Aus dem lädierten Grämlishof ist ein richtiges Schmuckstück geworden

Nach über einem Jahr Renovation ist das Bauernhaus auf dem Horwer Grämlishof bezugsbereit für die Pächterfamilie. Die Eigentümerin, eine Stiftung, zeigt auf einem Rundgang das Resultat – und äussert sich erstmals zur Hofübernahme.

Roman Hodel
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Macht von aussen wieder was her: Das Bauernhaus auf dem Grämlishof. (Bilder: Pius Amrein, Horw 5. September 2019)

Macht von aussen wieder was her: Das Bauernhaus auf dem Grämlishof. (Bilder: Pius Amrein, Horw 5. September 2019)

Alt und neu im Kontrast – das zieht sich wie ein roter Faden durch das renovierte Bauernhaus auf dem Horwer Grämlishof. Das sieht man schon von aussen: Die Fassaden des über 300-jährigen Gebäudes bestehen grösstenteils immer noch aus den ursprünglichen, von der Witterung längst dunklen Eichenbalken. Aus demselben Holz, aber ganz hell hingegen zeigt sich die neue Aussentreppe. Oder dann die Ziegel: Auf den Klebdächern über den Fensterreihen sind noch die alten vorhanden, das Dach hingegen ist komplett neu eingedeckt.

«Dies ist gewollt – man darf den Unterschied zwischen alt und neu ruhig noch sehen», sagt Walter Unternährer auf einem Rundgang durch das Haus. Er ist Präsident der Stiftung zur Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe. Sie hat den Grämlishof von der Gemeinde im Baurecht übernommen und ihn an die Horwer Bauernfamilie Forster verpachtet (wir berichteten). Diese bewirtschaftet zwar das Land seit April 2018, doch im Bauernhaus wohnen konnte sie bisher nicht. Es musste zuerst saniert werden.

Die Stiftung hat dafür die auf Holzbauten spezialisierte Ruswiler Firma Haupt AG beauftragt und rund 1,5 Millionen Franken ausgegeben. Das klingt nach viel Geld, doch Unternährer betont: «Wir sind sparsam vorgegangen, aber mit soliden Materialien.» So stamme das Holz selbstverständlich aus der Region, konkret aus dem Entlebuch.

Nötig war die Sanierung. Denn die vorherigen Pächter lebten in einem dunklen und schlecht isolierten Gebäude, der Komfort war bescheiden. Damit ist nun Schluss. Weil das Haus von der kantonalen Denkmalpflege als schützenswert eingestuft wird – es handelt sich um ein barockes Bauernhaus «mit erheblicher historischer Substanz» – musste die Isolation allerdings inwendig angebracht werden. Dadurch sind die ohnehin schon niedrigen Räume auch flächenmässig etwas kleiner geraten. Doch die Innengestaltung macht das wett. Hier gilt ebenfalls: Alt und neu im Kontrast. Das bedeutet etwa weiss gegipste Wände im Mix mit freigelegten, dunklen Holzbalken. Und: Dank zusätzlichen Fenstern, unter anderem in den Türen, ist es schön hell.

Bei der Renovation wurden zudem diverse Details erhalten: Etwa eine historische Holz-Zimmertüre im ersten Obergeschoss oder das Buffet und der Kachelofen im Wohnzimmer. Letzteren kann, aber muss die neue Pächterfamilie nicht mehr einheizen – für Wärme sorgt nun eine Erdsondenheizung.

Eine Besonderheit ist ferner die Essküche. Deren Kombination mit ihren Anthrazit-farbenen Schränken und den Chromstahlarbeitsflächen könnte ebenso gut in einer Designer-Wohnung stehen.

Stiftungs-Geschäftsführer Jakob Vogler (links) und Stiftungsratspräsident Walter Unternährer in der Küche der Bauernfamilie.

Stiftungs-Geschäftsführer Jakob Vogler (links) und Stiftungsratspräsident Walter Unternährer in der Küche der Bauernfamilie.

Gegenüber deutet eine riesige u-förmige Eckbank daraufhin, dass hier eine sechsköpfige Familie wohnt. Vor allem aber lassen die für ein altes Bauernhaus unüblich grosszügigen Fenster viel Licht hinein.

Familie Forster, die am Montag mit dem Einzug beginnt, wird aber nicht das ganze Haus bewohnen. Im zweiten Obergeschoss und unter dem Dachgiebel befindet sich eine loftartige Wohnung mit zwei Räumen...

...und einem hübschen Balkon:

Wer hier einzieht, ist offen – und auch den Preis hat die Stiftung noch nicht festgelegt. Laut Jakob Vogler, Geschäftsführer der Stiftung, müssen die künftigen Mieter einfach auf den Grämlishof passen und «mit dem Takt der Bauernfamilie klarkommen».

Als nächsten Schritt plant die Stiftung «baldmöglichst» die Erneuerung der Scheune, die knapp hundert Meter vom Bauernhaus entfernt steht. Bislang handelte es sich um einen Anbindestall. Künftig ist ein Laufstall vorgesehen, geeignet für behornte Kühe. Zudem verspricht Vogler mehr Biodiversitätsflächen auf dem Grämlishof. Kurz: Alles ganz im Sinne der Bio-Knospe.

Die verschwiegene Retterin in Not

Wegen des ursprünglich gemeindeeigenen Grämlishofs gingen die Wogen vor zwei Jahren hoch in Horw. Als die langjährige Pächterfamilie Heer den Vertrag altershalber gekündigt hatte, plante der Gemeinderat die Aufteilung des Landes. Dies nicht zuletzt aus finanziellen Gründen – die Gemeinde wollte die nötige Sanierung der Gebäude nicht tragen.

Dagegen regte sich massiver Widerstand – sowohl im Einwohnerrat als auch in der Bevölkerung. So wurde etwa eine Petition lanciert. Und sogar ehemalige Gemeinderäte schalteten sich ein. Das rief Walter Unternährer, Präsident der Stiftung zur Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe, auf den Plan. Er ist der Vater von Ueli-Hof-Betreiber Ueli Unternährer, gilt als Pionier der Mutterkuhhaltung und in Horw bekannt. «Die geplante Aufsplittung des Grämlishofs hätte dessen Auflösung bedeutet – das wollten wir verhindern», sagt Unternährer. Und so schlug die Stiftung dem Gemeinderat die Übernahme im Baurecht vor. Man einigte sich auf vorerst 50 Jahre bei einem jährlichen Zins von etwas mehr als 20'000 Franken. Geschäftsführer Jakob Vogler sieht Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Betriebes, so dass die Existenz des Grämlishofes langfristig gesichert sei. Hauptbetriebszweig wird weiterhin die Milchviehhaltung mit der Nutzung des Grünlandes als Viehfutter sein.

Bis zu 70 Anfragen pro Jahr

Dass die Stiftung mit Sitz in Luzern einen Bauernhof übernimmt, ist ein Novum in ihrer 34-jährigen Geschichte. Hauptsächlich unterstützt sie Bauern mit zinslosen Darlehen – pro Jahr gehen bis zu 70 Anfragen ein. «Wir haben schon Hunderte Betriebe unterstützt», sagt Jakob Vogler. «Aber unsere Kriterien sind streng – längst nicht allen können wir zusagen.» Und über die gesprochenen Beträge redet man ohnehin nicht. Überhaupt gilt die Stiftung als verschwiegen. Zu deren Gründern gehört eine Familie, die die Öffentlichkeit nicht sucht und lieber einen Teil ihres Vermögens für ihre Anliegen wie den Erhalt und die Weiterentwicklung von familiären Biobetrieben einsetzt. (hor)

HORW: Hof-Aufteilung soll Gewinn bringen

Viele Horwer kritisieren die Absicht des Gemeinderats, das Land des Grämlishofs zu zerstückeln. Nun ist klar: Hinter dem Vorhaben stecken auch finanzielle Überlegungen.
Beatrice Vogel