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Aus für das Beachvolleyball-Turnier in Luzern: Das tragische Ende eines Sportenthusiasten

Die Organisatorin des internationalen Beachvolleyball-Turniers wird untergehen. Mit dem Turnier ist es somit vorbei. Pikant: Der CEO, Marcel Bourquin, hat wirtschaftlich schweren Schaden genommen.
Thomas Heer
Vergangenes Jahr fand, trotz finanzieller Unsicherheiten, ein Turnier auf der Luzerner Lidowiese statt – vorläufig wohl zum letzten Mal. Bild: Pius Amrein (Luzern, 11. Mai 2018)

Vergangenes Jahr fand, trotz finanzieller Unsicherheiten, ein Turnier auf der Luzerner Lidowiese statt – vorläufig wohl zum letzten Mal. Bild: Pius Amrein (Luzern, 11. Mai 2018)

Ein sichtlich geknickter Marcel Bourquin sitzt an einem Tisch in den Privaträumen seines Anwalts, Jörg E. Wilhelm. Wilhelm, der sowohl doktorierte als auch promovierte, unterstützt und berät seinen Freund Marcel in einer schweren Zeit. Der Rechtsexperte tut dies für Gotteslohn. Denn Bourquin steht wirtschaftlich vor einem Scherbenhaufen. Er hat als CEO der Beach Sports Lucerne AG sehr viel riskiert und nun fast alles verloren. Bourquin spricht von rund 750 000 Franken, die er als Privatperson in den Event – das internationale Beachvolleyball-Turnier von Luzern – während der vergangenen Jahre investiert habe.

Was lief da schief? Am 8. April des vergangenen Jahres titelte diese Zeitung Folgendes: «Arabischer Investor rettet Luzerner Turnier». Im Artikel wurde die damalige Präsidentin der Beach Sports Lucerne AG – das ist die Organisatorin des Turniers – zitiert. Die von der Präsidentin Ruth Linder damals autorisierte Aussage lautete: «Wir haben einen Investor gefunden, der dieses Geld in die Gesellschaft einbringen wird. Damit ist die Durchführung des Beachvolleyball-Turniers gesichert.»

Ein Vertrag, der misstrauisch macht

Diese Mittel sind aber bis heute nicht auf dem Konto der Beach Sports Lucerne AG eingetroffen. Es geht um einen Betrag in der Höhe von 2,5 Millionen Franken. Beim angeblichen Investor handelt es sich offenbar um die Al Safar Group aus Bahrain. Am 13. Februar 2018 wurde ein vierseitiges Dokument unterzeichnet, das überschrieben ist mit: «Loan Investment Aggreement». Neben dem orthografischen Fehler bereits in der Titelzeile macht das Papier, welches dieser Zeitung vorliegt, auch sonst einen durchwachsenen Eindruck. Es scheint zwar so, als ob das Schriftstück auf offiziellem Al Safar Group-Papier verfasst worden sei. Zweifel kommen jedoch auf: Eine genaue Adresse dieser Gesellschaft ist auf dem Dokument weit und breit nicht auszumachen. Unterzeichnet wurde der Vertrag von folgenden vier Personen: Abdel Bin Al-Safar, Ruth Linder, Marcel Bourquin und Kathrin Kasper. Über Kathrin Kasper hat diese Zeitung bereits zweimal berichtet. Sie, die im nordrhein-westfälischen Dülmen die Kasper Consulting UG führt, gab vor, das Geld aus dem Mittleren Osten nach Luzern zu lotsen. Kasper gab sich als Vermittlerin aus. Und so vereinbarte die studierte Logistikerin mit der Beach Sports Lucerne AG am 14. Januar 2018 vertraglich unter anderem Folgendes: «Vor Auszahlung des Bruttoloans/Bruttokredits werden somit folgende Kosten in Rechnung gestellt bzw. in Abzug gebracht: Bearbeitungsgebühr zur Aktivierung Kasper Consulting 20 000 Euro, Due Dilligence Versicherung 43 590 Euro», usw. Wäre der Deal zwischen der Al Safar Group und der Beach Sports Lucerne AG zustande gekommen, hätten die Luzerner Organisatoren Kasper Consulting total 156 090 Euro überweisen müssen.

Keiner will Frau Kasper kennen

Der Clou am Ganzen: Gemäss Anwalt Jörg E. Wilhelm hat bei der Al Safar Group niemand Kenntnis von einer Kathrin Kasper. Wilhelm unterhält mit seinem Unternehmen unter anderem auch eine Filiale im Mittleren Osten. Der Anwalt sagt: «Diesen Sachverhalt liess ich vor Ort abklären.»

Die Zentralschweiz am Sonntag hätte gerne mit Kathrin Kasper über Wilhelms Aussage gesprochen. Das Telefonat fiel jedoch äusserst kurz aus: Sie kappte das Gespräch sofort, als sie realisierte, um wen es sich beim Anrufer handelt. Der Kontakt wurde auch zu Ruth Linder gesucht. Die ehemalige VR-Präsidentin war aber für diese Zeitung weder über Mail noch per Telefon erreichbar.

Was bleibt? Das internationale Beachvolleyball-Turnier von Luzern ist zumindest vorläufig – geschieht nicht noch ein Wunder – Geschichte. Viel dramatischer noch: Marcel Bourquin, ein Sportenthusiast, der die Szene mit viel persönlichem Engagement aufpeppen wollte, steht wirtschaftlich vor dem Abgrund.

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