Ausschreibung der Weihnachtsmärkte: Das kann Luzern von den Zürchern lernen

Im Gegensatz zur Stadt Luzern schreibt Zürich die Standorte von Weihnachtsmärkten bereits seit einigen Jahren aus – aber nur die neuen, nicht die traditionellen.

Roman Hodel
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Der Eingang zum Wienachtsdorf auf dem Zürcher Sechseläutenplatz – hier führt die Stadt Zürich alle fünf Jahre eine Ausschreibung durch.

Der Eingang zum Wienachtsdorf auf dem Zürcher Sechseläutenplatz – hier führt die Stadt Zürich alle fünf Jahre eine Ausschreibung durch.

(Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zürich 20. Dezember 2016)

Für die drei Weihnachtsmarkt-Standorte auf dem Franziskanerplatz, Inseli und im Vögeligärtli plant die Stadt Luzern im Jahr 2021 eine Ausschreibung. Es geht ihr laut Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, «um die Gewerbefreiheit und das grundsätzliche Interesse an Innovation im Angebot» (wir berichteten).

Anschauungsunterricht in Sachen Ausschreibung von Weihnachtsmärkten erhält Luzern in Zürich. Dort hatte der Stadtrat 2014 beschlossen, die Standorte Sechseläutenplatz und Münsterhof jeweils alle fünf Jahre auszuschreiben. Bislang gab es je einmal eine Vergabe. «Die Erfahrungen sind sehr gut», sagt Astrid Herrmann, Stabsmitarbeiterin des Präsidialdepartements. Im Zentrum stehe die Qualität. Zu den wichtigsten Kriterien bei der Beurteilung der Gesuche zählen gemäss den Richtlinien eine klare konzeptionelle Ausrichtung des Gesamtkonzepts sowohl bezüglich des Angebots als auch gestalterisch, weiter der regionale Bezug und schliesslich die Finanzierung, technische Aspekte und der Zeitplan.

«Aufgrund mehrerer Eingaben bestand jeweils die Möglichkeit, das beste Konzept auszuwählen», sagt Herrmann. Mit einer Ausnahme allerdings: Beim Münsterhof war die Stadt 2015 von keiner Eingabe überzeugt, sodass die Ausschreibung 2017 nochmals wiederholt werden musste. Gemäss Herrmann ist die Konzeption und Realisierung eines hochstehenden und wirtschaftlich funktionierenden Weihnachtsmarkts anspruchsvoll. Sie sagt:

«Das Anbieterfeld scheint deshalb wohl tatsächlich nicht unbegrenzt zu sein.»

Dass die Stadt Zürich überhaupt Ausschreibungen durchführt, liegt laut Herrmann nicht primär an der Gewerbefreiheit, sondern: «Der Sechseläutenplatz und später der Münsterhof wurden umgestaltet und dadurch neu bespielbar. Denn im Unterschied zu den Plänen in Luzern gilt das Ausschreibungsverfahren in Zürich eben nicht für die traditionellen Weihnachtsmärkte im Niederdorf und an der Bahnhofstrasse. Sie sagt dazu:

«Diese Märkte sind etabliert und gut ins Stadtleben integriert.»

Die neuen Märkte hingegen auf den beiden prominenten Stadtplätzen sollen das bestehende Angebot ergänzen und einen Mehrwert schaffen. Sie sagt: «Diese Herausforderung rechtfertigt den Aufwand von Ausschreibungsverfahren.»

Die Stadt Zürich vergibt die Standorte jeweils für fünf Jahre. Dies erscheint laut Herrmann als «geeigneter Zeitraum», um einerseits die wirtschaftliche Machbarkeit zu gewährleisten und andererseits die gewünschte Qualität dieser Veranstaltungen einfordern zu können. «Falls neue Erkenntnisse eine andere Zeitdauer für die Rahmenzusage nahelegen, würde die Stadt eine Anpassung prüfen», sagt Herrmann weiter.

Den Zuschlag für den Sechseläutenplatz erhielt 2015 ein Team, das auch bei «Rudolfs Weihnacht» auf dem Luzerner Inseli beteiligt ist. Wer die beiden Märkte vergleicht, stellt abgesehen von der Grösse denn auch Parallelen fest: Etwa das Fondue-Chalet, das food-lastige Angebot und insbesondere die aufwendige Dekoration des ganzen Areals – hier Luzern:

(Bild: Boris Bürgisser, Luzern 16. Dezember 2019)

Der «Tages-Anzeiger» bezeichnete jenes auf dem Sechseläutenplatz einst als «Hipster-Weihnachtsdörfli» – das trifft durchaus auch auf das Luzerner Inseli zu. Allerdings: Ob die Organisatoren ihr «Wienachtsdorf» in Zürich auch nächstes Jahr aufstellen können, ist noch offen. Denn die Stadt hat den Sechseläutenplatz neu ausgeschrieben. Im Februar wird sie bekannt geben, ob die neuen Veranstalter die alten sind.