Auch Hirslanden-Klinik bereitet sich auf starke Zunahme von Corona-Patienten vor

Die Hirslanden Klinik St. Anna baut die Zahl der Intensivpflegeplätze aus. Ähnlich wie im Luzerner Kantonsspital werden auch in der Privatklinik die nicht dringlichen medizinischen Eingriffe reduziert.

Hugo Bischof
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Die Klinik St. Anna unterhalb des Utenbergs.

Die Klinik St. Anna unterhalb des Utenbergs.

Bild: PD

Die Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern bereitet sich auf eine starke Zunahme an Covid-19-Patienten in den kommenden Wochen und Monaten vor. Als Teil der kantonalen Pandemieplanung bringe die Klinik ihre personellen und infrastrukturellen Ressourcen vollumfänglich in die Bewältigung der Krise im Kanton Luzern mit ein, teilte die Leitung der Klinik am Dienstag mit. «Noch befinden wir uns erst am Beginn einer ersten epidemiologischen Welle», sagt Martin Nufer, Direktor der Hirslanden Klinik St. Anna:

«Wir rechnen damit, dass die Zahl von Covid-19-Patienten in den kommenden Wochen laufend zunehmen wird und dass wir uns auf eine Krisensituation einstellen müssen, die mehrere Monate anhalten wird.»

Bereits seit Wochen tagt in der Klinik St. Anna täglich ein Krisenstab, um die Entwicklungen möglichst früh zu antizipieren und notwendige Massnahmen einzuleiten. Kapazitäten, vor allem im intensivmedizinischen Bereich, wurden ausgebaut. Zudem wurden eine Isolationsstation eingerichtet sowie Triage-Konzepte für die Erkennung, Untersuchung, Isolation und Behandlung von Verdachts- und Infektionsfällen etabliert.

Die Klinik St. Anna ist mit 200 Betten eine versorgungsrelevante Akutklinik im Kanton Luzern. Aktuell stehen 6 Betten auf der Intensivpflegestation zur Verfügung. «Wir sind bereit, diese Kapazitäten je nach Entwicklung der Situation signifikant zu erhöhen», sagt Martin Nufer. Aktuell ist geplant, Covid-19-Patienten in der Klinik St. Anna in Luzern zu behandeln. Nufer: «Je nach Entwicklung der Situation ist eine Ausweitung auf die Klinik Meggen denkbar und ist entsprechend vorbereitet.»

Das Luzerner Kantonsspital hatte schon am Montag kommuniziert, dass alle nicht dringlichen Operationen auf unbestimmte Zeit gestoppt werden, um für den erwarteten Ansturm von Corona-Patienten gewappnet zu sein. Ähnlich geht auch die Klinik St. Anna vor. Deren Direktor Martin Nufer erklärt:

«Wahleingriffe werden sukzessive reduziert, um sowohl in der Intensivpflege wie auf den normalen Bettenstationen über ausreichend Kapazitäten zu verfügen.»

Medizinisch dringliche Termine können selbstverständlich weiterhin wahrgenommen werden, betont Nufer. Ebenso Überweisungen an das Notfallzentrum der Klinik.

Man werde mit Sicherheit auf externes Personal angewiesen sein, «insbesondere falls zu den erwartet vielen Patientinnen und Patienten auch noch Ausfälle bei unseren Mitarbeitenden hinzu kommen sollten» sagt Nufer. Erfreulicherweise seien in den letzten Tagen und Wochen viele Anfragen von ehemaligen Mitarbeitenden und externen Personen eingetroffen, die Hilfe anboten. «Auf diese Solidarität zählen wir», sagt Nufer. Auf pensionierte Gesundheitsfachpersonen versuche man in den Kernbereichen der Patientenbetreuung eher nicht zurückzugreifen, «da diese aufgrund ihres Alters zu den gefährdeten Personengruppen gehören, die es besonders gut zu schützen gilt».

Einen offiziellen Ferienstopp gibt es in der Hirslanden-Gruppe bisher nicht. «Auch hier ist die Solidarität spürbar», erklärt Nufer:

«Viele Mitarbeitende haben schon von sich aus angeboten, auf die geplanten Ferien zu verzichten.»

Mittel- bis langfristig müsse die Erholung der Mitarbeitenden – und damit auch deren Ferien – aber gewährleistet sein: «Die Gesundheit unserer Mitarbeitenden gilt es um jeden Preis zu schützen, damit sie sich den Patienten widmen können.» Die Lage ändere sich derzeit täglich, wenn nicht stündlich. Das erfordere von den Mitarbeitenden sehr viel Flexibilität:

«Wir sind laufend dabei, neue Abläufe und Handlungsanweisungen zu schulen.»

Insbesondere die Bestimmungen rund um die erforderlichen Schutzmassnahmen im Umgang mit Covid-19-Patienten stünden hier im Zentrum. «Schulungen braucht es aber auch überall dort, wo funktionsfremde Einsätze geplant sind, beispielsweise wenn Anästhesiepflegende für Einsätze auf der Intensivstation vorbereitet werden.»

«Auch wir wissen nicht, wie sich die Lage entwickeln wird», erklärt Nufer. «Wir haben Vorbereitungen in nie dagewesenem Umfang getroffen, die es uns ermöglichen, ein möglichst grosses Patientenaufkommen zu bewältigen.» Nufer: «Unsere Mitarbeitenden treten dieser Krisensituation sehr motiviert und engagiert entgegen, das stimmt uns zuversichtlich.»

Besuchsverbot und reduzierter Personenverkehr

Wie in den meisten Schweizer Spitälern gilt auch in den Kliniken St. Anna und Meggen seit vergangener Woche und bis auf weiteres ein Besuchsverbot.  Dabei gelten Ausnahmen, etwa für nahe Angehörige sterbender oder unterstützungsbedürftiger Menschen sowie für die Partner gebärender Frauen. Im St. Anna im Bahnhof, wo neben dem ambulanten Operationszentrum und einer Radiologie auch verschiedene Praxen beheimatet sind, wird der Personenverkehr ebenfalls eingeschränkt, um das Übertragungsrisiko so klein wie möglich zu halten. 

Die Klinik St. Anna ist auch in der kantonalen Coronavirus-Task-Force vertreten – gemeinsam mit den anderen Spitälern im Kanton. «Die Bewältigung dieser Krise erfordert ein vernetztes Denken und Handeln sowie schnelle Entscheide», sagt Martin Nufer. «Wir sind überzeugt, dass wir sowohl bei uns in der Klinik als auch im Rahmen der kantonalen Pandemieplanung bestmöglich auf die kommende Entwicklung vorbereitet sind.»

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