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Auch Velowege und Trottoirs sollen von Schnee geräumt werden

Wenn es schneit, werden die Strassen üblicherweise zuerst für Autos, erst dann für Velos und Fussgänger freigemacht. Die SP fordert nun ein Umdenken.
Gina Bachmann
Auf Velowegen und Trottoirs bleibt oft viel Schnee liegen – das will die SP ändern.(Symbolbild: Werner Schelbert)

Auf Velowegen und Trottoirs bleibt oft viel Schnee liegen – das will die SP ändern.
(Symbolbild: Werner Schelbert)

Bei den aktuell heissen Temperaturen ist es schwer vorstellbar: In rund einem halben Jahr wird auf Luzerns Strassen Schnee liegen und der städtische Räumungsdienst ausrücken müssen. Üblicherweise werden dabei zuerst die Strassen geräumt und gesalzen. Auf den Velowegen hingegen türmt sich nicht selten die weggepflügte Masse. Und auch auf den Trottoirs bleibt der Schnee meist länger liegen.

Aus diesem Grund hat der SP-Grossstadtrat Mario Stübi nun ein Postulat eingereicht und fordert, dass die Grundsätze der städtischen Mobilitätsstrategie auch für den Winterdienst gelten sollen. Die Mobilitätsstrategie wurde im Herbst letzten Jahres vom Grossstadtrat zustimmend zur Kenntnis genommen und hält unter anderem fest, dass die Stadt Luzern den Fuss- und Veloverkehr weiter fördern und sich für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer einsetzen soll.

Velofahrer und Fussgänger kaum geschützt

Bezogen auf den Winterdienst stellt Stübi nun in Frage, ob die Räumung nach wie vor von der Strassenmitte Richtung Rand geschehen muss. «Der städtische Räumungsdienst macht einen super Job, doch zurzeit haben immer die Autofahrer erste Priorität», sagt Stübi auf Anfrage.

Auf den Velowegen entstünden Schneehügel und Trottoirs blieben teils tagelang ungeräumt. «Dabei haben Fussgänger und Velofahrer ein höheres Unfallrisiko», sagt das Mitglied der Verkehrskommission. Nach dem Prinzip «Blechschaden vor Knochenbrüchen» fordert er deshalb ein Umdenken beim Räumungsdienst. Auch weist er darauf hin, dass der Umwelt zuliebe weniger Streusalz eingesetzt werden könnte.

Auf die Problematik aufmerksam geworden ist Mario Stübi durch seine eigenen Erfahrungen als Velofahrer, aber auch durch einen Leserbrief in dieser Zeitung vom vergangenen Februar. Der Verfasser schreibt darin, dass er sich als Fussgänger mit Gehstock «durch Schnee und Eis kämpfen» musste, während die Strasse geräumt war. «Steht man auf vier Rädern nicht besser als auf zwei Füssen?», wird im Leserbrief gefragt.

Kopenhagen und Bern als mögliche Vorbilder

Als Vorbild in Sachen Schneeräumung nennt Stübi Kopenhagen. Dort würden nach Schneefall zuerst die Velowege geräumt, erst dann die Strassen. Auch die Stadt Bern achtet seit einigen Jahren vermehrt auf die Bedürfnisse nicht motorisierter Verkehrsteilnehmer. Nach einem Postulat im Berner Stadtrat, der städtischen Legislative, wurde ein Pilotversuch gestartet und auf einer Strecke von knapp 15 Kilometern der Schneeräumungsdienst auf die Velowege ausgeweitet.

Ein wichtiger Unterschied zur Umsetzung in Kopenhagen ist aber: Es findet keine Neuordnung der Prioritäten (zuerst Veloweg, dann Strasse), sondern ein Ausbau des Räumungsdienstes statt. Dafür musste laut Rolf Müller, dem Leiter des Stadtberner Strassenreinigungs- und Winterdienstes, ein neues Fahrzeug angeschafft werden. Ausserdem seien jeweils eine bis zwei Personen mehr im Pikettdienst eingeteilt, sagt Müller auf Anfrage.

Die Berner Behörden standen während des Pilotversuchs im Austausch mit einer Gruppe von Velofahrern, welche den neuen Räumungsdienst positiv beurteilt hat. Ein Nachteil liegt laut Müller jedoch darin, dass für die zusätzliche Räumung der Velowege auch mehr Salz gestreut werden muss, um Glätte zu vermeiden. Glattheit sei für Velofahrer nämlich das grössere Risiko, so Müller. Die Stadt Bern hat nun entschieden, den Pilotversuch ab nächstem Winter in den Regelbetrieb zu überführen und auf der gesamten Strecke, die auch am Berner Hauptbahnhof vorbeiführt, sowohl die Strassen als auch die Velowege innert drei Stunden nach dem Schneefall zu räumen.

Ob dies auch in Luzern bald der Fall sein wird, ist offen. Die Stadt gibt bis zur offiziellen Behandlung des Postulats im Grossen Stadtrat keine Auskunft zum Thema.

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