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Ausgrabungen in Willisau werfen Licht auf wenig bekannte Vergangenheit

Im Zuge von Restaurierungsarbeiten wurden in Willisau die zerstörten Überreste von Häusern entdeckt. Mauerreste, Brandspuren und Artefakte gewähren Einblicke in eine kaum bekannte Ecke Willisaus.

Pablo Mathis
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Grabungen in Willisau offenbarten die Ruinen von Häusern, die in Bränden zerstört wurden.

Grabungen in Willisau offenbarten die Ruinen von Häusern, die in Bränden zerstört wurden.

Bilder: Manuela Jans-Koch (Willisau, 16. Oktober 2020)

Luzerner Archäologen haben bei Grabungen in Willisau bemerkenswerte Zeugnisse über die Geschichte der noch jungen Stadt gefunden. Der Projektleiter Fabian Küng von der Kantonsarchäologie Luzern erzählt:

«Die Bodenschichten sind zusammen mit den darin verschütteten Ruinen und Fundstücken ein einzigartiges Archiv.»

Tatsächlich lassen sich auf der 75 Quadratmeter grossen Grabungsfläche im ehemaligen St.-Niklaus-Pfrundhaus am Schlossweg die Grundmauern zweier mittelalterlicher Häuser finden. Diese fielen den Stadtbränden von 1386 und 1704 zum Opfer und sind Zeugen der von Bränden gebeutelten Geschichte Willisaus. Denn trotz ihres verhältnismässig jungen Alters – die Stadt entstand erst in den Jahren 1302 und 1303 – wurde die Gemeinde bereits viermal von Bränden verwüstet.

Kantonsarchäologe prüft Baugesuche

Diese Vergangenheit hatte Willisau viele unterirdische Ruinen beschert, sodass bei Neu- und Umbauten stets die Gefahr besteht, historisches Erbe zu zerstören. Um dies zu verhindern, wurde die Willisauer Altstadt ins kantonale Fundstelleninventar eingetragen. Wird also ein Baugesuch eingereicht, prüft die Kantonsarchäologie, ob eine genauere Dokumentation der potenziell darunterliegenden Ruinen angebracht ist.

Dies war auch der Fall, als im 1715 errichteten Haus am Schlossweg 4 eine neue Bodenkonstruktion installiert werden sollte. Da durch diese Arbeiten eine Bodenschicht von rund 40 Zentimetern Tiefe zerstört wird, in der Überreste des alten Stadtspitals und einer Schule vermutet werden, wird seit Ende August der Boden bis zu dieser Tiefe ausgehoben und analysiert. Weiter wollen die Archäologen allerdings nicht gehen: «Wir dokumentieren lediglich die Schicht, die zerstört wird. Darunterliegende Schichten wollen wir für die Zukunft bewahren, wo eine Untersuchung mit besseren Methoden möglich sein könnte», erklärt Küng.

Was Ausgrabungen über die Vergangenheit erzählen

Nebst den Brandspuren lässt sich auch der Abdruck eines Holzbalkens erkennen. Er diente als Fundament für den Holzboden.

Nebst den Brandspuren lässt sich auch der Abdruck eines Holzbalkens erkennen. Er diente als Fundament für den Holzboden.

Die Grabungen haben unterdessen viel zu Tage bringen können. Sockel und verzierte Kacheln von Öfen sowie Abdrücke von Holzplanken deuten auf Stuben hin. Zur damaligen Zeit waren allerdings vornehmlich Werkstätten und Keller im Parterre untergebracht. Die aufgefundenen Besonderheiten lassen daher darauf schliessen, dass es sich um die Überreste einer Schule oder eines Krankenhauses handelt. Ferner konnte eine Teuchelleitung aus ausgebohrtem Holz gefunden werden. Sie versorgte den Stadtbrunnen mit Wasser vom Schlossrain.

Auch Hinweise auf die Zeit vor der Stadtgründung wurden gefunden. Spuren am Kalktuff – einem porösen Sediment – sprechen für einen ehemaligen Steinbruch in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das gewonnene Gestein fand womöglich beim Bau der Willisauer Pfarrkirche Verwendung.

Ruinen werden bei Bauarbeiten zerstört

Noch gut zwei Wochen bleiben dem Team von Küng, um den Aushub zu erforschen. Ende dieses Monats beginnen dann die Bauarbeiten zur Installation des neuen Bodens, wobei die Ruinen zerstört werden. Bis dahin muss noch eine originalgetreue Zeichnung der Aushebung im Massstab 1 zu 20 erstellt werden. Diesem Zweck dienen auch die gelben, über die Stätte gespannten Schnüre. Sie bilden die Achsen eines Rasters, welches die Kartografierung vereinfacht. Um die Fundstücke auch nach der Archivierung dem jeweiligen Fundort zuordnen zu können, werden die Fundstellen mit Zahlen versehen.

Die gelben Schnüre erleichtern die Kartografierung.
12 Bilder
Die Fundorte werden mit Nummern versehen.
In etwa diese Form hatte einer der Öfen.
Auf den Kacheln finden sich auch Motive von Harfe-Spielern.
Grabungstechniker Luca Winiger informiert über die Fundstücke der Ausgrabungen.
Eines der Fundstücke.
Grabungstechniker bei der Arbeit.
Nebst den Brandspuren lässt sich auch der Abdruck eines Holzbalkens erkennen. Er diente als Fundament für den Holzboden.
Archäologe und Projektleiter Fabian Küng informiert über die Ausgrabungen.

Die gelben Schnüre erleichtern die Kartografierung.

Manuela Jans-Koch
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