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AUSSTELLUNG: Geuenseer feiern die Nachbarschaft

Gemeindeschreiber Albert Albisser und der pensionierte Fotograf Ueli Meyer lancieren ihre dritte Ausstellung zur Förderung des kulturellen Zusammenlebens. Es ist ein Hattrick der besonderen Art.
Die Nachbarschaft ist im Bilde: Albert Albisser (links) und Ueli Meyer mit einer ihrer Fotografien (Bild: Corinne Glanzmann (Geuensee, 24. Mai 2017))

Die Nachbarschaft ist im Bilde: Albert Albisser (links) und Ueli Meyer mit einer ihrer Fotografien (Bild: Corinne Glanzmann (Geuensee, 24. Mai 2017))

«NachBAR»: So heisst die Ausstellung, die am Samstag ab 15 Uhr beim alten Schulhaus in Geuensee mit einem Fest eröffnet wird. Einer der Macher ist der Gemeindeschreiber Albert Albisser. Er betont: «Es ist mehr als eine Ausstellung. Es ist ein Integrationsprojekt, das wir nun zum dritten Mal durchführen.» Wir erinnern uns: 2013 sind an verschiedenen Stationen im Dorf 200 Einwohner mit Fotos, Namen und Be­rufsangabe (Kopfweg) porträtiert worden. 2015 wurden 50 Bilder von Ausländern in einer Holzkugel ausgestellt (Globhuus). Und nun? Die Nachbarschaft wird thematisiert. 15 Abbildungen, jeweils 1,20 Meter auf 60 Zentimeter gross, zeigen rund 450 Menschen aus 15 Quartieren. Platziert werden sie unter freiem Himmel, just daneben steht ein Baustellencontainer, in dem eine Bar eingerichtet wurde. «Hier können sich die Besucher bei Bier, Wein und Mineral auf Gespräche unter Nachbarn treffen», sagt Albisser.

Sinn und Zweck der Aktion? Die Durchmischung der Ge­sellschaft. In einer Gemeinde mit einem Ausländeranteil von 22 Prozent bedeutet dies selbstredend auch Integration. «Am Ende sind wir alles Nachbarn, die sich kennen lernen sollten. Das beginnt mit der Frage, woher man komme», erklärt Albisser. Er weiss, dass Geuensee mit Ausländern assoziiert wird, das liege an den massiven Blockbauten im Zentrum, in dessen 72 Wohnungen 72 ausländische Familien leben würden. «Deshalb sollte man uns aber nicht nur stigmatisieren. Wir haben keine Probleme mit Ausländern, bei uns ist es ruhig.»

Genau um dieses interkulturelle Zusammenleben geht es dem nationalen Förderprogramm «Contakt-citoyenneté». Ins Leben gerufen wurde es im Jahr 2012 vom Migros-Kulturprozent und von der Eidgenössischen Migrationskommission, um das freiwillige Engagement in den Bereichen Migration und Integration zu unterstützen.

Geuensee wird mit 8000 Franken unterstützt

Für den aktuell dritten Zyklus waren 129 Ideen eingegangen, 56 davon werden mit einem Gesamtbetrag von 320 000 Franken unterstützt. Darunter eben auch die «NachBAR» aus Geuensee. «Dass wir jetzt zum dritten Mal hintereinander berücksichtigt werden, ist nicht üblich», sagt der pensionierte Polygraf und Fotograf Ueli Meyer (67), der neben Organisator Albisser für das Künstlerische zuständig ist.

Drei Treffer hintereinander – im Sport wird dieses Ereignis als Hattrick bezeichnet. Weshalb ernten die Geuenseer so viel Beachtung? «Einerseits stammen die Projekte gewöhnlicherweise aus Städten oder zumindest aus wesentlich grösseren Ortschaften als die unsrige. Andererseits stechen wir mit unserem Konzept heraus, Fotoausstellungen dieser Art macht sonst keiner», berichtet Meyer. Der finanzielle Support von «Contakt-citoyenneté» beläuft sich auf 8000 Franken. Das sollte die Aufwendungen decken – falls nicht, berappen die beiden die Differenz aus dem eigenen Sack. «Mir ist es wichtig, etwas für das Umfeld zu machen. In einem Dorf läuft man sich immer wieder über den Weg, eine Stadt dagegen ist anonymer», sagt Meyer, der vor zehn Jahren aus Basel nach Geuensee gezogen ist.

Am Samstag also geht es los mit der Ausstellung, die mit musikalischer Unterhaltung, einer Gratissuppe und dem Verkaufsstand von Bewohnern der Asylunterkunft garniert wird. Bis Ende September öffnet die «NachBAR» an 14 ausgewählten Tagen jeweils ab 18 Uhr ihre Containertür (siehe www.geuensee.ch/Aktuelles/NachBAR) . Bleibt die Frage, was die beiden Schausteller unter guter Nachbarschaft verstehen. «Es geht nicht darum, mit allen Kaffee zu trinken. Doch ich möchte den Leuten in die Augen schauen können, und ich will keinen Ärger», sagt Albisser, der in seiner Funktion auf der Gemeindeverwaltung regelmässig Telefonate führt, in denen jemand seinem Nachbarn etwas missgönnt. Ueli Meyer fügt derweil an: «Ein kleiner Schwatz über den Garten oder das Wetter, einander helfen und sich bei Bedarf etwas ausleihen – das ist für mich Nachbarschaftspflege.»

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

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