Auf die Luzerner Seegemeinden warten 100 Stunden Blasmusik

Zwischen Vierwaldstättersee und Rigi versammeln sich am Wochenende 42 Blaskapellen aus der ganzen Schweiz. Erwartet werden während dreier Tage gegen 8000 Besucher.

Monika van de Giessen
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Konzert der Dorfspatzen Oberägeri, die ebenfalls am Blaskapellentreffen teilnehmen werden. (Bild: Werner Schelbert, Oberägeri, 25. April 2015)

Konzert der Dorfspatzen Oberägeri, die ebenfalls am Blaskapellentreffen teilnehmen werden. (Bild: Werner Schelbert, Oberägeri, 25. April 2015)

Blaskapellentreffen finden alle zwei Jahre statt, letztmals 2016 in Wallbach BL. Am 22. Blaskapellentreffen vom Wochenende wird eine ganze Region miteinbezogen: Weggis, Vitznau, Gersau, Brunnen, Arth, Küssnacht, Rigi Kaltbad, Rigi Kulm und Rigi-Klösterli. Von den 82 nationalen Blaskapellen treffen sich 42 in der Zentralschweiz. Auf 16 Konzertplätzen wird über 100 Stunden Blasmusik auf höchstem Niveau geboten. Erwartet werden rund 8000 Besucher.

Es gibt kaum ein Dorf oder eine Stadt in der Schweiz ohne Blasmusik. Doch wie erkennt der Laie den Unterschied von einer Blaskapelle zu einer Feldmusik, einer Harmoniemusik, einer Musikgesellschaft oder einer Brassband? Dazu sagt Willy Odermatt, Präsident der Interessengemeinschaft Schweizer Blaskapellen (ISB) und OK-Vizepräsident des 22. Blaskapellentreffens: «Der Unterschied von einer Blaskapelle zu einer Harmoniebesetzung ist die kleinere Besetzung. Zudem unterscheidet sie sich vom Musikstil und von der Musikliteratur». Blaskapellen pflegen in der Regel vor allem den böhmischen-mährischen Musikstil, aber auch neuzeitliche Kompositionen und Arrangements aus der Unterhaltungsmusik.

«Blaskapellen fanden mit ihrem Stil eine Lücke»

An Blasmusikkonzerten stellt man immer wieder fest, dass sich viele Konzertbesucher nach mehr traditionellen Kompositionen sehnen. Meinte doch kürzlich ein Konzertbesucher, man solle mit diesem modernen «Zeugs» aufhören. Man solle wieder Musik machen, die man verstehe. Seine Kritik gibt ihm recht: Viele der Besucher blühen regelrecht auf, wenn als Zugabe der «Bundesrat Gnägi-Marsch», ein traditioneller Walzer, eine böhmische Polka oder Jost Ribarys Schottisch «Steiner Chilbi» gespielt wird.

Woran liegt’s? Wollen die jungen Dirigenten, die von der Musikhochschule kommen, zeigen, was sie drauf haben? Füllen die Blaskapellen diese Lücke? «Es ist so, dass die Blaskapellen mit ihrem Musikstil eine Lücke gefunden haben, die ein breites Publikum anspricht. In einem Programm muss indes alles Platz haben. Die Vielseitigkeit macht das Ganze interessant», sagt Willy Odermatt. Doch in vielen Vereinen fehlt der Nachwuchs. «Leider haben viele Blaskapellen Schwierigkeiten, die Lücken mit geeigneten Musikanten zu füllen.» Odermatt, gebürtiger Weggiser, heute wohnhaft in Arth, gibt sich indes optimistisch: «Es stossen immer wieder Junge nach, die auf einem sehr hohem Niveau musizieren», so der Musikschulleiter der Gemeinde Arth-Goldau und Präsident der Dorfspatzen Oberägeri.

Jury mit fünf Experten am Wettbewerb

28 Blaskapellen nehmen am Blaskapellenwettbewerb teil. Dabei stellen sie sich einer fachkundigen Jury. Der Wettbewerb findet am Samstag und Sonntag in der Mehrzweckhalle in Weggis statt. Die Fachjury setzt sich aus fünf Experten zusammen. Die beiden Selbstwahlstücke werden nach folgenden Faktoren beurteilt: Stimmung und Intonation; Rhythmus und Metrum; Dynamik und Klangausgleich; Tonkultur, Technik und Artikulation; musikalischer Ausdruck; Interpretation. Die Bewertung erfolgt im offenen Modus. Das heisst, jeder Experte gibt seine Punkte pro Bewertungsfaktor zuerst für das Stück A und anschliessend für das Stück B offen im Saal bekannt. «Die Bewertung der Jury ist fix und kann nicht angefochten werden», sagt Odermatt.

Das schweizerische Blaskapellentreffen hat für den Verband eine besondere Bedeutung. Die IG Blaskapellen feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen. Das Jubiläum wird am Freitag mit einem Galaabend in der Mehrzweckhalle in Weggis gefeiert. Im Organisationskomitee des 22. Schweizerischen Blaskapellentreffen sind neben Willy Odermatt erfahrene Leute aus den Bereichen Organisation und Blasmusik, unter anderem Josef Odermatt, OK-Präsident des Heirassa-Festivals, Fabio Küttel, Leiter der Musikschule der Seegemeinden sowie Margrit und Walter Röllin für den Gastrobereich.

Detaillierte Infos unter www.blaskapellentreffen.ch