AUSBILDUNG: Skibauer erweitern Horizont

Wer Skibauer lernen will, kann dies nur bei der Luzerner Skifabrik Stöckli tun. Die Lehrlinge träumen vom Weltcup. Doch der Weg dorthin ist schwierig. Deshalb werden Skibauer nun vielseitiger.

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Vor der Produktionshalle von Stöckli-Ski in Malters (von links nach rechts): Roman Bregy, Kay Schöb, Ivan Ruff und Lukas Vieli. (Bild Dominik Wunderli)

Vor der Produktionshalle von Stöckli-Ski in Malters (von links nach rechts): Roman Bregy, Kay Schöb, Ivan Ruff und Lukas Vieli. (Bild Dominik Wunderli)

Stephan Santschi

Zweifache Weltmeisterin 2015, zweifache Olympiasiegerin 2014, Gesamtweltcup-Siegerin und Weltmeisterin 2013, Weltmeisterin 2011 – Tina Maze zählt zu den dominierenden Athletinnen im alpinen Skirennsport. Seit sieben Jahren fährt die Slowenin mit Stöckli-Ski zu ihren Erfolgen. «Der Spitzensport hat für unsere Firma einen sehr grossen Stellenwert. Erst dadurch wurde der Name Stöckli in die weite Welt hinausgetragen», sagt Daniel Baumgartner, Produktionsleiter der Stöckli Swiss Sports AG in Malters.

Der Traum vom Servicemann

Um für Weltklasse-Athleten attraktiv zu bleiben, investiert die Luzerner Skifabrik mit Hauptsitz in Wolhusen viel in die Ausbildung. Schreiner mit Fachrichtung Skibau nennt sich die vierjährige Lehre, die dem Absolventen sämtliche Schritte der Skiproduktion erläutert. Die Stöckli in Malters ist dabei die einzige Firma in der Schweiz, die Skibauer ausbildet. Zur Berufsschule gehen sie mit den Schreinern in Willisau. Aktuell sind vier junge Männer in Ausbildung, drei kommen aus der Zentralschweiz.

Kay Schöb. Der 21-jährige Stadtluzerner steht im vierten und letzten Lehrjahr. «Früher bestanden die Ski nur aus Holz, heute enthalten sie auch Aluminium, Stahl oder verschiedene Kunststoffe. Zusammen funktioniert es, das fasziniert mich», erklärt Schöb. Die tägliche Arbeit erfordere ein hohes Mass an Präzision und Konzentration. Letzteres bekam er am eigenen Leib zu spüren, eine Schnittverletzung an der Hand setzte ihn drei Monate ausser Gefecht. Skibauer lernt er, weil er nach einer Knieverletzung seine Aktivkarriere im Skisport nicht weiterführen konnte. Der Traum vom Servicemann im Weltcup schlummert in seinem Hinterkopf.

Roman Bregy. Der 19-Jährige aus Dallenwil steht im dritten Lehrjahr. Auch er hatte einst grosse Pläne als Skifahrer, «doch dann sind mir die anderen zu schnell geworden», erzählt der Nidwaldner. Skibauer sei ein vielseitiger Beruf und erfordere eine gewisse Selbstständigkeit. Auch er träumt von einer Anstellung als Servicemann.

Ivan Ruff. Der 20-jährige Sarner hat nach der zweijährigen Lehre zum Schreinerpraktiker direkt ins zweite Lehrjahr einsteigen können. «Ich fahre sehr gerne Ski. Wer keinen Wintersport betreibt, dem bringt diese Lehre weniger als einem Vollblutschneesportler», ist der Obwaldner überzeugt. Das Wissen, was einen guten Ski ausmacht, interessiere ihn. Dereinst Servicemann einer Athletin wie Tina Maze zu sein, sei sehr reizvoll. «Ich weiss aber auch, dass damit Druck verbunden ist. Wenn sie nicht schnell unterwegs ist, heisst es bald, dass der Ski nicht gut präpariert war.»

Lukas Vieli. Der 17-jährige Bündner aus Vals steht im zweiten Lehrjahr. Auch er träumte einst von grossen Erfolgen auf der Skipiste, musste seine Ambitionen wegen eines Skiunfalls aber begraben. «Einen Ski zusammenzustellen, vom Belag bis zum Deckblatt, gefällt mir», berichtet Vieli. Nach der J+S-Ausbildung will er sich in Amerika zum Nationaltrainer ausbilden lassen.

Sämtliche Lehrlinge sehen ihre Zukunft also im Rennsport. Doch die Plätze dort sind sehr beschränkt und setzen jahrelange Berufserfahrung voraus. Auch Stöckli, landesweit der grösste Skihersteller, kann nicht alle Lehrlinge nach der Ausbildung beschäftigen. «Und ausserhalb ist der Bedarf an Skibauern sehr beschränkt», weiss Produktionsleiter Baumgartner.

Skibauer wird zum Schreiner

Um die beruflichen Perspektiven zu erhöhen, ist die Ausbildung im letzten Jahr umstrukturiert worden. «Neu wird der Lehrling vertieft im Bereich Schreinerei ausgebildet», so Baumgartner. In der Theorie war dies zwar bereits der Fall, die praktische Schreiner-Ausbildung fehlte dem Skibauer allerdings. «Nun senden wir den Lehrling in den ersten drei Jahren für insgesamt sechs Monate in Schreinereien, wo er das Handwerk lernen kann. Dann schliesst er den Teilbereich Schreiner mit einer Prüfung ab und widmet sich im letzten Jahr nur noch dem Skibauen», erklärt Lehrlingsbetreuer André Henzen.

An den Grundvoraussetzungen ändert sich aber nichts. Ein Skibauer braucht weiterhin handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und gestalterische Fähigkeiten. Schliesslich soll Tina Maze nicht die letzte Olympiasiegerin und Weltmeisterin mit Stöckli-Ski unter den Füssen gewesen sein ...