Auf der Trienger Theaterbühne mutiert ein Tante-Emma-Laden zur Dessous-Boutique

Im Stück «Altweiberfrühling» blühen die Herbstzeitlosen auf: Die betagte Martha Jost erobert die Welt mit drei Freundinnen neu.

Hannes Bucher
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Lisi (Edith Kaufmann), Martha (Barbara Barmet) und Frieda (Irene Troxler) an der Premiere

Lisi (Edith Kaufmann), Martha (Barbara Barmet) und Frieda (Irene Troxler) an der Premiere

Bild: Philipp Schmidli (Triengen, 11. Januar 2020)

«Warum meint jeder, er wisse, welches Leben ich führen soll?», fragt die betagte Martha Jost (Barbara Barmet) auf der Bühne der Theatergesellschaft Triengen. Die Krämerfrau ist aufs Mal nicht mehr bereit, so weiter zu machen, die trauernde Witwenrolle zu spielen und auch noch ihren Gemischtwarenladen zu räumen. Ihr Sohn Walter (Roger Kaufmann), im Dorf als Ortspfarrer tätig, möchte im Ladenlokal eine Bibelgruppe einquartieren und der überaus rührige Gemeindepräsident Fritz Bieri (Beat Erni) sieht am selben Ort das künftige Parteilokal seiner Hauspartei LLP.

Die drei Freundinnen Marthas, Frieda Eggenschwyler (Irene Troxler), Hanni Bieri (Monika Gassmann) und insbesondere die quirlige Lisi Bigler (Edith Kaufmann) machen Martha Mut zum Aufbruch oder vielmehr zum Ausbruch aus dem gewohnten Alltagstrott und unterstützen sie tatkräftig darin.

Auf Film basierend

Schliesslich taucht die scheinbar völlig quere Idee auf: Der Gemischtwarenladen könnte zur Dessous-Boutique mutieren, Marthas einstiger Jugendtraum im Alter noch umgesetzt werden. Angedacht, gesagt, getan und umgesetzt. Der Gemeindepräsident und der Dorfpfarrer sind entsetzt, sie sehen ihre Pläne durchkreuzt und mobilisieren mit Erfolg die öffentliche Entrüstung – anfänglich zumindest. Das Stück «Altweibersommer», mit dem die Theatergesellschaft Triengen am Samstag Premiere feierte, basiert auf dem Schweizer Erfolgsfilm «Die Herbstzeitlosen». (Komödie von Stefan Vogel, schweizerdeutsche Fassung von Stefan Huber). Die charmante Geschichte über die vier alternden Freundinnen, die sich aufmachen, die Welt nochmals zu erobern, hat schon in der Filmversion das Publikum für sich eingenommen; in der Theaterfassung ist es nicht anders.

Liebevoll gestrickt, mit feinem Humor unterlegt und mit einer Portion kecker Frechheit und Frische angereichert kommt die Geschichte daher. Das Geschehen ist darin für einmal vorwiegend in Frauenhand – die sieben weibliche Darstellerinnen und die zwei Männer agieren überaus überzeugend und bringen eine rundum gelungene Inszenierung auf die Bühne des Gemeinde- und Kulturzentrums Triengen. Besonders gelungen die Anordnung der Szenerie, wie das Publikum durch das grosse Schaufenster des Ladens im Hintergrund das Dorfleben «draussen» vorgeführt bekommt. Stefanie Erni gibt mit Akkordeon, Cello und Gesang der überzeugenden Produktion eine zusätzliche, stimmige Note.

Das Stück stand schon lange auf der Wunschliste

Mit Recht «sehr zufrieden» ist Vereinspräsidentin und Produktionsleiterin Michaela Bühlmann nach der Premiere: «Mit Zälli Beeler konnten wir einen bekannten, überaus versierten Regisseur gewinnen. Es war toll, mit ihm zu arbeiten. Das Stück stand schon lange auf unserer Wunschliste – diese Saison ist der richtige Zeitpunkt für die Umsetzung gekommen.»

Darstellerin Barbara Barmet in der Rolle der Martha Jost freut sich, dass für einmal die Frauen zum Zug kommen. «Ja, es ist fast eine Traumrolle», sagt sie nach Premiere und ist mit allen anderen glücklich über die häufigen Lacher und viel Szenenapplaus des Premierenpublikums.

Hinweis: Weitere Vorstellungen finden statt am 17., 22., 24. und 25. Januar jeweils um 20 Uhr; 19. Januar um 12.30 Uhr. Informationen und Tickets sind erhältlich unter www.theater-triengen.ch