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Zuger hofft auf Kredit – und erhält stattdessen eine saftige Geldstrafe

Ein 43-Jähriger braucht 250000 Euro Kredit. Im Internet findet er eine dubiose Geldgeberin. Sie verlangt horrende Gebühren - doch damit nicht genug: Der Mann wurde nun auch noch wegen Geldwäscherei verurteilt.
Kilian Küttel
Bild: KEYSTONE/Martin Ruetschi

Bild: KEYSTONE/Martin Ruetschi

Sie lernen sich online kennen, haben sich noch nie zuvor gesehen, und werden es auch nicht tun. Sie, das sind eine Französin, die sich Celine nennt und ein 43-jähriger Mann aus dem Kanton Zug. Dieser ist auf der Suche nach einem Geldgeber, der ihm 250 000 Euro Kredit gewähren kann. Celine sagt, sie wolle das tun. Das Geld sei bei einer Bank im westafrikanischen Benin hinterlegt, von dort könne er es beziehen. Im Voraus müsse der Zuger aber zuerst Gebühren bezahlen. Auf dieses Angebot geht der Mann ein, schliesst im August 2015 einen Kreditvertrag ab und überweist mit dem Transfer-Dienst Western Union zwischen 40 000 und 50 000 Euro in bar. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil des Luzerner Kriminalgerichtes hervor.

Nach einiger Zeit zweifelt der Mann, ob Celine tatsächlich so seriös ist wie erhofft. Er bespricht sich mit seiner Frau, recherchiert im Internet. Seinen Verdacht wird er nicht los. Anfang 2016 teilt der zweifache Familienvater Celine mit, er werde nicht mehr zahlen. Daraufhin sichert ihm Celine zu, ihm zu helfen. Sie werde anderen Kunden auftragen, Geld auf das Konto des Mannes zu überweisen. Celine spielt ihm vor, dass er seine Bankgebühren bezahlen könne, wenn er diese Gelder weiterleite. Denn dabei handle es sich um die Kreditraten der anderen Kunden und würden für ihn eine Art Vorschuss bedeuten.

Geld überwiesen – doch es ist nicht verwendbar

Von Februar bis Juli 2016 kommen so etwas mehr als 35 700 Franken zusammen, die dem Zuger auf sein Konto bei der Luzerner Kantonalbank einbezahlt werden. Die Zahlungen stammen aus Deutschland, Panama, Mexiko, der Schweiz oder französisch Polynesien. Verwenden könne er das Geld aber nicht. Stattdessen müsse er es abheben und mit Western Union an einen Mann in Benin schicken. So lautete Celines Anweisung.

Der Mann tut, was Celine will – «obwohl in keiner Weise ersichtlich ist, inwiefern derartige Überweisungen die Auszahlung Ihrer Kreditsumme hätte auslösen oder Ihre Vorauszahlungspflicht hätte tilgen sollen», heisst es in einem Strafbefehl der Luzerner Staatsanwaltschaft, den der Zuger im August 2017 bekommt. Der 43-Jährige ist – ob gewollt oder nicht – zu einem sogenannten «Money Mule» geworden. Zu einem Geldesel also. Kriminelle rund um den Globus setzen diese gerne ein, um ihre illegal erwirtschafteten Gewinne zu waschen. Häufig werden die Geldesel für ihre Dienste bezahlt, wissen zum Teil, das sie etwas Illegales tun. Aber schauen weg.

Der Zuger gerät ins Visier der Strafverfolgungsbehörden. Und für diese ist klar: Der Mann hat sich der Geldwäscherei schuldig gemacht, indem er das Geld abgehoben und frisch eingezahlt hat. «Obwohl Sie es aufgrund Ihrer eigenen Erfahrung, den Nachforschungen im Internet sowie den gesamten Umständen zumindest für möglich gehalten haben, dass die Ihnen überwiesenen Vermögenswerte auf ein Verbrechen zurückgehen, nahmen Sie dies aus Gleichgültigkeit in Kauf», schreibt die Staatsanwaltschaft. Zudem sei sich der Beschuldigte bewusst gewesen, dass er die Spur des Geldes verwischt habe, als er es abhob und weiterschickte.

Beschuldigter streitet ab – und zieht Urteil weiter

Mittels Strafbefehl will die Staatsanwaltschaft den Mann mit einer bedingten Geldstrafe von 35 Tagessätzen à 110 Franken belangen. Hinzu kommt eine Busse von 950 Franken. Dagegen erhebt der Zuger Einsprache. Der Fall landet beim Luzerner Kriminalgericht, wo der Verteidiger des Beschuldigten einen Freispruch von allen Anklagepunkten fordert.

Der Beschuldigte bestreitet den Vorwurf, er habe gewusst, dass es sich um gesetzeswidrig erwirtschaftetes Geld handelte. In seinem Urteil kommt das Kriminalgericht aber zum Schluss, das Geld stammte aus einer kriminellen Vortat. Und, dass der Zuger hätte stutzig werden müssen – aufgrund mehrerer Tatsachen: die Überweisung der anderen Schuldner an ihn, die «imposante Höhe der von einer Bank verlangten Gebühren, die Bargeldabhebung und der Versand der Gelder nach Benin». Das alles sei «sehr aussergewöhnlich gewesen», so das Gericht. Darüber hinaus sei der Beschuldigte über einen Zeitraum von fast einem Jahr immer wieder hingehalten und vertröstet worden. Und der Kreditvertrag sei primitiv aufgemacht gewesen: «Die Bilder, Logos und Unterschriften auf den angeblich offiziellen Dokumenten sind stark verpixelt und weisen überdies Kopierfehler auf», heisst es im Urteil.

Das Kriminalgericht verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 210 Franken. Zudem muss er die Verfahrenskosten von etwas mehr als 7800 Franken tragen. Doch auch dieses Urteil will der Zuger nicht annehmen: Er legte Berufung ein. Nun wird sich das Kantonsgericht mit dem Fall beschäftigen.

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