Aus für zwei Lokalblätter: «Oberwiggertaler» und «Surentaler» werden eingestellt

Die Medienvielfalt auf der Luzerner Landschaft wird kleiner. Zwei Gratiszeitungen erscheinen am Donnerstag zum letzten Mal.

Hören
Drucken
Teilen

(jwe/avd/dlw) Die Zofinger ZT Medien AG zieht sich aus den beiden Luzerner Regionen Surental und Oberwiggertal aus wirtschaftlichen Gründen zurück – dies meldet der Verlag auf seiner Webseite. Die kostenlosen Wochenzeitungen «Oberwiggertaler» und «Surentaler» erscheinen am Donnerstag zum letzten Mal. «Trotz intensiver Bemühungen haben wir es nicht geschafft im Verbreitungsgebiet erfolgreich zu sein», lässt sich Unternehmensleiterin Sabine Galindo in der Mitteilung zitieren. Die Einstellung der beiden Zeitungen bringt einen Abbau von 4,2 Stellen mit sich. Die ZT Medien AG beschäftigen gesamthaft 230 Personen.

Printscreen Webseiten

Der «Surentaler» erschien in Triengen, Büron, Schlierbach, Knutwil, Geuensee, Sursee Schenkon, Eich, Mauensee, Oberkirch und Nottwil mit einer Gesamtauflage von 17'849 Exemplaren. Der «Oberwiggertaler» erschien in Wikon, Reiden, Pfaffnau, Roggliswil, Altbüron, Grossdietwil, Altishofen, Nebikon, Dagmersellen, Wauwil, Egolzwil, Schötz, Alberswil und Ettiswil mit einer Auflage von 15'918 Exemplaren.

Die Verteilgebiete:

2 Bilder

Gemeindepräsident ist seit 60 Jahren Leser

Bei Hans Kunz, CVP-Gemeindepräsident von Reiden, hält sich das Bedauern in Grenzen: «Publizistisch konnte der Oberwiggertaler kaum Akzente setzen. Entsprechend hatte er auf die Meinungsbildung in der Bevölkerung keinen grossen Einfluss. Dafür wurde das Vereinsleben in den Dörfern abgebildet.» Eigentlich bedaure er schon ein wenig, dass diese Gratiszeitung nicht mehr in alle Haushaltungen zugestellt wird. «Lokal-Nachrichten kommen nun weniger ‹unters Volk›.» Der 68-jährige Politiker habe die Zeitung 60 Jahre lang gelesen. Dass jetzt ein Blatt fehle, sei auch dem Zeitgeist geschuldet: «Es sind schon andere Lokalblätter eingegangen.»

Priska Galliker, CVP-Gemeindepräsidentin von Knutwil, nimmt die Nachricht ebenfalls sachlich auf: «Unsere Gemeinde liegt bezüglich Verbreitungsgebiet jeweils am Rande des ‹Surentaler› und der ‹Surseer Woche›. Letztere ist uns aber näher.»

Grösser ist das Bedauern beim Büroner Gemeindepräsidenten Jürg Schär. Die Einstellung sei «für das Surental sehr schade», sagt der CVP-Politker. Der «Surentaler» sei ein fester Bestandteil des Dorflebens gewesen. Schär hebt die detaillierten Berichte über Jugendsport, Ausflüge der Vereine oder sonstige Dorfanlässe hervor. Insbesondere für die Vereine sei die Einstellung der Gratiszeitung «ein grosser Verlust», so der Büroner Gemeindepräsident.

Über hunderjährige Tradition

Die ZT Medien AG hatte sich 2008 das Verlagsrecht für den «Oberwiggertaler» gesichert. Ein Jahr später folgte die Übernahme des «Trienger Anzeiger», welcher zum «Surentaler» wurde. Der «Trienger Anzeiger» wurde 1899 gegründet, der «Oberwiggertaler» im Jahr 1902. Den «Oberwiggertaler» abgetreten hatte die Druckerei Meyer in Reiden. Mitinhaber Marc Meyer äussert auf Anfrage unserer Zeitung sein Bedauern über das Ende der Zeitung: «Es ist sehr schade, zumal es zumindest von aussen betrachtet so schnell gegangen ist.» Wohl hätten sich die Zahlen schlecht entwickelt.

Vater Othmar Meyer hatte die Lokalzeitung abgetreten, weil sich in der Familie niemand zum Journalismus berufen fühlte, sagt Marc Meyer weiter: «Grossvater und Vater hatten hier mehr Freude. Entsprechend haben wir entschieden, ganz auf den Akzidenzdruck zu setzen.» Im Nachhinein stellte sich dieser Entscheid als richtig heraus, «auch wenn ich bedauere, dass mit der Einstellung des Oberwiggertalers Arbeitsplätze und viel Geschichte verloren gehen».