Kolumne

Auf dem Weg zum Ponyhof

Gutes erfahren und weitergeben - Journalistin Luzia Mattmann schreibt in der Landkolumne über ein etwas anderes Schneeballprinzip.

Luzia Mattmann, Journalistin
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Kennen sie jene Tage, an denen einem alles abverheit? Man vergisst, das Billett für den Zug zu lösen und prompt gibt’s eine Kontrolle. Im Büro merkt man, dass man im ganzen Billettärger gleich noch die Sporttasche im Abteil hat liegen lassen. Die Laune ist im Keller, man ärgert sich grimmig durch den Vormittag und am Ende will auch noch keiner mit einem Mittagessen gehen. Der Tag ist gelaufen.

Ein weiser Mann sagte mir einmal, am schlimmsten seien nicht die Fehler selbst, sondern die Folgefehler. Wenn man am Compi etwas verbockt und eine wichtige Datei löscht, ist das halb so wild. Wenn man danach aber hektisch herumklickt und in wilder Entschlossenheit auch noch den Papierkorb leert, ist die kostbare Datei definitiv weg. Alles schon passiert.

Das Leben ist eben kein Ponyhof, sagen manche Leute. So einfach möchte ich es mir aber nicht machen. Und habe beschlossen, dieses Schneeballprinzip zu nutzen – mit umgekehrten Vorzeichen. Wenn mir etwas Gutes getan wurde, versuche ich es weiterzugeben. Kürzlich bekam ich massenhaft wunderbare Kirschen. Zum Dank erhielt die Nachbarin die Picknickdecke, die sie so mochte, mit Plastik unten, damit das Füdli nicht nass wird auf dem feuchten Rasen.

Das System funktioniert auch mit Sachen, die man toll findet, aber nicht wirklich braucht: das chice Washi-Tape, die Doppelpackung Himbeeren oder die hübschen Stiefmütterchen. Kaufen und verschenken. Selbst wenn es die andere Person nicht so dringend braucht – Freude macht’s auf jeden Fall, und zwar beidseitig. Ein paar Tage später erfuhr ich übrigens, dass in unserer Badi jene Decken mit Plastikboden verboten seien. Das Leben ist halt doch kein Ponyhof. Aber das wird schon noch.

HinweisAm Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.