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Auf den Spuren wilder Kräuter – Trend vom Land wächst in der Stadt

Zwei Frauen, eine Mission: Den Menschen wilde Pflanzen wieder näher bringen. Sie sagen: Man kann fast alle Kräuter für die Küche und als Heilmittel brauchen – auch das vermeintliche «Unkraut».
Zéline Odermatt
Melanie Küpfer führt Interessierte bei einem Kräuterspaziergang durch die Luzerner Innenstadt. Hier ist sie mit ihrem Hund Balu zu sehen. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 20. Mai 2019)

Melanie Küpfer führt Interessierte bei einem Kräuterspaziergang durch die Luzerner Innenstadt. Hier ist sie mit ihrem Hund Balu zu sehen. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 20. Mai 2019)

Sie wachsen auf dem Kreisel, am Strassenrand, zwischen den Mauern. Sind lebendig, mitten in der Stadt. Die wilden Kräuter, wie Gundermann, Storchenschnabel, Vögeli-Chrut, Löwenzahn. «Was die meisten Menschen zu Unkraut degradieren, wächst in der Stadt Luzern noch fast üppiger als auf dem Land», sagt Pflanzenfachfrau Melanie Küpfer aus Luthern Bad. Dies weil in der Stadt viele Grünflächen als Magerwiesen belassen und nicht bewirtschaftet werden, wie dies auf dem Land der Fall ist. «Dort finden sich leider immer weniger Kräuter», so Küpfer.

Sie führt am Donnerstag einen Kräuterspaziergang in der Stadt Luzern durch. Zudem veranstaltet sie in ihrer Pflanzenausbildungsschule in Luthern Bad, die sie mit ihrem Partner führt, regelmässig Kurse zum Thema Kräuter. Unter Kräutern verstehen die meisten Menschen Thymian oder Majoran. «Es geht aber um die uralten Heilpflanzen, die den Menschen seit Jahrhunderten begleiten», so die Pflanzenfachfrau. Der Startpunkt ist beim Neubad. «Wir schauen dann, was uns so begegnet», sagt sie. Auch Kräuterspaziergänge in Richtung Unter- und Obergütsch hat die Luzernerin schon durchgeführt. Die Leute seien jeweils überrascht, was es in der Stadt alles gibt.

Spitzwegerich als Blasenpflaster

Auch die Heilpflanzenfrau Brigitte Waser-Bürgi aus Schwyz ist bald in Luzern auf einem Kräuterspaziergang unterwegs. Dieser findet beim Kulturhof Hinter Musegg statt. «Ich zeige und erkläre die essbaren Pflanzen sowie diejenigen mit Heilkräften, aus denen man beispielsweise selber eine Tinktur herstellen könnte», so Waser-Bürgi.

Brigitte Waser-Bürgi. (Bild: zvg)

Brigitte Waser-Bürgi. (Bild: zvg)

Es kämen die unterschiedlichsten Menschen und Altersgruppen mit auf ihren Spaziergang. «Es geht den Teilnehmern plötzlich eine sehr kreative Welt auf.» Die wenigsten wissen beispielsweise, dass der Spitzwegerich auch als Blasenpflaster eingesetzt werden kann. Waser-Bürgi meint: «Das eine oder andere bleibt von meinen Spaziergängen sicher hängen.»

Und die Kräuter seien wirklich fast alle essbar. «Ausser das Giftige», lacht Pflanzenfachfrau Küpfer. Deshalb soll immer nur das in der Küche verarbeitet werden, was man zu 100 Prozent kennt. Auch Bürgi-Waser meint:

«Man muss sich todsicher sein.»

Sie empfiehlt mit dem Sammeln von Löwenzahn oder Spitzwegerich zu beginnen. Und Küpfer meint: «Man sollte mit zwei bis drei Pflanzen langsam anfangen, diese kennenlernen und sich über die Zeit steigern.» Der Frühling eigne sich dafür am besten. Dann seien die Wirkstoffe in den jungen Pflanzen sehr potent. «Das ist die gesündeste Ernährung, rein von den Inhaltsstoffen her. Gesünder als frisches Gemüse», so Küpfer.

(Bild: Nadia Schärli, Luzern, 20. Mai 2019)

(Bild: Nadia Schärli, Luzern, 20. Mai 2019)

Jetzt ist also der perfekte Zeitpunkt für die Kräuterspaziergänge. «Beim Spaziergang geht es weniger um die Botanik, sondern um die Geschichten und Mythen hinter den Pflanzen und für was sie im Alltag verwendet werden können», sagt die Pflanzenfachfrau aus Luthern Bad. Diese Mythen seien vor allem der älteren Landbevölkerung im Entlebuch noch besser bekannt.

Doch das Interesse an den verschiedenen Kräutern schwappt nun auch auf die Stadt über, wie man an den verschiedensten Veranstaltungen zu diesem Thema sehen kann (siehe unten). Küpfer sagt:

«Es gibt ein Revival, vor allem bei den Städtern.»

Die Städter seien zum Teil sogar interessierter und offener als die junge Landbevölkerung, was Wildkräuter in der Küche anbelangt. Das Kräutersammeln sei zurzeit ein richtiger Hype in der Stadt. «Zu meinen Kursen vor 20 Jahren erschienen kaum Leute, jetzt bin ich dauernd ausgebucht», so Küpfer.

Auch Waser-Bürgi hat beobachtet, dass das Interesse an ihren Kursen zugenommen hat. «Die Menschen stellen sich wieder mehr die Frage: Was kann ich essen, wenn ich zur Haustüre rausgehe? Wie könnte ich mich ohne Einkaufsmöglichkeit ernähren?» Viele entdecken gerade, wie wertvoll die Pflanzen sind: «Wenn man weiss, was da draussen wächst, dann gibt das ein Urvertrauen zurück. Es wird einem bewusst, dass man überleben könnte, wenn die Grossverteiler nicht mehr da wären.»

Veranstaltungen in der Region Luzern

  • Kräuterspaziergang Kulturhof Hinter Musegg mit Brigitte Waser-Bürgi – 12. Juni, 15 und 18 Uhr, 20 Franken
  • Beikraut statt Unkraut im urbanen Siedlungsraum mit Melanie Küpfer – 23. Mai, 18.30 bis 20 Uhr, 35 Franken
  • Wildkräuterspaziergänge in Emmen – 27. Mai, 7. Juni, 22. Juni, 18 bis 21 Uhr, 30-40 Franken
  • Brennnessel Gwunderstunde für Kinder im Naturmuseum – 5. Juni, 14 bis 17 Uhr, Museumseintritt (Kinder 6-16 Jahre, 3 Franken)
  • Wildwuchs am Nordpol – 6. Juni, 4. Juli, 22. August, 12. September, 19 bis 20 Uhr, 10 Franken
  • Kloster Rathausen Heilkräuterspaziergang – 14. Juni, 30. August, 6. September, 18 bis 20 Uhr, 20 Franken

Veranstaltungen der Zentralschweiz

Rezept für Flammkuchen mit Gundermann

Flammkuchenteig, Geissenkäse, Frühlingszwiebeln und Cremé Fraiche, würzen. Fünf Minuten vor Ende der Backzeit fein geschnittenen, mit Olivenöl beträufelten Gundermann darauf verteilen. 5 Minuten fertig backen.

Quiz zu Kochzutaten aus dem Wald

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