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Auf Schatzsuche in Ottenhusen: Romano Agola hat die Lizenz zum Graben

Romano Agola sucht im Auftrag des Kanton Luzern archäologische Fundstellen auf historische Schätze ab. Er findet nebst viel Abfall Münzen, Stempel und Schmuck. Zu schaffen machen ihm illegale Schatzjäger – und Bagger.
Urs-Ueli Schorno
Romano Agola sucht mit Hilfe eines Metalldetektors archäologische fundstellen nach alten Münzen, Stempeln oder Schmuck ab. (Bilder: Philipp Schmidli, Ottenhusen, 19. Februar 2019)

Romano Agola sucht mit Hilfe eines Metalldetektors archäologische fundstellen nach alten Münzen, Stempeln oder Schmuck ab. (Bilder: Philipp Schmidli, Ottenhusen, 19. Februar 2019)

Das hohe Piepen des Metalldetektors entlockt Romano Agola sofort eine Prognose: «Eine Patronenhülse.» Der Schatzsucher schwenkt das Gerät ein paar Mal über den losen Acker und hebt dann mit wenigen Stichen ein rund 30 Quadratzentimeter grosses Loch aus. In der Tat: Nach der Feinsuche mit einem sogenannten «Pinpointer» hält er ein kleines Metallrohr in der Hand. «Es ist kein Zufall, dass das Militär hier einen guten Platz gefunden hat – schon die Römer haben hier wohl wegen der guten Übersicht ihre Villa gebaut.»

Wir befinden uns in Hohenrain, genauer in Ottenhusen, wo im Spätherbst eine Aussichtsplattform mit einem Römerplatz entstehen soll. Romano Agola untersucht im Auftrag des Kantons, wie weit die Funde rund um die vermutete Villa gestreut sind. Zu seiner Ausrüstung gehört neben dem Metalldetektor – ein französisches Modell, das auf unsere Böden abgestimmt ist – ein Spaten, eine Grabungskelle und ein kleiner Detektor für die Feinsuche, eben der «Pinpointer».

Illegale Suchen sind auch in Luzern weit verbreitet

Damit will er heute Münzen, Schmuck oder andere datierbare Objekte finden. Immer wieder kommen beim Graben auch römische Ziegel zum Vorschein – eindeutiges Indiz, dass an dieser Stelle einmal ein römisches Gebäude stand. Und auch viel Abfall: Nägel, Metallstäbe, viel Alufolie, sogar ein Nagel, der eindeutig zum Eisenbahnbau verwendet wird – obwohl weit und breit keine Gleise zu finden sind. «Merkwürdig», entfährt es Agola mit einem Lacher.

Die Ausrüstung für die archäologische Metallsuche gibt es heute auch günstig im Internet zu kaufen. Ein Metalldetektor ist für 50 Franken beim Online-Chinesen zu haben. Das Modell von Agola kostet rund 1500 Franken und wird von ihm auch in seinem eigenen Shop vertrieben. Daneben gibt der 54-jährige Emmentaler Kurse für die archäologische Metallsuche, aber auch für die Polizei, die im Einsatz zur Verbrechensaufklärung vermehrt auf diese Methode setzt.

«Plünderer» verplappert sich beim Archäologen

Während Agola heute aus seinem Hobby einen Beruf gemacht hat, gibt es immer wieder abenteuerlustige Schatzsucher, die auf eigene Faust und ohne Bewilligung ihr Glück versuchen. Doch den modernen Schatzräubern drohen Gefängnis oder Busse in der Höhe von bis zu 100 000 Franken. Beim Handel mit den Funden gar die doppelte Strafe. Die Vergehen reichen von Hausfriedensbruch bis zur Plünderei. Agola weiss:

«Illegale Suchen sind auch im Kanton Luzern verbreitet.»

Grundsätzlich gilt: Wer beim Graben nach Bodenaltertümern oder zufällig auf herrenlose Naturkörper oder Altertümer stösst, untersteht der Meldepflicht bei der Kantonsarchäologie. Der Fund selbst ist Eigentum des Kantons. Die Gemeinde Sempach rief vor kurzem zur Sensibilisierung auf. Nicht ohne Grund: Ein illegaler Schatzsucher wurde in flagranti erwischt und angesprochen. Er gab bereitwillig Auskunft – ohne zu ahnen, dass es ein pensionierter Archäologe war, dem er sein Finderglück offenbarte.

Mit dem Fund geht auch Information verloren

Problematisch ist dabei nicht nur der Verlust des Fundstückes für die Archäologie, sondern auch dass durch illegale Suchen wertvolle Information verloren geht. «Die Information setzt sich aus dem Fundgegenstand, dem genauen Fundort, der Fundtiefe und den Begleitfunden wie Keramik, Ziegel oder anderer Strukturen zusammen», führt Agola aus. Und: «Ohne Dokumentation ist jeder Fund wertlos.»

Ein zweischneidiges Schwert ist dabei das kantonale Fundstelleninventar . Die öffentlich einsehbaren archäologischen Fundstellen können auch als Schatzkarte für illegales Suchen dienen. Das untersuchte Gebiet sieht dort wie folgt aus:

Screenshot: geoportal.lu.ch

Screenshot: geoportal.lu.ch

Leiterin des kantonalen Fundstelleninventars ist Jasmin Gerig: «Wir sind uns dieses Problems bewusst. Für uns überwiegen aber die Vorteile, schaffen wir mit diesem Instrument doch Rechts- und Planungssicherheit.» Das Inventar sei ein Frühwarnsystem, um allfällige archäologische Massnahmen frühzeitig planen und ausführen zu können. So sollen Bauverzögerungen reduziert oder ganz vermieden werden. «Da wir aber die nötigen Ressourcen nicht haben um dem massiven Baudruck standzuhalten, zerstören die auffahrenden Bagger täglich sehr viel mehr, als wenn Sondengänger illegal in Fundstellen herumwüten.»

Zurück zu den illegalen Schatzsuchern: Nachdem verschiedene Gemeinden auf die Kantonsarchäologie zukamen, will man nun die Bevölkerung besser sensibilisieren. Etwa mit einem Flyer, der auf der Webseite aufgeschaltet ist. Dass die aufwendbaren Mittel der Kantonsarchäologie beschränkt sind, ist bekannt. So würde man auch gerne mehr legale Sucher ausbilden und einsetzen, als das gute halbe Dutzend, das aktuell unterhalten wird. Doch dafür fehlen Geld und Mittel. Gerig:

«Die Nachfrage seitens der freiwilligen Helfer wäre aber da und wir hoffen, diese Ressourcen künftig gezielter einsetzen zu können.»

Auch Romano Agola startete seine Karriere übrigens als illegaler Schatzsucher – ohne dass er es sich bewusst gewesen wäre. Mit 18 Jahren begann er mit der Suche nach historischen Artefakten. «Ein bisschen Indiana Jones ist immer dabei», sagt er. Der Schönste Fund sei auch heute noch ein überraschender. Seine erste römische Münze entdeckte Agola nach sechs Jahren Suche. Damit begab er sich schnurstracks nach Bern, um seinen wertvollen Fund zu melden. Obwohl er die notwendigen Angaben über den Fund machen konnte, erntete er anstelle wissenschaftlichen Ruhmes mehr Ärger und ein Verbot für weitere Einsätze. «Damals gab es kein Gesetz für die private Suche mit dem Metalldetektor.» Der Kanton Bern war für den jungen Indiana Jones dann für eine Weile Tabu.

Auch das Ausweichen in einen anderen Kanton brachte ihm kein Glück. Eine Polizeikontrolle und eine Geldbusse wegen Plünderei beendeten auch dort seine Leidenschaft. Erst in den Neunzigerjahren, als Agola mit seinem Metalldetektor einen keltischen Münzstempel fand, wurde seine Suche – Prospektion, wie das im Fachjargon genannt wird – von einigen Archäologen anerkannt.

Erst mit der Zeit und weiteren überraschenden Funden erhielt er erste Aufträge und Prospektionsbewilligungen einiger Kantonsarchäologen. Heute werde er von vielen kantonalen Stellen angerufen, die froh sind um seine Fachkenntnisse und seinen Einsatz. «Aber es hat Geduld und Willen gebraucht.»

Münze mit dem Antlitz des unbekannten Kaisers

Während Romano Agola über das Feld schreitet, fortwährend seinen Detektor wie einen Staubsauger vor sich her führend, ertönen immer wieder unterschiedliche Piepser. «Das ist ein schöner Klang», sagt Agola plötzlich und setzt zum Spatenstich an. Dieses Mal hat er Glück: Eine römische Bronzemünze kommt zum Vorschein, mit dem Kopf eines nicht mehr erkennbaren Kaisers.

Agola legt die Münze wieder auf die Fundstelle, daneben einen Meterstab zum Grössenvergleich. Er fotografiert das Stück mit dem Handy.

«Der Fund, dessen Lage wie auch die genauen Koordinaten sind so hinterlegt.» Dann landet der Fund von einem Plastiksäcklein geschützt in der Bauchtasche, um ihn später gemeinsam mit einigen Kantonsmünzen aus dem 18. Jahrhundert und einer Gürtelschnalle der Kantonsarchäologie zu übergeben.

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