Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Auf den Spuren der heimischen Schlangen im Kanton Luzern

Wechselwarme Tiere wie Schlangen brauchen Sonne, um auf Betriebstemperatur
zu kommen. Warm war es in diesem Sommer wie selten zuvor. Also ideale Bedingungen für die Reptilien?
Roger Rüegger
Marie-Louise Kieffer von der Koordinationsstelle für Amphibien- und Repilienschutz (links) und Stefanie Pfefferli, Leiterin des Naturlehrgebiets Buchwald. Zusammen suchen sie im Buchwald nach Schlangen. (Bild: Pius Amrein (Ettiswil, 31. August 2018))

Marie-Louise Kieffer von der Koordinationsstelle für Amphibien- und Repilienschutz (links) und Stefanie Pfefferli, Leiterin des Naturlehrgebiets Buchwald. Zusammen suchen sie im Buchwald nach Schlangen. (Bild: Pius Amrein (Ettiswil, 31. August 2018))

Schlangen sind eklig – das denken viele Menschen. Es scheint eine Urangst in uns zu stecken. Klar, im Paradies verführte sie Eva, eine unaufrichtige Person ist eine falsche Schlange und ein Lügner spricht mit gespaltener Zunge. Damit hat es die Schlange schwer, die Gunst der Allgemeinheit zu gewinnen. «Die Menschen haben Angst, wenn eine Schlange in der Nähe ist. Sie fürchten, gebissen zu werden und tot umzufallen. Dabei sind Wespen viel gefährlicher und an defekten Toastern sterben in der Schweiz mehr Leute, als an Schlangenbissen», sagt Marie-Louise Kieffer, Luzerner Regionalvertreterin der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz Schweiz (Karch).

Schlangen sind wechselwarme Tiere. Sie müssen sich in der Sonne auf Betriebstemperatur bringen. Gibt es also in einem heissen Sommer wie diesem mehr Reptilien? Kieffer verneint: «Das Wetter eines Jahres kann sich höchstens verzögert auf die Population auswirken. Es gibt keine Studie die zeigt, dass ein Hitzesommer zu mehr Schlangen führt. Selbst wenn der Fortpflanzungserfolg grösser sein sollte in einem warmen Jahr, hängt die Anzahl der Tiere, die das Erwachsenenalter erreichen, von der Kapazität des Lebensraumes ab.»

Stolz sein soll, wer bei sich Schlangen beherbergt

Treffen zwischen Mensch und Schlange sind selten. Im Kanton Luzern gehen im Jahr rund 20 Meldungen über Begegnungen mit Reptilien ein. «Bei den meisten Schlangen handelt es sich um harmlose Ringelnattern. Diese leben typischerweise in der Nähe von Gewässern, etwa am Seeufer auf der Horwer Halbinsel», sagt Kieffer. Wer eine Schlange im Garten entdeckt, muss nicht in Panik ausbrechen. «Man sollte sich freuen und stolz sein, den Tieren einen intakten Lebensraum zu bieten», sagt Stefanie Pfefferli, Leiterin des Naturlehrgebiets Buchwald in Ettiswil. Von neun Schlangenarten in der Schweiz sind zwei vom Aussterben bedroht, die anderen sind stark gefährdet.

Am häufigsten kommen in der Schweiz Ringelnattern vor. Ein Paradies für die 70 bis 140 Zentimeter langen Tiere findet sich in Ettiswil. Auf 5,4 Hektaren gibt es im Naturlehrgebiet rund 100 Schlangen und andere Tierarten. Man hat gute Chancen, Ringelnattern beim Sonnenbad oder auf der Jagd nach Fröschen oder Kaulquappen zu sehen.

Einzigartige Vielfalt in Obwalden

Interessanterweise sind in Obwalden viel mehr Sichtungen gemeldet worden als in Luzern. «Bis heute konnte ich über 50 Meldungen von Reptilien dokumentieren», sagt Karch-Regionalvertreterin Maria Jakober. Die Zahl sage aber nichts über den Bestand aus. Jakober vermutet, dass die Bevölkerung sensibilisiert ist, weil die Obwaldner Zeitung im Juni über die Ringelnatter berichtete. Darin wurde auf die Wichtigkeit der Meldungen hingewiesen, was sich wohl die Leute zu Herzen genommen haben. Solche Meldungen seien wertvoll, betont Jakober. Da sie erst seit diesem Jahr Ansprechperson für Amphibien- und Reptilienfragen sei, könne kein Vergleich zu anderen Jahren gezogen werden.

Die Reptilienfauna Obwaldens ist aber tatsächlich ausgesprochen artenreich. «Es finden sich hier sieben heimische und vier standortfremde Arten. Diese Vielfalt ist einzigartig in der Zentralschweiz. Zu den heimischen Arten gehören Blindschleiche, Zauneidechse, Bergeidechse, Ringelnatter, Schlingnatter, Kreuzotter und Aspisviper», zählt Jakober auf. Letztere zwei zählen zu den Giftschlangen. Aber auch ein Biss von einer solchen Art ist nicht dramatisch. Seit 1961 wurde in der Schweiz nur ein tödlicher Unfall registriert, der auf einen Schlangenbiss zurückzuführen ist. Bei den standortfremden Arten handelt es sich um Würfelnatter, Mauereidechse, Smaragdeidechse und Rotwangen-Schmuckschildkröte.

Auch wenn man eine vermeintlich tote Schlange findet, sollte man dies melden. Die Ringelnatter stellt sich nämlich bei Gefahr tot und sondert ein übel riechendes Sekret ab. «Sie frisst Fische und Frösche. Man kann sich vorstellen, wie das riecht», sagt Pfefferli. Ein wenig eklig können sie eben schon sein, aber nur wenn sie sich tot stellen.

Beobachtungen an: Malu Kieffer 078 810 57 53 (Karch) oder Jörg Gemsch 041 349 74 88 (Lawa).Online auf: www.karch.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.