Aus Luzern vertriebener Cordon-bleu-Klopfer ist jetzt in Emmenbrücke tätig

Nach Ärger mit Nachbarn wegen der Fleisch-Klopferei hat das Restaurant Kränzlin einen neuen Standort am Sonnenplatz. Pächter Müslüm Karakoc sagt, warum er hier keine Beschwerden befürchtet – und wie sein Lokal überhaupt zum Namen kommt.

Roman Hodel
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Klopfgeräusche in der Küche. Manchmal ganz schön laut. Sie gehören zu jedem Restaurant, das Cordon-bleu serviert. Hierfür legt der Koch das Kalb- oder Schweinefleischstück auf einen Holzblock und schlägt es mit einem Fleischklopfer flach. Denn dieses sollte möglichst dünn sein, sonst gerät das ganze Päckli mit Käse, Schinken und Panade zu dick. So läuft dies auch im «Kränzlin». Es befindet sich seit Kurzem in den Räumen der ehemaligen «Sonne» am Sonnenplatz in Emmenbrücke und ist bekannt für seine Cordon-bleus in verschiedenen Variationen.

Koch Erhol Korhan und Pächter Müslüm Karakoc in der Küche des «Kränzlin». (Bilder: Corinne Glanzmann, Emmenbrücke 14. November 2019)

Koch Erhol Korhan und Pächter Müslüm Karakoc in der Küche des «Kränzlin». (Bilder: Corinne Glanzmann, Emmenbrücke 14. November 2019)

Klopfgeräusche und «Kränzlin» – da war doch mal was?! Genau. Bald drei Jahre ist es her, als das Restaurant deswegen für Schlagzeilen sorgte. Sogar «RTL» aus Deutschland erkundige sich bei Wirt Müslüm Karakoc (32). Damals befand sich das Lokal noch an der Bruchstrasse in Luzern, war gerade mal ein Jahr in Betrieb. Das Problem: Einige Bewohner im selben Haus beschwerten sich bei der Liegenschaftsverwaltung über die Klopfgeräusche. Das ganze Haus vibriere, sieben Tage die Woche, insbesondere am Abend, monierten sie. Karakoc wehrte sich mit dem Argument, ein Cordon-bleu müsse frisch sein und könne nicht vorbereitet werden. 

Trotz des Einsatzes einfacher Vibrationsdämpfer kam es zu keiner Einigung – im Gegenteil. «Später beschwerten sich Nachbarn, meine Gäste würden zu viele Parkplätze im Quartier besetzen», sagt Karakoc. «Irgendwann hatte ich genug von den ständigen Reklamationen.» Anfang dieses Jahres schloss er das Restaurant an der Bruchstrasse. «Freiwillig», wie er betont. Seither machten die Cordon-bleus Pause. Pizzen immerhin gab es take-away aus dem Sizin Grillhaus beim Bahnhof Emmenbrücke – einer Dönerbude, die ihm ebenfalls gehört.

Im Frühling dann kam ihm zu Ohren, dass die «Sonne» – zuletzt eine Pizzeria – frei wird. «Passt», dachte sich Karakoc. Denn: «Wir bieten das Beste aus der Schweizer und der italienischen Küche», wie der Kurde aus der Türkei sagt. Einen Monat nach dem ersten Telefonat war der Vertrag unterschrieben. Vor der Eröffnung liess er dem Lokal jedoch eine Schönheits-OP verpassen. Die behäbigen Holzkassettendecken sind zwar noch da, aber nun teilweise weiss gestrichen. Zusammen mit den anthrazitfarbenen Wänden, dem neuen Parkettboden sowie den dunkelbraunen Möbeln und den schwarzen Pendellampen entsprechen die Räume jetzt ganz dem Zeitgeist trendiger Restaurantarchitektur.

Filiz und Müslüm Karakoc im Restaurant.

Filiz und Müslüm Karakoc im Restaurant.

Fast schon altmodisch klingt dagegen «Kränzlin». Ein Familienname, der zumindest gastronomisch gesehen in Luzern bis 2016, als Karakoc sein Lokal an der Bruchstrasse eröffnet hat, nicht existierte. Die Spur führt Richtung Osten. Ab den 1920er Jahren führten die Gebrüder Kränzlin in Zürich, Winterthur und St. Gallen zahlreiche Lokale, vor allem Tea-Rooms. Heute existiert nur noch eines davon – in St. Gallen. Allerdings wurde dieses Café vor über 40 Jahren verkauft und ist heute auf Döner, Pizza und Pasta spezialisiert. Der Betreiber ist ein Bekannter von Karakoc. Letzterer sagt: «Mir gefiel der Name und ich erhielt von ihm die Erlaubnis zur Verwendung.»

Karakoc betreibt das «Kränzlin» mit zwei Geschäftspartnern. Seine Frau Filiz (34) ist im Hintergrund tätig. Und es sind noch mehr Mitglieder der türkisch-schweizerischen Familie involviert: Am Herd steht etwa der Vater von Filiz, Erol Korhan (56). Bei einem Testessen zeigte sich – er hat das Cordon-bleu im Griff. Aussen knusprig, innen saftig, der Käse würzig. Nur die Schinkenmenge fiel etwas gar üppig aus. Laut Korhan ist Cordon-bleu auch das meist bestellte Gericht – rund 30 sind es pro Tag. Vor allem aber muss Pächter Müslüm Karakoc hier keine Reklamationen von Nachbarn wegen der Klopfgeräusche befürchten – er sagt: «In den Etagen über dem Restaurant hat es nur Büros und Ärzte.»

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