Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

AUFKLÄRUNG: Junge kaufen illegal Waffen

Tausende Besucher strömen an die Waffenmesse auf der Luzerner Allmend. Dort hat auch die Polizei einen Stand. Unter anderem informiert sie über einen wenig bekannten Waffenmissbrauch.
Gabriela Jordan
Täuschend echt: Links eine richtige Waffe, rechts ein Imitat. Zu sehen am Stand der Luzerner Polizei. (Bild: Gabriela Jordan (Luzern, 24. März 2017))

Täuschend echt: Links eine richtige Waffe, rechts ein Imitat. Zu sehen am Stand der Luzerner Polizei. (Bild: Gabriela Jordan (Luzern, 24. März 2017))

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Männer, wohin man schaut. Gedrängt tummeln sie sich an der Waffen-Sammlerbörse in der Messe Allmend von Stand zu Stand und beäugen fasziniert die Produkte verschiedener Aussteller: Pistolen, Revolver, Seriefeuerwaffen, handgemachte Messer, Dolche und Jagdgewehre. Nebst dem gibt es auch antike Schwerter und Rüstungen, Pfeilbogen, Bücher über Kriege und Schlachten, Felle von Rentieren und Elchen, Lederwaren wie Gürtel, sowie Jagdkleider und Zigarren.

Der Besucheransturm auf die Waffenmesse war, schon kurz nachdem sie gestern Morgen ihre Tore öffnete, immens. Sie dauert drei Tage und zieht jeweils Leute aus der ganzen Schweiz an. Letztes Jahr lag die Besucherzahl laut den Messeorganisatoren bei rund 10 000. Dieses Jahr sind 110 Aussteller anwesend, darunter auch solche aus den USA, Pakistan und aus den Nachbarländern Frankreich, Deutschland und Italien.

Doch nicht bloss Waffenhändler haben einen Stand in den Messehallen – auch die Luzerner Polizei ist vertreten. Interessierte können dort direkt ein Gesuch für einen Waffenschein stellen, allerdings nur, sofern sie schon einmal im Besitz eines solchen waren. Erstgesuche würden einer genaueren Prüfung unterzogen, erklärt vor Ort Josef Rust vom Fachbereich für Waffen und Sprengstoff. Hegt die Polizei über einen Gesuchsteller Zweifel, kommt es laut Rust auch vor, dass dieser vorgeladen wird. Auffällig ist, dass die Gesuche in den letzten Jahren stark angestiegen sind: Gingen laut Rust bis 2009 im Schnitt jährlich 500 ein, waren es im letzten Jahr 1600. «Wir spüren, dass die Bevölkerung allgemein verunsichert ist wegen der aktuellen Lage.»

Imitate sind bei Behörden nicht gemeldet

Das Ziel der Luzerner Polizei ist freilich nicht, möglichst viele Bewilligungen an den Mann zu bringen. An der Waffenmesse will sie vielmehr über ein anderes Problem aufklären, das sich in den letzten Jahren verschärft hat: Der illegale Erwerb sogenannter Soft-Air-Waffen. Josef Rust erklärt: «Soft-Air-Waffen sind keine Feuerwaffen, die jemanden töten könnten, sondern Druckluft- oder CO2-Waffen. Sie sind für Zivilisten oder uns Polizisten aber genauso bedrohlich, weil sie von den normalen Feuerwaffen sehr schlecht zu unterscheiden sind.»

Das Problem sei, dass vor allem Jugendliche, die von Alters wegen noch keine Feuerwaffen erwerben dürfen, solche Soft-Air-Waffen im Internet bestellen. Denn um diese erwerben zu können, reicht ein Vertrag zwischen Käufer und Verkäufer aus, meldepflichtig bei den Behörden sind sie nicht. Was viele dieser Jugendlichen aber nicht wissen: Auch für Soft-Air-Waffen muss man waffenbesitzberechtigt und folglich volljährig sein. Ist das nicht der Fall, machen sie sich strafbar. «Ein Strafregistereintrag wegen eines Verstosses gegen das schweizerische Waffengesetz ist verheerend und hat schon manchen die Zukunft verbaut – zum Beispiel, wenn jemand auf der Suche nach einer Lehrstelle ist», so Rust. Strafbar mache man sich schon ab dem Moment, wenn man online auf die «Kaufen»-Taste klicke. Das Paket, häufig aus dem Ausland stammend, wird am Zoll als Waffenlieferung erkannt und von den Beamten abgefangen.

Ein Fall pro Monat

Laut Rust wird diese Straftat grösstenteils von Jugendlichen begangen. Die Luzerner Polizei habe rund einmal pro Monat mit solchen Fällen zu tun. Situationen, in denen falsche Waffen auch verwendet werden, sind etwa Raubüberfälle. Denn die Imitate sehen echt aus und schrecken Opfer genauso ab wie Feuerwaffen. Den Unterschied zwischen einer echten und einer Soft-Air-Waffe sieht selbst das geschulte Auge kaum. Sichtbar wird dieser etwa am Lauf. Im Gegensatz zur Pistole schiesst eine Soft-Air-Waffe kleine Kugeln ab.

Stark präsent ist an der Waffenmesse noch ein anderes Thema: Das verschäfte EU-Waffenrecht. Es sieht etwa vor, dass nur Personen eine Waffe erwerben dürfen, die einem Verein angehören, oder dass gewisse Magazine auf zehn Schuss limitiert werden. Als Schengen-Mitglied soll die Schweiz die Richtlinien übernehmen. Viele Händler sehen dadurch ihr Geschäft gefährdet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.