Auch weil der Luzerner Regierungsrat kein Machtwort spricht: Weitere Fasnachtsanlässe vor dem Aus

Die Fasnacht in Sursee dürfte laut der Zunft Heini von Uri nächstes Jahr ausfallen. In Luzern droht den Tagwachen dasselbe Schicksal: Die Zunft zu Safran und die Wey-Zunft teilen morgen Freitag ihren Entscheid mit.

Alexander von Däniken
Drucken
Teilen
Wird sich nächstes Jahr wohl nicht wiederholen: der Fasnachtsumzug in Sursee, hier mit der Bööggenzunft Nüderef.

Wird sich nächstes Jahr wohl nicht wiederholen: der Fasnachtsumzug in Sursee, hier mit der Bööggenzunft Nüderef.

Boris Bürgisser (25. Februar 2020)

Corona- vor Fasnachtsvirus im Kanton Luzern: Die rüüdig-verreckten Tage werden im kommenden Februar höchstens halbrüüdig. Ein Rückblick: Am 16. September fällt der erste wegweisende Entscheid. Das Lozärner Fasnachtskomitee (LFK) teilt mit, dass die zwei grossen Umzüge in der Stadt nicht stattfinden. Abgesagt sind auch der Fasnachtsmäärt und die Usgüüglete. Stattdessen soll eine kleinere, dezentrale Fasnacht stattfinden. Die Details hierfür sind noch offen.

Die Nachricht des LFK hat Signalwirkung: Zwei Tage später wird bekannt, dass auch die Umzüge in Littau, Emmen und Horw nicht durchgeführt werden. Zünfte in anderen Gemeinden warten noch ab, so auch die Surseer Zunft Heini von Uri. Deren Zunftmeister Peter Wyder sagte damals: «Ich wünsche mir, dass der Luzerner Regierungsrat hinsteht und einen Entscheid für die Fasnacht in der Stadt und auf dem Land fällt.» Doch der Regierungsrat will von einem Machtwort nichts wissen. Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) sagte gestern Mittwoch bei der Präsentation der Schutzkonzepte für das KKL und den FCL, dass auch Zünfte ein Konzept einreichen können.

Von der Beiz bis zum Grossanlass: Diese Regeln gelten

(avd) Im Kanton Luzern sind seit dem 17. Juli nur noch 100 Gäste in Gastwirtschaftsbetrieben und bei Veranstaltungen pro Sektor zugelassen, in denen weder der erforderliche Abstand eingehalten, noch andere geeignete Schutzmassnahmen ergriffen werden können. Die Sektorpflicht gilt für Anlässe von bis zu 1000 Personen und auch für private Veranstalter. Betreiber von öffentlich zugänglichen Einrichtungen und Betrieben müssen ein Schutzkonzept erarbeiten und umsetzen. Darüber hinaus gilt im Kanton Luzern noch die Pflicht, die Kontaktdaten der Gäste zu erfassen.

Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen sind ab Oktober grundsätzlich wieder erlaubt. Die Organisatoren brauchen aber ein entsprechendes Schutzkonzept und die Bewilligung des Kantons. So ist es dem KKL wieder möglich, den Konzertsaal zu füllen, und dem FCL, die Swissporarena zu 51 Prozent auszulasten. Eine Bewilligungs- und Konzeptpflicht gilt auch für Fasnachtsumzüge, wenn mehr als 1000 Personen teilnehmen. Keine Bewilligung, aber ein Schutzkonzept benötigen Messen, Gewerbeausstellungen oder Jahrmärkte, bei denen sich die Personen geordnet durch die Verkaufs- oder Präsentationsbereiche bewegen.

Zunft stellt Verzichtsantrag

Dass der Regierungsrat den Ball den Fasnächtlern zurückspielt, hat nun für die Fasnacht auf dem Land und in der Stadt Folgen. So sagt Peter Wyder jetzt: «Wir werden beantragen, nächstes Jahr auf eine Surseer Fasnacht zu verzichten.» Definitiv entschieden wird an der Generalversammlung der Zunft, dem Martinibot. Vorgängig wird am 20. Oktober an einer Sitzung zusammen mit Vertretern anderer fasnächtlicher Vereine und der Stadt das weitere Vorgehen und eine gemeinsame Kommunikation besprochen.

Wyder hat bereits damit gerechnet, dass die Regierung einen Entscheid, welcher alles vereinfachen würde, scheut – schliesslich sei ihr das LFK bereits zuvorgekommen. «Damit blieb dem Regierungsrat erspart, allenfalls den Unmut von Fasnächtlern auf sich zu ziehen.»

Bewilligtes Schutzkonzept hätte nichts geändert

Für Sursee ist es laut dem Zunftmeister zwar «sehr schade», dass die Fasnacht im nächsten Februar höchstwahrscheinlich ausfallen wird. Allerdings habe man aber auch eine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung. Dieser könne auch mit einem eigenen Konzept für Grossanlässe nicht genügend nachgekommen werden.

«Die Fasnacht ist wild, man feiert zusammen, trinkt Alkohol und hat mit anderen Fasnächtlern Kontakt. Das wäre auch mit einem bewilligten Schutzkonzept nicht anders.»

Wyder könne es nicht verantworten, dass nach einer Fasnacht ein KMU auf mehrere Angestellte verzichten müsse, weil sich diese in Quarantäne befinden. «Ausserdem ist nicht die gesamte Bevölkerung mit dem Fasnachtsvirus infiziert. Es wäre verantwortungslos, deshalb Infektionen mit dem Coronavirus zu riskieren. Lieber eine Zwangspause – und 2022 richtig Gas geben.» Auch für Michael Baumeler, Zunftmeister der Martinizunft Hochdorf, ist es nicht überraschend, dass sich der Regierungsrat nicht klar positioniert. Es sei aber auch nicht schlimm. Der definitive Entscheid über die Durchführung der Fasnacht in Hochdorf stehe noch aus.

Zunft zu Safran: Pandemie hat grossen Einfluss

Was geschieht mit den noch nicht abgesagten grossen Fasnachtsanlässen in der Stadt Luzern? Ob es nächstes Jahr zum Urknall mit Fötzeliregen, zur Wey-Tagwache und zur Verabschiedung der Fritschi-Familie kommen wird, geben die Zunft zu Safran und die Wey-Zunft am Freitag bekannt.

Es ist jedoch anzunehmen, dass die verbleibenden Grossanlässe ähnlich wie die Umzüge abgesagt werden. Alexander Stadelmann, Medienchef der Zunft zu Safran, lässt sich noch nicht in die Karten blicken. «Die Entwicklung der Pandemie wird einen grossen Einfluss haben», sagt er auf Anfrage.

Mehr zum Thema