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AUSSTELLUNG: «Luzern ist die Fossilien-Hauptstadt der Schweiz»

Am Wochenende treffen sich zahlreiche Fans von Fossilien und Mineralien in Luzern. Doch was macht die Steine überhaupt so interessant? Ein Geologe und begeisterter Sammler gibt Auskunft.
Manuel Burkhard
Steine zum Fühlen und Mineralien zum Staunen. (Bild: PD)

Steine zum Fühlen und Mineralien zum Staunen. (Bild: PD)

Nächsten Samstag und Sonntag finden in der Messe Luzern die Zentralschweizer Mineralien- und Fossilien-Tage statt ( www.mineralien-zentralschweiz.ch ). Dort werden Edelsteine und Fossilien ausgestellt sowie gehandelt. Wir haben mit dem Luzerner Geologen und Fossilien-Spezialist Dr. Beat Keller über die Faszination der versteinerten Zeitzeugen gesprochen.

Beat Keller, woher kommt ihre Begeisterung für die Fossilien?

Als der Reussporttunnel ausgebrochen wurde, erfuhr ich, dass dort Versteinerungen gefunden. Ich fuhr hin – damals konnte man Baustellen noch einfach betreten – und meine Sammlertätigkeit nahm ihren Anfang. Anfänglich interessierte ich mich vor allem für schöne und seltene Fossilien. Durch das Geologiestudium erkannte ich den wissenschaftlichen Wert meiner Sammlung. Ich war fasziniert, wie sich anhand des Fossilinhalts und der Sedimentstrukturen von Gesteinen vergangene Welten rekonstruieren lassen.

Welche Erkenntnisse bringen die Fossilien?

Wir können die ökologischen, klimatischen und physikalischen Bedingungen zur Zeit der Ablagerung herauslesen und daraus die Landschaft und die atmosphärischen Bedingungen und deren Veränderungen rekonstruieren. Die weltweit gesammelten Daten helfen, die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Biosphäre und damit unsere Zivilisation abzuschätzen.

Was für Fossilien findet man in der Umgebung von Luzern?

Je nach Ablagerungsraum findet man Skelettteile von Meerestieren wie Muscheln, Schnecken, Fischen und Krebsen, aber auch Lebensspuren von Landtieren und Pflanzenreste. Viele Pflanzenfossilien aus den Gesteinen um Luzern entstammen Bäumen, die heute in den Subtropen wachsen. Durch seinen ausserordentlichen Reichtum an Versteinerungen kann Luzern wohl als Fossilienhauptstadt der Schweiz bezeichnet werden. Allerdings findet man im Raum Luzern keine Fossilien, die älter sind als 35 Millionen Jahre und daher weder Ammoniten noch Saurier.

Welches sind ihrer Meinung nach die spektakulärsten Funde in der Zentralschweiz?

Ich fand einen verkieselten Holzstamm eines Pistazienbaums. Darin sind Bohrlöcher von Bockkäfern erhalten, und selbst die einzelnen Holzzellen sowie die Jahrringe sind nach 19 Millionen Jahren noch erkennbar! Speziell sind bestimmt auch Eikapseln von Rochen, nebst Luzern existiert weltweit nur eine weitere Fundstelle. Und der Flügelabdruck, den ein abhebender Vogel im Schlick des einstigen Wattenmeers hinterlassen hat – ein Flügelschlag, präserviert für die Ewigkeit.

Welche Chancen hat ein Laie, ein Fossil zu finden?

Zufallsfunde sind immer möglich, aber eben: Zufall. Man muss wissen, wo die geologischen Bedingungen Fossilienvorkommen überhaupt möglich machen und die richtigen Gesteinsschichten kennen. Aber die Fossilien liegen nicht einfach so dort. Meist erkennt man an der Oberfläche nur einen kleinen Teil, den man identifizieren muss. Dann müssen der Fund geborgen und das Fossil in langwieriger Feinarbeit herauspräpariert werden.

Sie suchen und finden seit Jahrzehnten Fossilien. Was machen sie mit ihren Funden?

Bereits als 16-jähriger durfte ich gemeinsam mit meinem späteren Studienfreund Paul Felber meine Sammlung im Gletschergarten ausstellen. 1980 machte ich eine grössere Ausstellung – «Spuren» – im Gletschergarten, und noch heute sind dort einige meiner Fossilfunde ausgestellt. Der grösste Teil meiner Sammlung ist zuhause eingelagert, teils wissenschaftlich beschrieben, teils noch unpräpariert. Die schönsten Stücke stelle ich in einer Vitrine aus. Nach meiner Pensionierung werde ich die wissenschaftliche Bearbeitung wieder aufnehmen, zusammen mit Urs Wegmüller vom Naturhistorischen Museum Bern, mit dem ich bereits wissenschaftliche Publikationen gemacht habe.

An der Mineralienbörse werden solche Stücke auch gehandelt. Was halten Sie davon?

Der Handel ist wichtig, wenn er nicht ausartet, denn die Wissenschaft ist auf Sammler angewiesen, die viel Zeit in die Suche investieren. Viele Fossilien würden sonst gar nie entdeckt. Dass damit Handel getrieben wird, zeigt auch eine Wertschätzung gegenüber Fossilien. Wichtig ist, dass wissenschaftlich bedeutende Funde an Museen gehen.

Besteht auch die Gefahr, dass Fälschungen in Umlauf gebracht werden?

Sobald etwas Wert hat, wird es gefälscht, was auch bei Fossilien ein Problem ist. In der Anfangszeit von E-Bay habe ich spasseshalber ein kleines Saurierfossil ersteigert, für 20 Franken aus China, das teilweise gefälscht war. Ich habe reklamiert, die Fälschung zurückgeschickt und tatsächlich einen echten Kleinsaurier zurückerhalten.

Interview: Manuel Burkhard

stadt@luzernerzeitung.ch

Zur Person

Der Luzerner Beat Keller (62) ist seit 1990 CEO und Mitinhaber des Geotechnikunternehmens Keller+ Lorenz AG, Luzern. Der studierte Geologe hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zur Geologie der Zentralschweiz verfasst.

Geologe Beat Keller, CEO und Mitinhaber des Geotechnikunternehmens Keller+ Lorenz AG, Luzern. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 19. Januar 2016))

Geologe Beat Keller, CEO und Mitinhaber des Geotechnikunternehmens Keller+ Lorenz AG, Luzern. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 19. Januar 2016))

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