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AUSGEMUSTERT: «Topmoderne» VBL-Busse fahren in Chile

Nun fahren ehemalige Trolleybusse der VBL in Chile. Diese bedeuten dort eine Komfortsteigerung – einzig die Farbe passte den Chilenen nicht.

Robert Knobel
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Ein wohlvertrauter Luzerner Trolleybus in Valparaiso – hier allerdings in dunkelgrün (Mitte). Links ein Bus aus Zürich. (Bild Samuel Fuentes/Valparaiso)

Ein wohlvertrauter Luzerner Trolleybus in Valparaiso – hier allerdings in dunkelgrün (Mitte). Links ein Bus aus Zürich. (Bild Samuel Fuentes/Valparaiso)

Luzern hat kürzlich topmoderne neue Trolleybusse erhalten. Das freut auch die Stadt Valparaíso in Chile. Denn auch dort wurden vergangene Woche 10 topmoder­ne Trolleybusse in Betrieb genommen – topmodern zumindest für das dortige Verständnis. Es handelt sich nämlich um ausrangierte VBL-Trolleys mit Jahrgang 1989. Diese wurden im vergangenen Sommer per Schiff in die 280 000-Einwohner-Hafenstadt am Pazifik transportiert. Zuvor waren sie von den VBL zum symbolischen Preis von 5000 Franken pro Fahrzeug an die Verkehrsbetriebe von Valparaíso verkauft worden.

Für die beiden Luzerner hat ein neuer Alltag begonnen. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
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Die Busse aus Luzern fahren jetzt wortwörtlich grün. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
In Valparaiso in Chile machen die VBL-Busse neue Begegnungen: Vorne fährt ein Trolleybus, der einst in Zürich unterwegs war. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
Ein Amerikaner in Chile: Der Oldtimer links ist ein Pullman aus den USA – der älteste noch im Einsatz stehende Trolleybus der Welt. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
Fünf der zehn Ex-Luzerner stehen im Busdepot. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
Chauffeuere und Behördenvertreter freuen sich auf die bevorstehende offizielle Inbetriebnahme. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
So muss das sein: Während der Rede stehen Busse und deren Lenker in Reih und Glied. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
Einer der Luzerner Busse fährt im Zentrum der 280'000-Einwohner-Hafenstadt am Pazifik. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
Nur 5000 Franken teuer, 26-jährig und immer noch rüstig: Der Trolleybus nimmt eine Aufwärtskurve. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
Dieser Bus hat Feierabend. Er fährt ins Depot. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)
Anderes Land, andere Denkmäler – der Bus kommt auch hier zurecht. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)

Für die beiden Luzerner hat ein neuer Alltag begonnen. (Bild: Samuel Fuentes, Valparaiso)

Ohne Anhänger unterwegs

Die Busse können noch jahrelang weiterbetrieben werden – zumal 9 Stück desselben Modells nach wie vor durch die Agglomeration Luzern fahren, und zwar auf den Linien 1 und 8. Hier sind sie jeweils mit Anhänger unterwegs.

Diese fehlen in Valparaíso allerdings. «Die zweiachsigen Fahrzeuge genügen dort, dafür wird in einem sehr dichten Takt gefahren», weiss der Zürcher ÖV-Journalist Reto Westermann, der selber schon in Valparaíso war.

Im Innern ist alles noch original

Auch wenn die Busse für Luzerner Augen auf den ersten Blick erkennbar sind, sticht doch ein gewichtiger Unterschied heraus: die Farbe. In Chile hat jedes Transportunternehmen eine fix zugeteilte Farbe – in Valparaíso ist dies dunkelgrün. Deshalb wurden die Luzerner Busse entsprechend umgespritzt. Im Innern hingegen herrscht weitgehend Originalzustand, wie Westermann erzählt. «Dort sind die Luzerner Linienpläne immer noch zu sehen, genauso wie das Schild ‹Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen›».

Die Chilenen werden in einem weiteren Punkt bald dem Luzerner Beispiel folgen. So ist nämlich die Einführung eines Verkehrsverbunds geplant. Künftig braucht es nur noch ein einziges Ticket für das 9 Kilometer lange Trolleybusnetz, die S-Bahn sowie die historischen Schräglifte (Ascensores), die unter Unesco-Schutz stehen.

Die Luzerner Busse bedeuten auch für die Chauffeure eine deutliche Komfortsteigerung. Sie hatten nämlich bisher das Problem, dass das Busdepot nicht an die Oberleitung angeschlossen war. Ins Depot konnten sie nur gelangen, wenn sie genügend Schwung hatten. Weil die Luzerner Trolleybusse mit einem kleinen Dieselmotor ausgestattet sind, ist es künftig kein Problem mehr, die Stromversorgungslücke zu überbrücken.

Älteste Trolleybusse der Welt

Die Luzerner Busse sind übrigens nicht die ersten, die in Valparaíso ein zweites Leben erhalten. Der Fuhrpark der Verkehrsbetriebe umfasst auch amerikanische Trolleybusse von Pullman aus den Jahren 1947 und 1952. Diese stehen unter Denkmalschutz und sind die ältesten noch in Betrieb stehenden Trolleybusse der Welt.

Auch Zürich, Genf und Schaffhausen schickten ihre Trolleys mit Baujahr 1959 bis 1966 nach Valparaíso. Diese werden allerdings aufgrund ihres Alters demnächst definitiv ausgemustert – während die noch älteren amerikanischen Busse nach wie vor tipptopp funktionieren.