AUFFAHRTSUMRITT IN GROSSWANGEN: 1500 pilgern mit dem Bischof

Der Auffahrtsumritt von Grosswangen ist der längste des Kantons. Die Tradition ist ein Luzerner Unikat und nichts für Langschläfer. Das musste auch Bischof Felix Gmür erkennen.

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Hoch zu Ross am Feiertag: Die Prozession um Grosswangen war unübersehbar. (Bild: Roger Grütter (Grosswangen, 25. Mai 2017))

Hoch zu Ross am Feiertag: Die Prozession um Grosswangen war unübersehbar. (Bild: Roger Grütter (Grosswangen, 25. Mai 2017))

Monika van de Giessen
kanton@luzernerzeitung.ch

«Kommt näher, vom Bischof braucht man keine Angst zu haben, zumindest nicht von unserem», ermunterte der Pfarreileiter von Grosswangen, Benedikt M. Hänggi, gestern die zahlreichen Festgottesdienstbesucher bei der Kapelle in Stettenbach.

Der Auffahrtsumritt von Grosswangen ist der längste des Kantons. Die Tradition ist ein Luzerner Unikat und nichts für Langschläfer. (Bild: Roger Grütter (LZ))
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Das musste auch Bischof Felix Gmür erkennen. Bereits um 2 Uhr nachts musste er aus den Federn, wie er unserer Zeitung verriet. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Hoch zu Ross hielt Bischof Gmür in Stettenbach eine gehaltvolle Predigt. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Auffahrtsumritte im Kanton Luzern sind Grenzgänge, wobei die Grenze der Pfarrei abgelaufen oder abgeritten wird. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Umrittprozessionen haben sich in der Schweiz nur im Kanton Luzern erhalten: In Beromünster, Sempach, Hitzkirch, Ettiswil, Altishofen und Grosswangen. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Um 05.15 Uhr starteten rund 150 Reiter und gegen 1500 Pilger zu Fuss zum 24,8 Kilometer langen Umritt – dem längsten des Kantons, der über den Leidenberg, Oberroth, Rüezlingen, Stettenbach via Wüschiswil und Bruwald zurück nach Grosswangen führte. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Für Ungeübte ist das stundenlange Reiten oft mit Schmerzen verbunden. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Nach rund sechs Stunden auf dem Rücken des Pferdes wollten wir vom Bischof wissen, wie es um sein Wohlbefinden stehe und ob er Reitstunden genommen habe. «Mir gehts gut, nichts tut weh und Reitstunden habe ich auch keine genommen, denn für das habe ich gar keine Zeit», sagte ein gut gelaunter Bischof. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Auch der Tross aus 1500 Fussgängern lässt sich nichts anmerken. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Bischof Felix Gmür und der Pfarreileiter von Grosswangen Benedikt M. Hänggi-Bertazzi während des Gottesdiesntes vor der Kapelle Oberroth. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Hänggi verspricht, im nächsten Jahr wiederzukommen. Der Pfarreileiter wird nämlich nach sechs Jahren die Pfarrei Grosswangen im Sommer Richtung Basel verlassen. (Bild: Roger Grütter (LZ))
rogergruetter.com (Bild: Roger Grütter (LZ))

Der Auffahrtsumritt von Grosswangen ist der längste des Kantons. Die Tradition ist ein Luzerner Unikat und nichts für Langschläfer. (Bild: Roger Grütter (LZ))

Wer die Auffahrtsumritte aus eigener Erfahrung kennt, der spricht von eindrücklichen Erlebnissen. Allerdings: Die «Uffert» ist nichts für Langschläfer. Auch Bischof Felix Gmür musste bereits um 2 Uhr nachts aus den Federn, wie er unserer Zeitung verriet. Hoch zu Ross hielt Bischof Gmür in Stettenbach eine gehaltvolle Predigt. «Auffahrtsumritte machen wir nicht, weil es schön und lustig ist, sondern weil wir Wald, Wiesen, Höfe und Menschen segnen wollen.» 

Auffahrtsumritte im Kanton Luzern sind Grenzgänge, wobei die Grenze der Pfarrei abgelaufen oder abgeritten wird. Umrittprozessionen haben sich in der Schweiz nur im Kanton Luzern erhalten: in Beromünster, Sempach, Hitzkirch, Ettiswil, Altishofen und Grosswangen. Um 5.15 Uhr starteten gestern rund 150 Reiter und gegen 1500 Pilger zu Fuss zum 24,8 Kilometer langen Umritt – dem längsten des Kantons, der über den Leidenberg, Oberroth, Rüezlingen, Stettenbach via Wüschiswil und Bruwald zurück nach Grosswangen führte. 

Reiterfahrung ist keine Bedingung 

Für Ungeübte ist das stundenlange Reiten oft mit Schmerzen verbunden. Nach rund 6 Stunden auf dem Rücken des Pferdes wollten wir vom Bischof wissen, wie es um sein Wohlbefinden stehe und ob er Reitstunden genommen habe. «Mir geht’s gut, nichts tut weh, und Reitstunden habe ich auch keine genommen, denn für das habe ich gar keine Zeit», sagte ein gut gelaunter Bischof. Pfarreileiter Benedikt M. Hänggi indes gab zu verstehen, dass die Anstellung eines Pfarrers in Grosswangen nicht mit der Bedingung verknüpft sei, reiten zu können. «Von Vorteil ist es allemal», so Hänggi. Dieser verspricht, im nächsten Jahr wiederzukommen. Der Pfarreileiter wird nämlich nach sechs Jahren die Pfarrei Grosswangen im Sommer Richtung Basel verlassen. 

«Alle haben das gleiche Ziel»

Unter den 1500 «Fussgängern» ist Erwin Erni aus Grosswangen. Dieser ist zum zweiten Mal dabei. Ihn fasziniert vor allem die ganze Atmosphäre eines Umritts und das Miteinander-auf-dem-Weg-Sein. Das Schöne an einem Umritt sei, man könne diskutieren oder schweigen. Dieser Meinung ist auch Hanny Bucher aus Buttisholz. Sie wandert gerne in Gesellschaft. Ihr gefällt die Zusammengehörigkeit bei einem Umritt. «Alle haben das gleiche Ziel», sagt Bucher. 

Als Jodlerin beim Jodeldoppelquartett Bärgblüemli Littau versteht es sich von selbst, dass Bucher Traditionen liebt. Wie oft besinge man doch in einem Jodellied die Natur, so wie man sie gestern bei schönstem Wetter erlebt habe. Sie beschreibt den Start in der Dämmerung als besonders eindrücklich. «Lieber steige ich etwas früher aus dem Umritt aus, als den Start zu verpassen.» 
Bei einem Umritt gibt’s immer solche, die nur einen Teil des Umritts mitmachen. Den ganzen Weg begleitet wurde die Prozession durch 16 Musiker der Umrittsmusik der Feldmusik Grosswangen. Ob die Musiker auch alle reiten können, wollten wir von Pirmin Kappeler wissen. Dieser lacht und sagt: «Wir sind Musikanten. Beantwortet das Ihre Frage?» Einen grossen Anteil, dass das Pferd während des Musizierens nicht scheue, habe Pferdeführerin Esther Meier aus Buttisholz. «Wir sind nach zehn Jahren inzwischen ein eingespieltes Team», erklärt Tubist Kappeler. Mit dem Einzug in Grosswangen gegen 15 Uhr ging der eindrückliche Auffahrtsumritt mit dem Erteilen des Segens zu Ende.