Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

AUSBILDUNG: «Attestlehre hat sich etabliert»

Die Anlehre ist mittlerweile fast komplett durch die Attestlehre ersetzt worden. Erfolgreich. Doch für schwache Schüler muss noch einiges getan werden.
Martina Webner absolviert bei der Firma Biene Fenster AG in Winikon eine Lehre als Schreinerpraktikerin. (Bild Manuela Jans)

Martina Webner absolviert bei der Firma Biene Fenster AG in Winikon eine Lehre als Schreinerpraktikerin. (Bild Manuela Jans)

Cyril Aregger

Vor zehn Jahre schlossen die ersten Jugendlichen in der Schweiz die zweijährige Attestlehre ab (siehe Kasten). Sie hat die frühere Anlehre mittlerweile fast vollständig ersetzt und «hat sich mittlerweile etabliert», wie Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung beim Kanton Luzern, feststellt. Die Zahl der Jugendlichen, die eine Attestlehre absolvieren, hat sich in den letzten Jahren bei rund 1000 Jugendlichen eingependelt. Im vergangenen Jahr beispielsweise wurden 498 neue Lehrverträge abgeschlossen, darin enthalten auch eine kleine Anzahl Anlehren.

Weniger Plätze als erwartet

Dass sich das Angebot in den letzten drei, vier Jahren stabilisiert hat, überrascht. Noch vor zwei Jahren ortete man bei der Dienststelle einen zusätzlichen Bedarf von bis zu 200 Attestlehrstellen. «Offensichtlich gibt der Markt aber nicht mehr her – sowohl auf Seiten der Arbeitgeber als auch auf Seiten der Lehrstellensuchenden», analysiert Spöring heute.

Die Frage sei aber auch, wie die Lehrbetriebe einstellen würden. «Unser Rat ist eigentlich, im Zweifelsfall besser mit der zweijährigen Lehre zu beginnen und im Erfolgsfall auf die dreijährige zu wechseln», sagt Spöring. Insbesondere die Eltern würden oftmals Druck ausüben, damit ihr Kind eine dreijährige Berufslehre beginne. Möglich, dass dabei auch noch etwas das schlechte Image der Anlehre mitspielt. «Hingegen ist für Jugendliche eine allfällige Rückstufung viel schwieriger zu verarbeiten.» Dank der Durchlässigkeit könnten Attestlehrlinge schliesslich auch nach dem Start in die Berufsausbildung problemlos wechseln. Im Schnitt absolvieren im Kanton Luzern rund ein Viertel der Attestlehrlinge danach auch noch die drei- oder vierjährige Berufslehre – in einigen Berufen, zum Beispiel bei den Automobil-Assisten­ten, liege die Quote gar deutlich höher – bei rund zwei Dritteln.

Weniger Probleme mit dem Ansehen der Attestlehre gibt es nach Spörings Beobachtungen bei den Arbeitgebern. «Zwar kommt es auch auf die Branche an, aber man kann definitiv sagen, dass sich das Angebot hier etabliert hat.»

Schreiner als positives Beispiel

Das bestätigt Roland Vonarburg, Präsi­dent des kantonalen Gewerbeverbands. Die Entwicklung sei positiv: «Viele Branchenverbände setzten in den letzten Jahren die Bemühungen um die Attestlehre ins Zentrum.» Als positives Beispiel fügt er – wie übrigens auch Christof Spö­ring – die Schreiner an: «Hier ist die Durchlässigkeit zwischen Attestlehre und Berufslehre sehr gut. Die Jugendlichen können – je nach Fähigkeiten – problemlos zwischen den beiden Ausbildungen hin und her wechseln.»

Auch Vonarburg schätzt, dass sich Angebot und Nachfrage bei den Attestlehren derzeit in etwa die Waage halten.

Gewerbe möchte Zusatzangebot

Ein Problem sieht er aber anderswo: Nach wie vor sei es so, dass die Leistungen gewisser Schulabgänger auch für eine Attestlehre nicht reichten. «In solchen Fällen lässt ein Lehrmeister die Stelle dann lieber frei.» Die schwachen Leistungen bedeuteten nicht zwangsläufig, dass es sich bei den Jugendlichen um schlechte Schüler handle, erläutert Vonarburg. «Aber wenn zum Beispiel ein Jugendlicher mit 14 Jahren im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz kommt, hat er einfach ganz andere Voraussetzungen.» Deshalb wünscht sich der Gewerbeverband – nebst den bestehenden Brückenangeboten – weiterhin einen noch niederschwelligeren Einstieg ins Berufsleben. Vonarburg stellt sich beispielsweise ein Vorpraktikum oder ein Einführungsjahr vor der eigentlichen Attestlehre vor. Politisch will der Gewerbeverband vorerst nicht aktiv werden, so Vonarburg. Aber die Attestlehre werde bei den regelmässigen Treffen mit der kantonalen Dienststelle Berufs- und Weiterbildung und den Berufsverbänden thematisiert. «Ziel aller Partner ist es ja, möglichst alle jungen Menschen in die Erwerbstätigkeit zu führen.»

Betreuungsplätze entscheidend

Vonarburgs Idee von zusätzlichen Angeboten ist für Christof Spöring von der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung hingegen eigentlich unnötig: «Wir haben bereits heute mehrstufige Brückenangebote für Spätmigrierende. Diese können bis zu drei Jahre dauern. Aber wahrscheinlich müssen wir diese Angebote noch besser kommunizieren.» Eine Herausforderung werde es allerdings, genügend Betreuungsplätze anzubieten, wenn die Zahl der spätmigrie­renden Jugendlichen – die zudem völlig unterschiedliche Wissensvoraussetzungen mitbrächten – steige. «Und die Zahl nimmt schon heute zu.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.