Ausgerechnet Basel wirbt Luzerner Frauenzünftlerinnen ab

Verrückt: Eben erst gegründet, steht die Lozärner Frauezomft vor einer unsicheren Zukunft. Nicht etwa wegen mangelndem Erfolg – ganz im Gegenteil.

Mischtian Chreier
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Die Lozärner Frauezomft unter Zunftmeisterin Ursula Wämmer bei einem ihrer womöglich letzten Auftritte. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 4. März 2019)

Die Lozärner Frauezomft unter Zunftmeisterin Ursula Wämmer bei einem ihrer womöglich letzten Auftritte. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 4. März 2019)

Die Geschehnisse rund um die am vergangenen Mittwoch aus der Taufe gehobenen Lozärner Frauezomft sind schier unglaublich – und mögen auf Distanz so wirken, als seien sie einer (besseren) Fasnachtssatire entsprungen.

Wir rekapitulieren: Angetreten ist die Gruppierung rund um Zunftmeisterin Ursula Wämmer, um die Dominanz der Männer innerhalb der organisierten Luzerner Fasnachtsszene zu brechen. «Wir Frauen müssen überall dort draussen bleiben, wo bei verreckt viel Bier und Holdrio Pakte geschlossen und Pfründe verteilt werden», sagte am Mittwoch Ursula Wämmer gegenüber unserer Zeitung. Darum sei es kein Wunder, dass sich Frauen bei uns auch in der Politik und in der Wirtschaft nur schwer durchsetzen könnten.

Während diese Botschaft bei den etablierten Luzerner Männerbünden eher verhalten aufgenommen wurde (siehe auch Box unten), stiess sie anderswo auf riesigen Zuspruch – wohl nicht zuletzt dank der gut inszenierten Gründung bei der Luzerner Kapellbrücke vor den Augen zahlreicher Touristen. Allein auf Instagram hat die Frauezomft gemäss eigenen Angaben schon zehntausende Followerinnen. Die klassischen Medien wiederum haben sich weltweit dem Thema in überwiegend wohlwollendem Sinne angenommen. Einzig «Fox-News» soll unter dem Titel «Swiss rebellion of the weaker sex» einen eher hämischen Beitrag gesendet haben. Andere Redaktionen zeigten sich dagegen vor allem vom Vorhaben der Frauezomft beeindruckt, bis spätestens in vier Jahren mehrere wählbare Kandidatinnen für den Luzerner Regierungsrat gefunden zu haben.

Headhunter haben Blut geleckt

Die Publicity hat nun mehrere Headhunter auf die illustre Gruppe von Luzerner Frauen aufmerksam werden lassen. Wie unsere Zeitung aus kreativen Quellen weiss, wurden übers Wochenende mehrere Exponentinnen der Frauezomft mit attraktiven Angeboten für Führungspositionen eingedeckt. Bezeichnenderweise kommen alle ausnahmslos aus dem Raum Basel. So soll Modefachfrau Susanne Rock die Art Basel übernehmen. Fussballerin Lara Dackelmann wiederum sei drauf und dran, ihre Aktivkarriere zugunsten eines sensationellen und kaum auszuschlagenden Cheftrainerangebots ebenfalls aus Basel zu beenden. Regisseurin Annette Lüftlin verhandle mit dem Theater Basel in Sachen Intendanz, «Tatort»-Kommissarin Delia Leier steht offenbar als Chefin der Basler Kriminalpolizei im Gespräch. Dem Vernehmen nach soll auch die Luzerner «Monopol»-Direktorin Brigitte Greller kurz vor dem Absprung sein und bei Novartis «irgendeinen Kaderjob in Englisch» übernehmen.

Unbestätigt ist das Gerücht, dass die bisherige Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gspür-Mönenberger neu als Top Shot der CVP Basel für den Ständerat kandidiere. Auch die Behauptung, die grüne Politikerin Sultanina Bärtsch trage sich mit dem Gedanken, ihre Schriften nach dem 31. März (also am 1. April) nach Basel zu verlegen, konnte vom Rechercheteam unserer Zeitung noch nicht verifiziert werden. Klar scheint aber, dass Bärtsch aufgrund ihres Profils sehr gute Chancen hätte, 2020 quasi auf Lebenszeit in die Basler Regierung gewählt zu werden.

Um Zunftmeisterin Ursula Wämmer könnte es also bald ziemlich einsam werden. Am Montag Abend treffen wir sie zufällig in der Luzerner Münzgasse, wo sie sich mit mehreren Frauenzünftlerinnen im «Blue-Aquarium» auf einen womöglich letzten Trunk verabredet hat. «Einsam? Nein, das werde ich sicher nicht», widerspricht sie lachend. Denn erstens bestehe ihr soziales Umfeld ja längst nicht nur aus Frauenzünftlerinnen. «Und zweitens hat auch mich eine sehr attraktive Offerte erreicht», sagt sie geheimnisvoll. Um dann doch noch mit der Wahrheit herauszurücken: «Am Sonntag erhielt auch ich einen Anruf – vom Basler Fasnachtscomité ...»

Zünftler fordern Verhüllung der Frauezomft

Eigentlich hätte die erste Zunftmeisterin der Lozärner Frauezomft, Ursula Wämmer, gestern am Wey-Umzug gerne ihren Antrittsbesuch im Kreise der etablierten Zünfte gemacht. Doch dazu sollte es nicht kommen: Das Luzerner Fasnachtskomitee sprach zwar eine formelle Einladung aus – stellte aber zugleich eine für die Frauezomft inakzeptable Forderung: Für die Zünftlerinnen gelte eine Verhüllungspflicht, liess man verlauten. Gegenüber Tele 1 sagte dazu Michael im Wald, Mitglied der LFK-Geschäftsleitung: «Wenn man bei uns mitmarschieren will, muss man einen Grend tragen. Die Frauenzünftlerinnen sind herzlich eingeladen, sich etwa als Köngisböög mit einem goldigen Grend zu verkleiden.»

Es erstaunt wenig, dass sich Ursula Wämmer nach Absprache mit dem Vorstand dazu entschied, den Termin sausen zu lassen. «Während sich andere Zunftvertreter baren Hauptes am Umzug zeigen, soll ausgerechnet ich mich einem Verhüllungszwang unterwerfen», empört sie sich und fragt rhetorisch: «Wo leben wir eigentlich? Und in welchem Jahr?»

Doch Wämmer bleibt pragmatisch: «Letztlich zeigt die Episode ja nur, dass es uns dringend braucht.» Sagt’s, lacht ihr raues Lachen, klimpert mit ihrer billigen Zunftkette – und gönnt sich zur Beruhigung einen ordentlichen Schluck Holdrio. Oder zwei.

Hinweis: Es könnte gut sein, dass die Berichterstattung über die «Lozärner Frauezomft» mit diesem Beitrag endet.

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