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AUFWAND: Warum wird die Salle Modulable so teuer?

Im Betrieb wird die Salle Modu­lable jährlich 7 Millionen Franken mehr kosten als das heutige Luzerner Theater. Offen ist, ob sich mit ihr auch mehr Einnahmen erwirtschaften lassen.
Hugo Bischof
Die Salle Modulable soll auf dem Inseli gebaut werden. (Bild: Visualisierung PD)

Die Salle Modulable soll auf dem Inseli gebaut werden. (Bild: Visualisierung PD)

Hugo Bischof

Wo das flexible neue Theater, die Salle Modulabe, in Luzern stehen soll, steht nun fest: Am Südende des Inselis. Das gaben Kanton und Stadt Luzern vergangene Woche bekannt (Ausgabe vom 6. April). 161,2 Millionen betragen die Baukosten. Dazu kommen 20 Millionen geschätzter Baurechtswert für das der Stadt gehörende Grundstück plus weitere gut 25 Millionen für die Inselipark-Aufwertung und weitere Theaterinfrastruktur bis hin zu Zusatzräumen im Südpol und in der Theaterwerkstatt.

Die räumlichen Vorgaben, die zur 161,2 Millionen-Franken-Bausumme führen (die Hälfte davon mit den aus der Schenkung Engelhorn verbliebenen 80 Millionen Franken finanziert), sind «fix und unverhandelbar». Das wurde vergangene Woche klar betont, auch vom kantonalen Regierungspräsidenten Reto Wyss. Sparpotenzial sieht er aber bei den übrigen Kosten, auch bei den Betriebskosten für die Salle, die das heutige Luzerner Theater ersetzen soll.

Jährlich 31 Millionen Franken soll der Betrieb und Unterhalt des neuen Gebäudes kosten – eine stolze Zahl. Darin inbegriffen sind gemäss Zweckverband Grosse Kulturbetriebe Kanton Luzern jährlich 5,5 Millionen Franken für den langjährigen Unterhalt der Gebäudeinfrastruktur. Zum Vergleich: Das heutige Luzerner Theater kostet die öffentliche Hand laut Zweckverband jährlich rund 24 Millionen (wovon der Kanton 70, die Stadt 30 Prozent bezahlen). Auch hier sind Kosten für den langjährigen Gebäudewerterhalt inbegriffen.

5,2 Millionen Franken fürs Personal

Doch wie setzen sich die jährlich 31 Millionen Franken für die Salle Modulable genau zusammen? Detaillierte Antworten dazu gabs an der Pressekonferenz keine. Klar ist, dass zwischen reinen Betriebskosten (8,8 Millionen Franken) und künstlerischen Kosten unterschieden wird. Wer Genaueres dazu erfahren will, muss sich in die 220-seitige Machbarkeits-(«Feasibility»-)Studie der US-Firma Arup vertiefen, die auf der Website der Stiftung Salle Modulable aufgeschaltet ist – auf Englisch.

Von den 8,8 Millionen Franken Betriebskosten sind demnach 5,2 Millionen Personalkosten. Von 49 festen Arbeitsplätzen ist in der Arup-Studie die Rede; das betrifft allerdings ausschliesslich Verwaltung und Technik, ohne künstlerisches Personal. Bei den restlichen 3,6 Millionen Franken handelt es sich um Unterhaltskosten etwa für Wasser und Strom, administrative Kosten (Versicherungen, Büromaterial und so weiter) sowie Kosten für Marketing, Werbung, Kommunikation.

16,7 Millionen für die Kunst

Von den gesamthaft 31 Millionen für die Salle Modulable stehen somit nach Abzug der 8,8 Millionen Betriebskosten und 5,5 Millionen Rücklage zum Gebäudewerterhalt jährlich 16,7 Millionen für die künstlerische Produktion zur Verfügung. Neben Eigenproduktionen des Luzerner Theaters sollen damit auch Gastspiele finanziert werden.

Pikant ist: Die Arup-Studie beziffert die Jahreseinlage in den Fonds zum Gebäudewerterhalt auf 3 Millionen Franken – gegenüber den 5,5 Millionen, die dafür der kantonale Zweckverband Grosse Kulturbetriebe ausweist. Da stellt sich die Frage: Sind die Zahlen sakrosankt? Oder gibts noch Reduktionspotenzial? Offizielle Stellungnahmen dazu gibt es noch keine.

Auf Sparpotenzial angesprochen, sagt Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable: «Wir werden mit dem Zweckverband und den weiteren Beteiligten weiter eng am Projekt arbeiten und diese im Rahmen der Vereinbarung zwischen Stiftung und Trust und im Sinn der Vision des Mäzens Christof Engelhorn unterstützen.» Ähnlich tönt es bei Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin der Stiftung Luzerner Theater: «Wir werden den Finanzierungsbedarf für den reinen Betrieb und Unterhalt des Gebäudes ohne künstlerische Produktionen mit allen Stakeholdern, der Stiftung Salle Modulable und dem Zweckverband Grosse Kulturbetriebe Luzern in den nächsten Monaten genau prüfen und das geeignete Betriebsmodell festlegen.»

Gemäss Aufterbeck Sieber sollen auch die künstlerischen Betriebskosten «im deutlich grösseren Haus geprüft werden». Sie sollen «grossmehrheitlich aus dem bestehenden Haus fortgeschrieben werden». In der Spielzeit 2014/15 betrugen die Löhne der fest angestellten Künstler im Luzerner Theater 5,1 Millionen, jene der Gastkünstler 1,6 Millionen Franken. Dazu kamen rund 4,4 Millionen Franken für das Luzerner Sinfonie­orchester. Der gesamte Personalaufwand betrug rund 20,3 Millionen Franken.

Für Sponsoren interessanter

Kostensenkungen sind das eine. Auf der anderen Seite steht die Frage, ob sich auch auf der Einnahmenseite etwas bewirken lässt. Knapp 500 Sitzplätze hat das heutige Luzerner Theater. In der Salle wird die durchschnittliche Sitzplatzkapazität deutlich höher sein: Allein bei deren grossen Bühne geht man von rund 675 Plätzen aus. Es ist logisch, dass sich hier bei attraktiver Programmgestaltung mehr Ticketeinnahmen generieren lassen. Die Salle Modulable soll zudem als «Weltklasse-Haus» auch für Sponsoren spannender werden. Entsprechend erhoffen sich die Planer neben zusätzlichen Ticketeinnahmen auch höhere Sponsoringeinnahmen. Schätzungen dazu will derzeit aber noch niemand auf den Tisch legen. «Selbstverständlich setzt sich das Luzerner Theater mit einer zeitgemässen Infrastruktur auch höhere Ziele. Dazu braucht es neben einem attraktiven Programm vor allem hohen Komfort für unsere Besucher, bessere Sichtverhältnisse, angemessene Nebenräume für Empfänge und Sponsorenanlässe», sagt Aufterbeck Sieber.

HINWEIS

ÖffentlicheInfo-Veranstaltungen zur Salle Modulable im Südpol Kriens: Heute, 17.30 Uhr, sowie Donnerstag, 14. April, 19 Uhr. Referenten: Regierungspräsident Reto Wyss, Stadträtin Ursula Stämmer und Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable, und Vertreter der Machbarkeits- und Standortstudien.

Das heutige Luzerner Theater. (Bild Nadia Schärli)

Das heutige Luzerner Theater. (Bild Nadia Schärli)

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