Auf diesem Hof in Gelfingen wachsen Bio-Linsen und Bio-Mais für Tortilla-Chips

Für Liz und Franz Elmiger aus Gelfingen ist Unkraut nichts Schlechtes. Auch sonst unterscheidet sich ihr Betrieb von anderen.

Hanni Rietschi
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Liz und Franz Elmiger begutachten ihre Bio-Linsen. (Bild: Hanni Rietschi, Gelfingen, 31. Juli 2019)

Liz und Franz Elmiger begutachten ihre Bio-Linsen. (Bild: Hanni Rietschi, Gelfingen, 31. Juli 2019)

Franz Elmiger schaut hinunter ins Tal und erklärt, was wo wächst auf seinem Land. Der Hof hoch über dem Baldeggersee ist ein Schlaraffenland. Nebst Weizen, Dinkel, Mais, Kartoffeln und Rüebli wachsen allerlei Kulturen, die zur Herstellung von Bio-Saatgut dienen. Im Garten gedeihen verschiedenste Gemüse und Früchte in Mischkulturen. Die Aufzuchten von 2000 Junghennen und 35 Rindern passen gut ins Programm der beiden Biobauern Liz (48) und Franz (50) Elmiger. Die Tierhaltungen unterstützen die Bewirtschaftung des Wieslandes und helfen mit, das Einkommen zu sichern.

Zu diesem Einkommen trägt bald Bio-Mais bei. Coop hat Elmigers angefragt, ob sie zehn Tonnen pro Jahr zur Produktion von Tortilla-Chips liefern können. Das Paar stimmte zu.

Grenzschutz für Linsen fehlt

Auch die «braune Berglinse» gedeiht auf dem Chlotisberg prächtig. Mit dem Anbau der «Powerkügelchen» hat Franz Elmiger vor fünf Jahren begonnen. Wegen ihres hohen Proteingehalts gilt die Linse unter anderem als guter Fleischersatz. «In der Agrarpolitik hat man die Linsen wohl vergessen», vermutet Elmiger. «Es gibt keinen Grenzschutz und auch keine Einzelkulturbeiträge wie zum Beispiel für Soja oder Lupinen.» Dank eines Tipps eines Kollegen sei er auf die Idee gekommen, Bio-Linsen anzupflanzen.

Franz und Liz Elmiger haben den Hof vor 15 Jahren kaufen können. Elmiger ist gelernter Landwirt und Agronom FH und arbeitete als Treuhänder. Von Beginn an haben die Elmigers den Hof auf dem Chlotisberg oberhalb Gelfingen auf Bio umgestellt. Jetzt schwören die beiden auf die «Regenerative Landwirtschaft» und die Grundpfeiler der «Grünen Brücke».

«Unkraut ist nicht schlecht. Es zeigt dir an, wie es dem Boden geht», sagt Franz Elmiger. Die vielfältigen Tipps zur Bodenbearbeitung hat er sich im Erfahrungsaustausch mit den Kollegen im Verein der Luzerner Biobauern, in Fortbildungskursen und beim Ausprobieren auf dem eigenen Land angeeignet. «Im Weizen habe ich eine Untersaat eingesät, die jetzt schon wieder assimiliert, CO2 bindet und humusbildend wirkt», erklärt Elmiger.

«Gülle, die stinkt, ist nicht gut», weiss Elmiger. Durch sorgsames Verarbeiten und die Zugabe von natürlichen Mikroorganismen lasse sich die Gülle verbessern. Elmiger hat sich vor zwei Jahren auch einen «Geohobel» angeschafft. Mit der Ackerfräse kann er den Boden schonender bearbeiten als mit dem Pflug. Im Garten von Liz Elmiger bieten Zuckermais-Pflanzen den Bohnen Kletterhilfen und der Boden wird von Kürbispflanzen abgedeckt. Bei den Pro-Spezie-Rara-Tomaten wachsen Gurken. Auf dem Feld hat Franz Elmiger bei den Linsen Leindotter als Stabilisatoren eingesät. Nach dem Trocknen der Ernte werden die Leindottersamen durch ein professionelles Verfahren getrennt. Aus den Samen lässt Elmiger hochwertiges Leindotter-Öl, einen noch wenig bekannten, hochwertigen Omega-3-Lieferanten, herstellen.

Franz Elmigers Augen verraten, dass er noch viele Ideen im Kopf hat. Vorerst stehe aber noch die Ernte des Zwiebeln-Saatgutes auf dem Programm.