Auf diesem «Markt» in Littau und Malters kann man für 1 Franken einkaufen

Eine Sozialhilfebezügerin hat einen Markt der speziellen Art auf die Beine gestellt. Dort kann man konkurrenzlos günstig einkaufen – und gleichzeitig etwas gegen Foodwaste tun.

Stefan Dähler
Merken
Drucken
Teilen
Früchte und Gemüse gibt es hier in dieser Garage in Littau reichlich.

Früchte und Gemüse gibt es hier in dieser Garage in Littau reichlich.

Bilder: Patrick Hürlimann

Der Name ist Programm: Der Verein Lebensmittelretter Zentralschweiz will Lebensmittel vor dem Güselkübel retten. Der Verein existiert seit Mai 2019, zuvor hat Präsidentin Daniela Kyburger jedoch bereits beim Aufbau eines anderen karitativen Vereins gegen Foodwaste mitgeholfen, welcher bis heute in Ebikon besteht. «Alle Lebensmittel kommen aus Aldi-Filialen in der Region», sagt Daniela Kyburger, die in Schwarzenberg wohnt. Mit weiteren Grossverteilern sei sie in Verhandlungen. Die Waren erhält der Verein gratis, da diese sonst ohnehin weggeworfen würden. Es handelt sich um Lebensmittel aller Art – ausser Tabak und Alkohol.

Verteilt werden die vom Verein beschafften Waren seit einiger Zeit auch von 14 bis 15 Uhr dienstags in der Garage des Pfarrhauses der Kirche St. Theodul in Littau und donnerstags im Pfarreizentrum Malters. In Littau ist das Angebot noch relativ neu, es wurde im Februar eingeführt. In Malters war dies im September 2019 der Fall.

Abgegeben werden Lebensmittel, die noch nicht abgelaufen sind, für die aber kaum mehr Käufer gefunden werden können. «Die Idee dahinter ist einerseits, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden müssen», sagt Res Wyler, Mitarbeiter der Sozialdiakonie der Pfarrei Littau.

«Andererseits wollen wir Leute mit knappem Budget entlasten. Als Pfarrei ist es nicht nur unsere Aufgabe, Gottesdienste oder Religionsunterricht durchzuführen, sondern auch sozial aktiv zu sein.»

Bei der Abgabe sind teilweise auch Mitarbeitende der Pfarrei vor Ort. «Wir wollen mit den Leuten in Kontakt treten, hören, wie es ihnen geht», sagt Wyler. «Teilweise können wir in irgend einer Art helfen.» Besucht werde das Angebot häufig von Arbeitslosen oder Alleinerziehenden, willkommen seien jedoch alle. «Wobei bei vielen Leuten wohl noch eine gewisse Hemmschwelle besteht, das Angebot zu nutzen.» Grundsätzlich werde dieses aber immer beliebter. Wyler:

«Zuletzt kamen in Littau
rund 40 Personen vorbei.»

Zu Beginn waren es zwischen 15 bis 20. Für den Einkauf verlangt der Verein Lebensmittelretter jeweils einen Beitrag von 1 Franken, freiwillig können die Leute auch einen höheren Betrag abgeben. «Der Verein deckt mit diesem Geld seine Unkosten», sagt Wyler.

Das Los bestimmt, wer an der Reihe ist

Die Abgabestellen seien auch während der Coronakrise geöffnet. «Es müssen wie in normalen Lebensmittelläden die Abstandsregeln eingehalten werden, ausserdem hat es Desinfektionsmittel vor Ort», sagt Wyler. Wer in welcher Reihenfolge Waren beziehen darf, werde kurz vor der Eröffnung per Los bestimmt. Die Lebensmittel, die am Donnerstag nach der Abgabe in Malters noch übrig bleiben, können danach noch bis Sonntag in der Garage des Pfarrhauses in Littau abgeholt werden.

Mit Abstand: Interessenten warten vor dem Pfarrhaus in Littau.

Mit Abstand: Interessenten warten vor dem Pfarrhaus in Littau.

Zurück zum Verein Lebensmittelretter: Entstanden ist die Idee auch, weil Daniela Kyburger als Sozialhilfebezügerin selbst froh ist, günstig Lebensmittel beziehen zu können. Ausserdem kennt sie sich als gelernte Verkäuferin mit der Materie aus. Wie viele Waren der Verein pro Woche jeweils erhält, kann diese nicht genau beziffern. «Wir haben sie nie gewogen, doch es ist sicher genug für 50 Personen», sagt Daniela Kyburger. Durchgeführt werden Transport und Abgabe jeweils mit drei bis vier ehrenamtlichen Helfern. «Wir suchen nun noch mehr Personen, damit wir auch mal Ferien machen können. Ebenso sind wir auf der Suche nach Geldspenden oder einem grösseren Fahrzeug für den Transport der Lebensmittel.»

Infos: https://lebensmittelretter-zentralschweiz.ch/