeboten will Schwyz eine neue Ausgangslage schaffen und so den bisher zerstrittenen Parteien eine Tür öffnen. Konkret: Die Gemeinde Schwyz offeriert dem Bundesamt für Logistik (BBL), das gesamte Gelände im Wintersried, auf dem künftig gemäss Bundesvorstellungen das Bundesasylzentrum zu stehen kommen sollte, abzukaufen.

Eine zweite Offerte wird dem Verteidigungsdepartement (VBS) von Bundesrat Guy Parmelin unterbreitet. Die Gemeinde Schwyz will auf dem Areal auf eigene Kosten eine Kaserne erstellen, damit künftig die Durchdiener, wie das der Bund schon lange angekündigt hat, in Schwyz ihren Dienst leisten können. Das Vorhaben scheiterte bisher am nötigen Platz. «Wir würden die Kaserne auf Gemeindekosten komplett erstellen und sie künftig im Mietverhältnis dem Bund zur Nutzung überlassen», präzisiert Schuler die Idee der Schwyzer Gemeindebehörde.

Platz für Feuerwehr und Werkhof

Neben der Kaserne sollen gleichzeitig Räume für den Feuerwehr-Stützpunkt Schwyz und den Werkhof realisiert werden. Das sind beides Vorhaben, die in Schwyz schon länger diskutiert werden. Schuler: «Wir müssen früher oder später mehr Raum haben, an den bisherigen Standorten stehen wir aber an.»

Konkrete Schätzungen, was dieser Deal die Gemeinde Schwyz kosten könnte, liegen nicht vor. Xaver Schuler geht aber davon aus, dass es sich bestimmt um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln wird. Das sei für die Gemeinde «amortisier- und machbar», nicht zuletzt, weil für die Kaserne ja permanent mit Mieteinnahmen gerechnet werden könnte.

Geld für alternative Standorte für den Bund

Das ganze «Dreiecksgeschäft» soll vor allem auch dem Bund nützen. Bisherige Alternativstandorte für ein Bundeszentrum im Wintersried scheiterten immer an den Kosten. «Indem wir dem BBL das Gelände abkaufen, bekommt der Bund die nötigen Mittel in die Hand, um diese in ­einen anderen Standort investieren zu können.» Eine «Win-win-Situation» also in den Augen der Schwyzer Gemeindebehörde.

Die beiden Offerten sind in der Zwischenzeit an die beiden Bundesämter nach Bern geschickt worden. Einen Alternativstandort für ein Bundesasylzen­trum wird von der Gemeinde aber nicht ins Gespräch gebracht. «Das ist Sache von Bund und Kanton, die dafür nun ein Jahr länger Zeit bekommen haben», sagt Schuler.

Biberbrugg kommt für Kanton nicht in Frage

Erst vor Kurzem brachte die Gemeinde Schwyz den als Asylzentrum genutzten «Biberhof» in Biberbrugg als mögliche Alterna­tive zum Bundesasylzentrum Wintersried ins Gespräch. Der Kanton winkte aber postwendend ab. Für den Schwyzer Regierungsrat Andreas Barraud kommt der Standort Biberbrugg ebenfalls nicht in Frage.

Die Fronten zwischen Bund und Kanton Schwyz sind spätestens seit dem Start des Plangenehmigungsverfahrens Mitte September verhärtet. Der Bund beharrt weiter auf dem Standort Seewen.

Bundesasylzentrum: Schwyzer Gemeinderat bringt Biberhof aufs Tapet

Der Kanton Schwyz weibelt schon lange gegen das geplante Bundesasylzentrum in Wintersried. Nun bringt die Gemeinde Schwyz einen Alternativstandort aufs Tapet: Biberbrugg. «Ein idealer Standort», sagte Gemeindepräsident Xaver Schuler am Montag in einem Interview mit der Zeitung «Bote der Urschweiz».