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Auf Luzerner Strassen sind immer mehr schnelle E-Bikes unterwegs

Die Zahl der E-Bikes mit gelbem Kontrollschild hat im Kanton Luzern im Vergleich zum Vorjahr um 627 zugenommen. Die schnellen Velos dienen vor allem als Ersatz fürs Auto. Gleichzeitig steigen aber auch die Unfallzahlen.
Jonas von Flüe
Marcel Schärli baut in seinem Fachgeschäft «Stromvelo» in Luzern einen Akku ein. (Bild: Roger Grütter, 6. Juni 2018)

Marcel Schärli baut in seinem Fachgeschäft «Stromvelo» in Luzern einen Akku ein. (Bild: Roger Grütter, 6. Juni 2018)

Armando Wigger fährt praktisch jeden Tag mit dem E-Bike vom Luzerner Stadtrand zur Arbeit nach Baar. Die 28 Kilometer legt er in rund 50 Minuten zurück. «Ich bin an keinen Fahrplan gebunden und gleich schnell im Büro wie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln», sagt der 44-Jährige. Für sein schnelles E-Bike, das ihn bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h beim Treten unterstützt, braucht er ein gelbes Kontrollschild und einen Fahrzeugausweis.

Wigger liegt mit seinem E-Bike voll im Trend. Die neuste Statistik des Bundesamtes für Strassen (Astra) zeigt, dass im Kanton Luzern noch nie so viele schnelle E-Bikes unterwegs waren (siehe Tabelle). 5312 Nummern waren im Jahr 2017 registriert, das entspricht einer Zunahme von 627 gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Im Kanton St. Gallen, der über mehr Einwohner als der Kanton Luzern verfügt, sind nur 3600 schnelle E-Bikes registriert.

Insgesamt wurden letztes Jahr in der Schweiz 88'000 E-Bikes verkauft. Damit verfügt jedes vierte in der Schweiz verkaufte Velo über einen Elektrozusatzantrieb.

Anzahl der schnellen E-Bikes im Kanton Luzern

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Marcel Schärli hat den E-Bike-Boom hautnah miterlebt. Er leitet das auf E-Bikes spezialisierte Fachgeschäft «Stromvelo» am Hirschengraben in Luzern. «Wir haben immer mehr Neukunden, die vom Auto aufs schnelle E-Bike umsteigen», erklärt er. Schärli gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er von den E-Bikes in seinem Ladenlokal erzählt: «Das E-Bike ist das ideale Pendlerfahrzeug. Der Akku hat bei voller Leistung eine Reichweite von zirka 60 Kilometern. Nach viereinhalb bis fünfeinhalb Stunden ist er wieder aufgeladen.»

Seine Kunden nutzen das schnelle E-Bike vor allem für den Arbeitsweg. Wenn es im Morgen- oder im Feierabendverkehr auf den Strassen rund um Luzern zu stauen beginnt, schlägt die grosse Stunde der E-Bike-Fahrer. «Man ist mit dem E-Bike im Verkehr agiler und muss keinen Parkplatz suchen. Deswegen kommen die Leute zu uns», sagt Schärli.

Mit dem E-Bike schneller in der Stadt

Das Strassenverkehrsgesetz stellt das schnelle E-Bike dem Töffli gleich. Das heisst, dass man Autos im Kolonnenverkehr rechts überholen und Velowege benutzen darf. «Das wissen viele Autofahrer nicht», sagt Martin Platter, der Leiter der Schweizer Fachstelle Velo und E-Bike. Platter wohnt in Uerzlikon im Zürcher Säuliamt, unweit der Zuger Kantonsgrenze. Er fährt Auto, Töff – und E-Bike. «Mit keinem anderen Fahrzeug bin ich so schnell in der Stadt Zürich», erklärt er. 35 bis 40 Minuten benötige er über den Albis. Auch die 30 Kilometer nach Luzern nimmt er schon mal mit dem E-Bike auf sich: «Mit dem schnellen E-Bike kann man gut 25 bis 30 Kilometer weit pendeln. Man steht nicht im Stau, ist an der frischen Luft und bewegt sich.»

Platter kann der zunehmenden Anzahl E-Bikes nur Positives abgewinnen: «Autofahrer nerven sich oft, wenn sie im Stau stehen und von E-Bike-Fahrern überholt werden. Dabei sorgt jeder Autofahrer, der aufs Velo umsteigt, für mehr Verkehrsraum.» Ähnlich sieht das Nico van der Heiden, Luzerner SP-Grossstadtrat und Co-Präsident von Pro Velo Luzern: «20 Pendler, die vom Auto aufs E-Bike umsteigen, sorgen dafür, dass die Strassen von 20 Autos weniger verstopft werden.»

Konfliktpotenzial im Strassenverkehr

Die zunehmende Anzahl E-Bike-Fahrer sorgt aber auch für Konfliktpotenzial im Strassenverkehr. Autofahrer erkennen im Seitenspiegel nur schlecht, ob rechts ein normales Velo oder ein schnelles E-Bike vorbeizieht. «Wenn man mit einem schnellen E-Bike unterwegs ist, muss man für alle anderen mitdenken. Man muss immer damit rechnen, dass man übersehen wird», sagt Martin Platter. Bei doppelter Geschwindigkeit vervierfacht sich der Bremsweg. «Deshalb muss die Bremsbereitschaft höher sein als bei einer Fahrt mit einem normalen Velo», erklärt er.

«Eine generelle Gefahr für den Strassenverkehr stellen E-Bikes nicht dar», sagt Franz-Xaver Zemp, der Leiter der Fachstelle Verkehr bei der Luzerner Polizei, «allerdings unterliegt man als Lenker eines schnellen E-Bikes einer besonderen Verantwortung.» Die Silhouette sei schmal, weshalb man von den anderen Verkehrsteilnehmern schlechter wahrnehmbar sei. Dem müsse man sich bewusst sein.

In der neusten Unfallstatistik (siehe Tabelle) zeigt sich, dass die Unfälle mit E-Bike-Beteiligung zunehmen. «Das ist eine logische Folge der massiven Zunahme der Verkaufszahlen», sagt Zemp. Vor allem Selbstunfälle und Stürze durch mangelndes Handling seien ein Problem. 26 von 40 Unfällen sind darauf zurückzuführen. Rund drei Viertel der Unfälle werden ausserdem durch E-Bike-Fahrer, die älter als 45-jährig sind, verursacht.

Unfälle mit E-Bike-Lenker als Hauptverursacher

im Kanton Luzern
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Gefährliche Verkehrssituationen hat Armando Wigger auf seinem Arbeitsweg noch nicht erlebt. Mit gegenseitiger Rücksichtnahme könne man Gefahren aus dem Weg gehen, sagt er. Das E-Bike möchte er nicht mehr eintauschen. In seiner Freizeit ist der Familienvater aber auch gerne mit dem Auto unterwegs.

E-Bike-Fahrkurs von Pro Velo: 30. Juni, 9.00-12.30 Uhr, beim Bourbaki.
Mehr Infos: www.proveloluzern.ch

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