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Auch Wolf und Luchs gefällt es im Kanton Luzern

Möglicherweise hält sich der Bär M29 derzeit auf luzernischem Boden auf. Doch auch der Wolf findet immer wieder den Weg hierhin. Ebenso ist der Luchs präsent. Gefährlich kann dem Menschen jedoch nur eines der beiden letzteren Raubtiere werden.
Lucien Rahm

In Escholzmatt hat eine Wanderin vergangene Woche mögliche Bärenspuren entdeckt. Am Mittwoch informierte der Kanton darüber, dass es sich dabei um Hinterlassenschaften des Bären M29 handeln könnte. Möglicherweise ist also derzeit ein Braunbär zu Gast im Kanton Luzern.

Er wäre nicht das einzige grössere Raubtier auf luzernischem Boden. Auch der Wolf findet offenbar Gefallen an der hiesigen Umgebung. Nachweislich befand sich ein Exemplar namens M20 in den Jahren 2009 bis 2012 im Kanton. In den letzten zweieinhalb Jahren waren es die beiden Wölfe M76 und M74, die in den Nachbarkantonen Bern, Ob- und Nidwalden genetisch (anhand von Speichelrückständen an gerissenen Tieren oder Kotproben) nachgewiesen werden konnten. Im Raum Zug/Schwyz wurden ebenfalls zwei Wölfe nachgewiesen – einer davon wurde als noch nicht sesshaft eingestuft.

Dieser Wolf konnte im März 2013 im Gebiet Sörenberg fotografiert werden. (Bild: Daniel Schmid/Abteilung Natur, Jagd und Fischerei Kanton Luzern/Kora (2. März 2013))

Dieser Wolf konnte im März 2013 im Gebiet Sörenberg fotografiert werden. (Bild: Daniel Schmid/Abteilung Natur, Jagd und Fischerei Kanton Luzern/Kora (2. März 2013))

Da Wölfe innert kurzer Zeit grössere Strecken zurücklegen können, ist denkbar, dass die Tiere gelegentlich auch den Kanton Luzern durchqueren, sagt Ralph Manz, der bei der Wildtierfachstelle Kora für die Beobachtung der Wölfe zuständig ist. Zumindest ein Vertreter der Raubtierart zeigte sich im vergangenen November in Kriens: Dort wurde sein Besuch auf einer Videoaufnahme festgehalten.

M76 besetzt Luzerner Grenzraum

Um welchen Wolf es sich dabei genau handelte, lässt sich jedoch nicht näher bestimmen. «Anders als beispielsweise die Luchse sehen die Wölfe praktisch alle gleich aus», sagt Manz. Daher ist es nicht möglich, solchen visuellen Sichtungen einen bestimmten Wolf zuzuordnen.

Beim Exemplar M76 sähe es jedoch so aus, dass sich das Tier womöglich im Raum Emmental/Luzern niedergelassen hat, sagt Manz. Denn seit letztem Sommer konnte es im bernischen Gebiet Schangnau/Eriz/Hohgant, das direkt an der Luzerner Kantonsgrenze liegt, mehrere Male genetisch nachgewiesen werden, was auf ein Sesshaftwerden im entsprechenden Raum hindeutet.

Mit Sicherheit nachgewiesen ist die Präsenz des Wolfes auf Luzerner Boden seit 2013 bislang nicht mehr, teilt Peter Ulmann, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei, auf Anfrage mit. «Insbesondere wurden seit dann keine Nutztierrisse registriert.»

Luchse fressen gerne Rehe

Nebst mutmasslich dem Bären und dem Wolf ist ein weiteres wildes Raubtier im Kanton Luzern präsent – wenn auch aufgrund seines Verhaltens selten sichtbar: der Luchs. Im Gegensatz zu Bär und Wolf, die eher vereinzelt vorkommen, ist die hiesige Luchspopulation etwas umfassender. Sie wird mittels Fotofallen berechnet. Anhand ihres individuellen Fells können die Tiere eindeutig bestimmt werden.

Unterwegs sind die Luzerner Luchse im südlichen Kantonsteil – insbesondere im Gebiet Schrattenflue sowie zwischen Kriens und Schüpfheim. Es handelt sich um schätzungsweise zehn bis zwölf erwachsene sowie vier bis acht junge Luchse, so die Abteilung Natur, Jagd und Fischerei. In der Schweiz hielten sich 2016 schätzungsweise 205 erwachsene Luchse auf, wie die Fachstelle Kora berechnet hat.

Ein Luchs im Gebiet Marbach. Anhand ihres individuellen Fells können die Tiere eindeutig bestimmt werden. (Bild: Daniel Schmid/Abteilung Natur, Jagd und Fischerei Kanton Luzern/Kora (23. Dezember 2015))

Ein Luchs im Gebiet Marbach. Anhand ihres individuellen Fells können die Tiere eindeutig bestimmt werden. (Bild: Daniel Schmid/Abteilung Natur, Jagd und Fischerei Kanton Luzern/Kora (23. Dezember 2015))

Nutztiere leiden kaum unter der Präsenz des Luchses: «Die frisst er eigentlich nicht gerne», sagt Fridolin Zimmermann, Luchsexperte der Fachstelle Kora. Die Hauptbeutetiere des Luchses sind Reh und Gämse, wobei er sich zu rund zwei Dritteln von Rehen ernährt, je nach Vorkommen in seinem Lebensraum. Dennoch landen gelegentlich wenige Schafe oder Geissen auf seinem Menüplan: Jährlich 22 (im Jahr 2006) bis 75 (2017) Nutztiere hat der Luchs in den letzten zwölf Jahren schweizweit verzehrt. Das sei «relativ gering», so Zimmermann. Im Kanton Luzern gab es laut der kantonalen Abteilung Natur, Jagd und Fischerei seit drei Jahren keine Luchsrisse an Nutztieren mehr. Für den Menschen stellt das Tier keine Gefahr dar.

Kann hingegen der Wolf dem Menschen gefährlich werden? «Grundsätzlich nicht», so Jagdabteilungsleiter Peter Ulmann. Jedoch könne es einzelne Tiere geben, die keine Scheu vor dem Menschen zeigen und somit problematisch werden könnten. Auch bei verletzten oder kranken Wölfen sei Vorsicht geboten.

Ulmann rät, keine Fleisch- oder Nahrungsreste draussen liegen zu lassen. «Solche Gaben erweisen sich immer als Fehlreize und haben unerwünschte Verhaltensmuster zur Folge.» Begegne man dem Wolf dennoch einmal, solle man «staunen und die Beobachtung melden».

Luchs war 70 Jahre lang inexistent

Der Luchs lebt erst wieder seit 1971 in der Schweiz. Zuvor war er knapp 70 Jahre lang von der Bildfläche verschwunden. Seine Abwesenheit war eine Folge seiner direkten Verfolgung durch den Menschen, der zurückgegangenen Waldflächen und der Ausrottung seiner natürlichen Beutetiere. Bevor er in der Schweiz zu Beginn der Siebzigerjahre wiederangesiedelt wurde, beobachtete man ihn 1904 im Wallis zum letzten Mal.

Wolf wandert weit

Wölfe entfernen sich im Alter von ein bis zwei Jahren von ihrem elterlichen Rudel und legen für ihre Suche nach einem eigenen Territorium oder einem Paarungspartner mehrere hundert, im Extremfall bis über tausend Kilometer zurück. Wenn sie sich mit einem anderen Tier paaren, besetzen und verteidigen sie ein bestimmtes Gebiet und zeugen dort Nachwuchs. Auf diese Weise entsteht dann ein neues Wolfsrudel, das über viele Jahre bestehen bleiben kann.
Innerhalb eines Tages können Wölfe bis zu 72 Kilometer zurücklegen.

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