Auf der Luzerner Allmend stehen ab sofort Rangerinnen und Ranger im Einsatz

Das Miteinander von Mensch und Natur auf der Luzerner Allmend hat in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten geführt. Darum sind jetzt 13 freiwillige Ranger unterwegs – unter ihnen auch ein ehemaliger FCL-Medienchef.

Julian Spörri
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Auf der Luzerner Allmend sind ab sofort Männer und Frauen in einer mattgrünen Weste unterwegs. Oberhalb der Brusttasche hat diese ein Etikett mit der Aufschrift «Luzern und Horw: Allmend Ranger» und dem Bild einer Gelbbauchunke. Bei den Personen handelt sich um freiwillige Ranger, die Leute ansprechen und sie betreffend der empfindlichen Lebensräume sensibilisieren sollen.

Zwei von dreizehn Rangern: Sina Seiler (links) und der ehemalige FCL-Medienchef Max Fischer.

Zwei von dreizehn Rangern: Sina Seiler (links) und der ehemalige FCL-Medienchef Max Fischer.

Bild: Pius Amrein
(Luzern, 16. Juni 2020)

Die Allmend ist gemäss Stefan Herfort, stellvertretender Leiter Umweltschutz bei der Stadt Luzern, «eines der wertvollsten Naturgebiete der Stadt mit zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten». Die gefährdete Gelbbauchunke – das Symbol der Ranger – hat hier beispielsweise ihr grösstes Vorkommen im Kanton Luzern. Weil in unmittelbarer Nähe Siedlungsraum liege, sei das Gebiet gleichzeitig auch ein wichtiger Erholungsraum für die Bevölkerung. An einer Medienorientierung am Dienstag sagte Herfort:

«Es braucht Regeln, damit das enge Nebeneinander von Allmendnutzenden und der Natur gut funktioniert.»

Probleme mit freilaufenden Hunden und Bikern

Diese Regeln wurden im Naherholungsgebiet in der Vergangenheit nicht immer eingehalten. «Zu den Problemen zählen freilaufende Hunde, Biker neben den offiziellen Wegen, wilde Feuerstellen und das Littering», so Herfort. Seit längerem wurden deshalb Infotafeln aufgestellt. Nun werden diese Bemühungen mit dem Einsatz von Rangern verstärkt. Auf einen Aufruf der Stadt Luzern hatten sich rund 20 interessierte Personen gemeldet. Daraus wurde ein Team von 13 Frauen und Männern zusammengestellt.

Anhand dieses Aufklebers auf der Weste sind die Ranger erkennbar.

Anhand dieses Aufklebers auf der Weste sind die Ranger erkennbar.

Bild: Pius Amrein
(Luzern, 16. Juni 2020)

«Die Ranger können der Natur eine Stimme geben», erklärt Herfort ihre Aufgabe. Dafür müssten sie mit den Leuten in den Dialog treten. Er fährt fort:

«Die Ranger sollen nicht einfach sagen, dass es eine Leinenpflicht gibt und fertig.»

«Vielmehr geht es darum, die Betroffenen zu überzeugen, sich freiwillig an die Regeln zu halten, indem ihnen die Natur näher gebracht wird», betont Herfort. Die Ranger selbst könnten die Regeln nicht durchsetzen. Dafür bleibe die Polizei zuständig, die bei Bedarf die Ranger unterstützt und als letztes Mittel auch Bussen verteilen kann, so Herfort.

Ranger sind viel in der Natur unterwegs

Sina Seiler

Sina Seiler

Bild: Pius Amrein

Jeder Ranger arbeitet ehrenamtlich und macht in der Regel einmal pro Woche einen Rundgang durch das Gebiet. Für Sina Seiler ist das kein Problem. Sie wohnt im Biregghofquartier und ist sowieso jeden Tag in der Natur unterwegs. «Die Tätigkeit als Rangerin sehe ich deshalb nicht als Arbeit», sagt Seiler. Ihre Motivation sei es, andere Menschen für die wertvolle Biodiversität auf der Allmend zu begeistern. Personen, die die geltenden Regeln verletzen, seien sich dessen meist gar nicht bewusst. «Es ist deshalb zielführend, wenn man sie anständig darauf hinweist und sie in ein Gespräch verwickelt», ist sich die Studentin mit einem Abschluss in Kommunikations- und Gesellschaftswissenschaften sicher.

Max Fischer

Max Fischer

Bild: Pius Amrein

Ebenfalls Teil der Ranger-Crew ist der ehemalige FCL-Kommunikationschef Max Fischer. Während seiner Zeit beim FC Luzern sei er oft in der Freizeit oder in Pausen zum Spazieren und Joggen im Naherholungsgebiet auf der Allmend gewesen, so Fischer. Das Projekt fände er «sehr spannend», weil es sich um einen stadtnahen Erholungsraum handle: «Viele Leute in der Stadt sind sich gar nicht bewusst, dass es so einen Ort gibt. Manchmal sucht man viel zu weit weg, obwohl man vieles auch in der Nähe findet.» Mit seiner langjährigen Erfahrung ist Fischer, der heute als Journalist arbeitet und nächstes Jahr pensioniert wird, wie gemacht für den Job. «Von der Kommunikation her sollte es kein Problem werden», bestätigt Fischer schmunzelnd. Und weiter:

«Die Aufgabe ist ähnlich wie im Fussball, weil man versucht, bei den Leuten Emotionen und Begeisterung zu wecken.»

Das Ranger-Projekt wird von der Stadt Luzern gemeinsam mit der Gemeinde Horw betrieben. Als Vorbild dienen die Riedwächter im Horwer Steinibachried. Die Stadt hat gemäss Stefan Herfort derzeit keine konkreten Pläne für den Einsatz von Rangern in anderen Gebieten. Er sagt aber: «Wenn wir auf der Allmend gute Erfahrungen machen, sind diesbezügliche Überlegungen für andere Orte nicht ausgeschlossen.»

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