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Am Schlossberg entsteht das erste grosse Holzhaus der Stadt Luzern

Ein Mehrfamilienhaus aus Holz? So etwas gab es im Stadtzentrum von Luzern bisher nicht. Ein Liegenschaftseigentümer will dies nun ändern – doch bei den Behörden löst er damit nicht nur Freude aus.
Larissa Haas
So soll der Neubau aus Holz aussehen (oben). Unten in der Mitte das alte Mehrfamilienhaus am Schlossberg, wie es sich heute präsentiert. (Bilder: PD / Archivbild LZ)

So soll der Neubau aus Holz aussehen (oben). Unten in der Mitte das alte Mehrfamilienhaus am Schlossberg, wie es sich heute präsentiert. (Bilder: PD / Archivbild LZ)

Es sei anfänglich ein «langer Kampf» gewesen, aber jetzt habe man einen Konsens gefunden, mit dem alle zufrieden seien. So fasst Tobias Schaer, Eigentümer der Liegenschaft an der Maihofstrasse 8, die letzten eineinhalb Jahre zusammen, in denen er der Stadt Luzern die Vision seines Neubaus schmackhaft machen musste: Ein Haus ganz aus Holz – und das im Stadtzentrum von Luzern.

Passt ein Holzhaus in die Stadt?

Vonseiten der Stadt habe es zunächst mehrere Argumente gegeben, die sich gegen sein geplantes Projekt stellten, sagt Schaer, der das alte Mehrfamilienhaus, in dem er selbst aufgewachsen ist, abreissen und durch einen Holzbau ersetzen will. Im Januar 2018 hat der 46-Jährige das Baugesuch bei der Stadt eingereicht – und nach wie vor liegt dafür keine Baubewilligung vor. Der Hauptkritikpunkt der Stadt zielte auf die hölzerne Fassade, die «nicht ins städtebauliche Konzept im Umfeld von Steinbauten passt», so Schaer. Markus Hofmann, stv. Stadtarchitekt, relativiert allerdings: «Bei den Diskussionen ging es um die Einhaltung baurechtlicher Rahmenbedingungen – so wie bei jedem anderen Neubau in der Stadt auch.»

Dank der Holzbauweise soll sich die Bauzeit stark verkürzen. (Visualisierung pd)

Dank der Holzbauweise soll sich die Bauzeit stark verkürzen. (Visualisierung pd)

Dass die Holzfassade und deren «Eingliederung in die urbane Umgebung» bei der Stadt für Diskussionsstoff sorgte, will Hofmann allerdings nicht verneinen: «Holz hat ein anderes Erscheinungsbild als Stein, das unter Umständen nicht miteinander harmoniert», sagt er, um dann anzufügen: «Aber zum Glück ist Holz nicht gleich Holz .» Konkret heisst das, dass man bei der Hausfassade nun auf sogenannte, mit Schaers Worten, «vorverwitterte Holzschindeln» setzt, was sich optisch besser in die umliegenden Steinbauten eingliedert.

Mit Holz dauert die Bauzeit weniger lang

All diesen «guten, aber langen Diskussionen» zum Trotz; Tobias Schaer ist überzeugt, dass er mit seinem Projekt den Nerv der Zeit trifft: «Das Haus ist ein Zeichen für eine innovative Bauweise.» So sei Holz bedeutend ressourcenschonender als etwa Beton oder Stein. Zudem verkürze sich die Bauzeit um mehrere Monate, dies sei gerade in einem dicht befahrenen und besiedelten Gebiet wie dem Maihofquartier von Vorteil: «Innerhalb eines halben Jahres sollte dieses Haus stehen.» Weiter werde der Neubau die Energie von einem vollintegrierten Solardach beziehen und, ganz im Sinne des verdichteten Wohnens, rund fünf Meter höher sein als das angrenzende Gebäude: «Dieses Haus speichert genausoviel CO2, wie bei einem Massivbau ausgesetzt werden würde.» Doch nicht nur das Klima wird’s freuen, auch die Stadtbewohner sollen vom Neubau profitieren: 14 Wohnungen à 2,5 Zimmer werden unter dem spitzwinklig emporragenden «Hexendächli» für einen «erschwinglichen Preis» gebaut. «Die 41 bis 50 Quadratmeter grossen Wohnungen vermiete ich für etwa 1400 Franken», präzisiert Schaer und sagt, dass es ihm mit diesem Haus nicht um Profit, sondern um ein «lebenswertes Projekt für die nächsten 100 Jahren» gehe.

Blick in den Hinterhof des geplanten Neubaus. (Visualisierung pd)

Blick in den Hinterhof des geplanten Neubaus. (Visualisierung pd)

Der Anfang einer «Holzbauwelle»?

«Wir reden hier vom ersten mehrgeschossigen Holzbau im Stadtzentrum Luzerns.» Dies betont Tobias Schaer mehrmals – nicht ohne Stolz. Auch Hofmann kann sich an kein vergleichbares Projekt im Stadtzentrum erinnern. Mit dem geplanten Neubau möchte Schaer nun «diesen Stein weiter ins Rollen bringen» und den Stadtluzernern zeigen, dass man gerade in Zeiten von Klimademonstrationen ressourcenschonend bauen soll. Und damit folgt Schaer einem allgemeinen Trend. So habe der Holzbau in den vergangenen Jahren tatsächlich «eine Renaissance erfahren», wie Hofmann sagt. Das Projekt an der Maihofstrasse dürfte nun als Beispiel voran gehen, dass dies auch in Luzern möglich ist. «Jedoch muss auch dieses Gebäude die Kriterien der Eingliederung erfüllen», so Hofmann.

Auch wenn zum Diskussionspunkt «Eingliederung» zwischen Stadt und Schaer inzwischen Einigkeit herrscht – punkto Baustart gehen die Meinungen noch auseinander: Ginge es nach Schaer, würde der Spatenstich bereits im Juni fallen, doch Hofmann bleibt zurückhaltend. So müssen zuerst noch einige ungeklärte Punkte «bereinigt» werden.

So oder so wird das Holzhaus am Schlossberg innerhalb der Stadt Luzern nur für kurze Zeit Exklusivitäts-Status haben. Die Wohnbaugenossenschaft EBG plant nämlich auf dem Areal Eichwald bei der Allmend bis 2022 eine ganze Wohnsiedlung, bei der Holzbauten eine wichtige Rolle spielen werden.

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