Attraktive Kandidaten haben bessere Wahlchancen

Pascale Steiger aus Luzern hat untersucht, wie das Wahlverhalten durch das Erscheinungsbild und die Kompetenz der Kandidatinnen und Kandidaten beeinflusst wird.

David von Moos
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Pascale Steiger mit ihrer Masterarbeit vor dem Luzerner Regierungsgebäude (rechts). Die Politikwissenschafterin untersuchte die Beeinflussung des Wahlverhaltens durch das Erscheinungsbild oder die Kompetenz der Kandidatinnen und Kandidaten.

Pascale Steiger mit ihrer Masterarbeit vor dem Luzerner Regierungsgebäude (rechts). Die Politikwissenschafterin untersuchte die Beeinflussung des Wahlverhaltens durch das Erscheinungsbild oder die Kompetenz der Kandidatinnen und Kandidaten.

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 20. März 2020)

Trotz Corona-Krise: Der Kanton Luzern ist im Wahlfieber. Bei den total über 800 Kandidatinnen und Kandidaten für den Kantonsrat dürfte es so mancher Wählerin und manchem Wähler wohl nicht ganz leicht fallen, eine gut überlegte Auswahl zu treffen.

Was genau bei der Wählerschaft den Ausschlag gibt, jenen oder anderen Politiker zu wählen, hat sich die Luzerner Masterabsolventin Pascale Steiger ganz genau angeschaut. Für ihre über 70-seitige Abschlussarbeit an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern hat sie knapp 500 Personen zu deren Wahlverhalten befragt. Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, welcher Faktor den Entscheid von Wählern mehr beeinflusst: die Attraktivität oder aber die Kompetenz von Kandidaten.

Und wen würden Sie wählen?

«Um diese Frage zu beantworten, habe ich Bilder von weiblichen und männlichen ausländischen Politikern benutzt und diese in zwei Umfragen bewerten lassen», erklärt Steiger ihre aufwendige Studie. Für die fiktiven Kandidaten habe sie Kompetenz-Profile erstellt, in denen eine Ausbildung und eine Nebenbeschäftigung angegeben wurde.

In einer Vorstudie mussten die Probanden die Bilder und Kompetenz-Profile einzeln nach Attraktivität und Kompetenz bewerten. In der Hauptstudie mussten sich die Teilnehmer dann anhand verschiedener Fragen mussten zwischen jeweils zwei Bildern und Profilen in zufälliger Reihenfolge und Zusammensetzung für eine Person entscheiden.

«Ich habe den Probanden absichtlich nur sehr wenig Informationen gegeben, damit sie nicht anders als oberflächlich entscheiden konnten», betont Steiger. «Zudem mussten sie die Fragen zügig beantworten, damit eher intuitiv entschieden werden musste.» 

Wählerinnen und Wähler bekommen ein gutes Zeugnis

Die Ergebnisse haben dann selbst die frischgebackene Politikwissenschaftlerin erstaunt: Entgegen ihren Erwartungen konnte sie keine klaren Stereotypen feststellen. «Die Attraktivität der Kandidatinnen und Kandidaten hat zwar stets einen Einfluss, ist aber nicht entscheidend», fasst die 27-jährige Forscherin, die in ihrer Freizeit gerne Trompete in einer Guuggenmusig spielt und Aquafit betreibt, zusammen. «Es wählte zwar stets rund ein Viertel der Teilnehmenden die attraktivere Option, selbst wenn diese weniger kompetent war als ihr Gegenüber.» Und dennoch: «Die Kompetenz wird aber im Hinblick auf den Entscheid der Studienteilnehmer mehrheitlich weit höher gewertet. Von den untersuchten Variablen (Attraktivität, Kompetenz und Geschlecht) hatte die Attraktivität mit Abstand den kleinsten Einfluss»

«Die Probanden scheinen ihre Entscheidungen überdacht und kritisch reflektiert zu haben», so Steiger weiter. Die Attraktivität wie auch die Kompetenzen der Bilder beziehungsweise Profile seien von den meisten Teilnehmenden ähnlich eingestuft worden. «Von der politischen Kompetenz her kann ich den Wählerinnen und Wählern ein gutes Zeugnis ausstellen.»

Auch das Geschlecht der Kandidaten, welches ebenfalls untersucht wurde, schien gemäss der Absolventin nur einen geringen Einfluss auf den Wahlentscheid zu haben. Auffällig aber: «Wenn Mann gegen Frau antrat, wurde häufiger die Frau gewählt, besonders dann, wenn beide Kandidaten einer Frage dieselbe Attraktivitäts- und Kompetenzausprägung vorwiesen.» Interessant war laut Steiger auch, dass besonders die mittlere der drei Altersgruppen der Probanden (31-60 Jahre) wie auch jene Teilnehmer, welche sich politisch eher rechts anordneten, häufig die attraktivere Option bevorzugte.

Schlussendlich aber sei die von ihr untersuchte Frage nur eine von vielen, relativiert Steiger die eigene Arbeit zum Schluss ganz wissenschaftlich. Denn im Hinblick auf den Wahlsonntag müsse man sich einer Sache klar sein: «Es ist immer noch die Parteizugehörigkeit, die bei der Wählerschaft am häufigsten den Ausschlag gibt.»

Der rote Faden kam erst später zum Vorschein

Wie es nach dem Studium weitergeht, weiss Pascale Steiger, die schon seit der Kanti im Stundenlohn für die Migros jobbt, noch nicht. Eine Stelle bei einer politischen Organisation oder auch im Personalwesen würde sie sehr interessieren. «Aber im Moment ist es wegen der Corona-Krise speziell schwierig, Arbeit zu finden.» Viele könnten sich unter ihrem Abschluss nur wenig Konkretes vorstellen. «Da es sich um ein interdisziplinäres und damit breitgefächertes Studium handelt, ist oft nicht gleich klar, wo es einen beruflich hinführen kann.»

Gestartet mit dem Studium hat die Luzernerin gleich nach der Kanti – «auch wenn ich heute nach der Matura wohl eher eine Lehre machen und erst danach an die Uni gehen würde», wie Steiger betont. An der Universität Luzern hat sie sich zuerst für den Studiengang Rechtswissenschaften eingeschrieben. «Meine halbe Familie hat schon Jus studiert.» Sich ausschliesslich mit Recht zu beschäftigen, war Steiger dann aber zu einseitig. «Ich vermisste andere Herangehensweisen an Themen des täglichen Lebens und einen anderen Umgang mit gesellschaftlichen Fragen», resümiert sie. In der Folge entschied sie sich für den interdisziplinären Studiengang der Kulturwissenschaften, worin sie mit dem Schwerpunkt Ethnologie dann ihr Bachelordiplom erlangte.

«Anfänglich gab es keinen roten Faden», blickt Steiger auf ihren Start an der Uni zurück. «Erst im Laufe des Bachelors habe ich dann gemerkt, was mich wirklich packt.» Im anschliessenden Masterstudium «Weltgesellschaft und Weltpolitik» konzentrierte sich Steiger dann auf Politikwissenschaften. In den Nebenfächern belegte sie vor allem Recht und Geschichte. Dass sie ihren Fokus auf Politik richtete, ist für die vielseitige Studentin im Rückblick wenig überraschend: «Mein Vater war bei der FDP und auch Gemeindepräsident von Littau, deshalb war Politik bei uns zuhause immer wieder ein Thema.»

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