AUFKLÄRUNG: Sexualkunde schon im Kindergarten gefordert

Müssen Kindergärtnerinnen demnächst den Mädchen und Buben erklären, woher die Babys kommen? Genau, meint der Experte – mit interessanter Begründung.

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«So etwa musst du dir das auch bei den Bienen und Blumen vorstellen.» (Karikatur Jals/Neue LZ)

«So etwa musst du dir das auch bei den Bienen und Blumen vorstellen.» (Karikatur Jals/Neue LZ)

«Kinder sind von Geburt an sexuelle Wesen, deshalb ist Sexualerziehung für ihre Entwicklung wichtig», sagt Titus Bürgisser, Leiter Sexualpädagogik und Schule an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz PHZ in Luzern. Sein Ziel ist, Sexualerziehung bereits in Kindergärten einzuführen. «Buben und Mädchen beschäftigen sich mit Sexualität. Es tauchen Fragen auf über die verschiedenen Geschlechter und dergleichen», sagt er. Bürgisser will, dass alle Kinder die Chance haben, über Sexualität zu reden und kompetente, altersgerechte Informationen zu erhalten. «Wenn Eltern auf das Thema nicht eingehen, dann sollen Kinder mit der Lehrperson sprechen können.»

Eltern wollen selber aufklären
Die PHZ hat vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) den Auftrag, Sexualpädagogik in Schulen zu fördern. Zusammen mit Experten erarbeitet Bürgisser die Deutschschweizer Lehrpläne. Diese werden momentan für die ganze Schweiz im Zusammenhang mit dem Harmos-Konkordat neu konzipiert. Neben der Sexualerziehung für alle Schulen inklusive Kindergärten soll auch die Ausbildung von Lehrpersonen in Sexualpädagogik verankert werden.

Lisa Guggenbühl, stellvertretende Leiterin der Sektion Aids beim BAG dazu: «Es ist wichtig, dass ein Grundwissen über Sexualität in allen Schulen sichergestellt ist.» Das sei insbesondere für die HIV-Prävention wichtig. Für Kindergartenkinder brauche es zwar noch keine Aids-Prävention, aber Sexualität sei auch unter Kindern ein Thema und müsse angesprochen werden können.

Übergriffen vorbeugen
PHZ-Experte Titus Bürgisser ist überzeugt, dass Sexualunterricht hilft, sexuellem Missbrauch vorzubeugen: «Kinder lernen so früh, dass ihr Körper ihnen gehört und dass nur sie entscheiden, welche Berührungen sie mögen und welche nicht.»

Der Luzerner Bildungsdirektor Anton Schwingruber sieht keinen Sinn, Fünfjährige Sexualunterricht zu erteilen. «Es ist nicht die primäre Aufgabe des Kindergartens, die Kinder aufzuklären», sagt er. Die Eltern dürften diese Verantwortung nicht einfach abgeben, fordert Schwingruber.

Roger Rüegger

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Luzerner Zeitung.