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Auf gute Saison folgt Bewährungsprobe

Die Leitung von Benedikt von Peter hat sich zahlenmässig positiv auf das Luzerner Theater ausgewirkt. Das zeigt ein Blick in den jetzt vorliegenden Geschäftsbericht und die Jahresrechnung.
Hugo Bischof
Eine Holztreppe lud zu Beginn der Saison 2016/17 die Besucher direkt ins Foyer des Luzerner Theaters. (Bild: Boris Bürgisser (10. September 2016))

Eine Holztreppe lud zu Beginn der Saison 2016/17 die Besucher direkt ins Foyer des Luzerner Theaters. (Bild: Boris Bürgisser (10. September 2016))

Theatererfolg wird in erster Linie mit künstlerischen Höhenflügen gleichgesetzt. Für solche hat Luzerns charismatischer neuer Theaterdirektor Benedikt von Peter in seiner ersten Spielzeit 2016/17 zweifellos gesorgt. Der künstlerische Furor hat sich aber auch nüchtern-kommerziell positiv ausgewirkt. Das zeigt ein Blick in den jetzt vorliegenden Geschäftsbericht und die Jahresrechnung.

72 913 zahlende Besucherinnen und Besucher verzeichnete das Luzerner Theater in der Spielzeit 2016/17. Das sind etwa 10 000 mehr als in der Vorsaison und rund 5 Prozent mehr als der Durchschnitt der vorherigen vier Spielzeiten (siehe Tabelle). Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Platzauslastung von 79,4 Prozent (ebenfalls plus 5 Prozent). Die Ticketeinnahmen betrugen 2,87 Millionen Franken – 640 000 Franken mehr als 2015/16 (siehe Grafik).

Eindrücklich ist die Zunahme der Anzahl jener Personen, die an sogenannten Vermittlungsprojekten teilnahmen. Dazu gehören öffentliche Proben, Werkeinführungen, Podiumsdiskussionen und so weiter. 44 483 waren es in der Spielzeit 2016/17 (Vorsaison 29 497). Dass die Theaterleitung diesen Bereich fördert, ist richtig. Denn Leute, die auf diese Weise erstmals Theaterluft schnuppern, werden vielleicht künftig zu regelmässigen Theaterbesuchern und Ticketkäufern. Zu den Ticketeinnahmen kommenübrige betriebliche Erträge, jährlich zwischen 200 000 und 300 000 Franken. Dabei handelt es sich um Einnahmen aus Nebengeschäften wie Kostümverleih, Raumvermietungen, Kulissenverkauf, Führungen.

Markant ist auch die Steigerung bei den Drittmitteln (Sponsoring). 1,99 Millionen Franken kann das Luzerner Theater hier verbuchen. Darin inbegriffen sind 0,93 Millionen Franken als Donation an den Bau und die Einrichtung der Box auf dem Theaterplatz, die dort voraussichtlich weitere vier Jahre stehen wird. Es handelt sich um eine Schenkung einer dem Theater sehr verbundenen Luzerner Familie, die sich in den kommenden Spielzeiten nicht wiederholen wird. Dennoch – auch die verbleibenden 1,06 Millionen Franken Sponsoringgelder sind weit mehr als in der Vorsaison (0,69 Millionen Franken).

Zusammengerechnet ergeben Ticketeinnahmen, Drittmittel (Sponsoring) sowie die übrigen betrieblichen Erträge (270 000 Franken) Gesamteinnahmen von 5,14 Millionen Franken. Daneben stehen die 20,59 Millionen Franken öffentliche Subventionen von Kanton und Stadt Luzern, die das Luzerner Theater 2016/17 erhielt. Daraus ergibt sich ein Eigenfinanzierungsgrad von rund 20 Prozent, so viel wie nie seit der Gründung der Stiftung Luzerner Theater im Jahr 1996.

Die öffentlichen Beiträge von Kanton und Stadt Luzern via Zweckverband Kultur bleiben die Haupteinnahmequelle des Luzerner Theaters. Ein kleiner, schleichender Abbau ist hier aber feststellbar, wie ein Blick auf die Grafik zeigt. Die Beiträge sind seit 2013 um 670 000 Franken zurückgegangen. Eine zusätzliche Reduktion um 350 000 Franken wird es ab 2018/19 geben, im Rahmen des kantonalen Sparpakets.

Das Generieren von Sponsoringgeldern ist also eine immer wichtigere, aber auch sehr herausfordernde Aufgabe der Theaterleitung – vor allem mit Blick auf die Diskussionen um die öffentliche Subventionierung der grossen Luzerner Kulturhäuser. Wohl nur mittels Sponsoring können langfristig einschneidende Sparmassnahmen am Luzerner Theater verhindert werden. Diese könnten bis hin zur Schliessung einer der heutigen drei Sparten Musiktheater, Schauspiel und Tanz führen.

Je mehr Ausstrahlungskraft eine Kulturmarke hat, je offensiver und erfolgreicher sie ihre «Produkte» verkaufen kann und vor allem je mehr sie positiv im Gerede ist, desto leichter finden sich dafür Sponsoren. In diesem Sinn ist Benedikt von Peter mit seinem mutigen, spektakulären, oft geradezu verwegenen Raumtheater ein Glücksfall für Luzern. «Rigoletto» in einer ausgedienten Fabrikhalle in Emmenbrücke war das prägnanteste Beispiel für die Suche des Theaters nach neuen Aufführungsräumen ausserhalb des – in die Jahre gekommenen – Stammhauses an der Reuss. Das Experiment fand weit über Luzern hinaus Beachtung.

Das Luzerner Theaterschiff hat Fahrt aufgenommen. Wichtig ist es, den Rückenwind zu nutzen. Denn eines ist auch klar: In seiner ersten Spielzeit profitiert ein neuer Theaterdirektor stets von einem gewissen Neugierde-Bonus. Das ist, wie wenn ein Profi-Fussballclub einen neuen Trainer einstellt und dann auf einen Schlag zwei- bis dreitausend Zuschauer mehr ins Stadion kommen. Wichtig ist es, auch in der darauffolgenden Spielzeit den richtigen Spielplan, die richtige Taktik, genügend Sponsoren und vor allem einen guten Draht zum Publikum zu finden.

Hugo Bischof

Redaktor Ressort Stadt/Region

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

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